Recorded & Publishing

VUT wertet Warners Zebralution-Kauf als „Backpfeife“ für die Indies

Die Übernahme von Zebralution Music durch Warner Music sorgte am 3. November für Aufsehen im Musikbusiness. Beim VUT sieht  man die Entwicklung kritisch: Die Vorstandsvorsitzende Birte Wiemann moniert ein „weiteres Kapitel Musikwirtschaftskapitalismus“.

“Wer die Achterbahnfahrt von Zebralution aufmerksam verfolgt hat, dürfte bereits geahnt haben, dass die GEMA den Digitalvertrieb im Zuge ihrer ‚Fokussierung auf Kernkompetenzen‘ mit Bookwire an ein Unternehmen veräußert hat, zu dessen Kernkompetenz wiederum die Vermarktung von E-Books zählt – und eben nicht die von Musik“, lässt Birte Wiemann als Vorstandsvorsitzende des Verbands unabhängiger Musikunternehmer:innen (VUT) in einem Statement zu dem kurz zuvor bestätigten Deal wissen. „Dementsprechend bestätigt sich just unsere Vorhersage: Bookwire hat nach der Integration des Spoken-Word-Contents schlicht und einfach keine Verwendung mehr für die ausgegründete Zebralution Music – und veräußert den Bereich meistbietend.“

Die VUT-Vorsitzende kritisiert den Vorgang: „Hier stecken wir Unabhängigen die nächste Backpfeife ein: Denn obwohl andere Bieter im Rennen waren, geht der Zuschlag an Warner. Dass das für die unabhängige Musikbranche ungleich mehr bedeutet als nur ein weiteres Kapitel Musikwirtschaftskapitalismus, dürfte klar sein.“ Laut Wiemann schrumpfe durch die Konsolidierung „erneut der Marktzugang für Unternehmer*innen, die nach wahrhaft unabhängigen Partner*innen und Plattformen suchen“. Sie ergänzt: „Wieder werden unter dem Banner von technologisch-strategischer Neuausrichtung Daten unabhängiger Künstler*innen für einen Major zugänglich. Und wieder werden Marktanteile selbstvermarktender Künstler*innen vorsätzlich geschluckt.“

Aus Sicht der unabhängigen Musikwirtschaft könne das „niemals der legitime Preis sein“, den es für pauschal ausgelobte „globale Wettbewerbsvorteile“ zu zahlen gelte, moniert Birte Wiemann, die auch die vorherigen Eigner von Zebralution mit in ihre Kritik einbezieht: „Ebenso klar ist: Die Achterbahnfahrt begann mit dem Fehler, die GEMA für einen guten Besitzer von Zebralution zu halten. Eine GEMA mit Weitblick hätte den Musikbereich von Zebralution vielleicht von vornherein gesondert veräußert. Das hat sie aber nicht getan – und aller Wahrscheinlichkeit nach wäre das Resultat auch recht ähnlich ausgefallen.“

Wiemann betont schließlich auch den internationalen Aspekt des aktuellen Deals: „Darüber hinaus hilft es weder dem Mittelstand noch der deutschen Wirtschaft, wenn Assets aus Deutschland abgezogen werden“, argumentiert sie. „Es ist kein Jahr her, dass Warner die Regionen GSA zu Warner Music Central Europe zusammenfügte – unter niederländischer Führung. Was hier euphorisch als „der Kreis schließt sich“ proklamiert wird, übersieht eine nicht unwesentliche Tatsache: Warner hatte Zebralution im Jahr 2013 im Zuge des Divestment-Prozesses um EMI/Parlophone als Zugeständnis an die Indies abgegeben. Welch Ironie, dass sich dieser Kreis ausgerechnet jetzt schließt. Und dass die Indies dabei gleich doppelt in die Röhre schauen.“