Letzter Höhepunkt der Preisdebatte war eine öffentliche Runde auf der Midem, bei der GDM-Fachvorstand Michael Huchthausen für eine deutliche Senkung der VKs plädierte. Damit handelte er sich nicht nur unverbrämte Widerworte aus der Tonträgerindustrie ein, sondern heizte zudem die brancheninterne Auseinandersetzung in dieser Frage weiter an. Nur selten erhielt die Redaktion von musikwoche.de soviele E-Mails mit Stellungnahmen wie zu diesem Thema. Nach einem liegt nun das Abstimmungsergebnis vor: Mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer fordern niedrigere Preise. Etwa ein Drittel ist sogar für den Kampfpreis von 9,99 Euro. Nicht einmal ein Sechstel der Leser befürwortet Preise von 17,99 oder höher. Und nur sechs Prozent sind für eine Preisdifferenzierung abhängig von Art und Qualität des Produkts.
Es mischten sich aber bis zuletzt auch kritische Stimmen unter die Discount-Willigen. So gibt zum Beispiel Thomas Kowollik von Zomba Music Publishing den Plattenfirmen Recht, die immer wieder anmahnen, CD-Preise seien im Vergleich zu anderen Medienprodukten in der Vergangenheit stabil geblieben. „Dennoch bin ich der Meinung, dass die CD-Preise durch ein Zusammenwirken von Produzenten, Künstlern, Tonträgerherstellern und vor allem dem Einzelhandel der derzeitigen wirtschaftlichen Realität angepasst werden müssen.“ Kowollik will Niedrigpreise deshalb speziell bei Newcomer-Titeln eingesetzt sehen.
Wenig Verständnis für den 9,99-Trend hat Volker Dueck, Geschäftsführer des Vertriebs Sunny Moon: „Billige Stangenware und Eintagsfliegen-‚Supergroups‘ sollten eigentlich weniger als 9,99 Euro kosten. Sie sind noch nicht einmal so viel ‚wert‘.“ Ambitionierte Projekte, talentierte Künstler und Indie-Firmen blieben jedoch bei solchen Preisen auf der Strecke, so Dueck. Wie der internationale Preisvergleich in musikwoche.de Heft 6 gezeigt hätte, „haben andere europäische Länder eine andere Wertschätzung für Musik“. Wenn es nur am Preis läge, „müsste Deutschland das mit Abstand beste Absatzland für CDs sein. Das Gegenteil ist der Fall. Warum?“
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