Da der Streit um die Tantiemenerhöhung für US-Webradios noch immer nicht beendet ist und den Webcastern ab dem 15. Juli deutlich gestiegene Lizenzgebühren drohen, versuchen es die Onlinesender nun mit einer PR-Aktion: Am heutigen 26. Juni wollen Hunderte Sender aus Protest auf stumm schalten.
Organisiert wird der Sendestreik von der Interessenvertretung SaveNetRadio Coalition, der nach eigenen Angaben 14.000 Onlineradios angehören – darunter auch Internetschwergewichte wie Yahoo!, AOL, RealNetworks, Live365, AccuRadio oder Pandora. Auf diese Weise will man seine Hörer in den Kampf gegen die nach Ansicht der Webcaster exorbitant hohen Tantiemenforderungen der Urheber einbinden. Nutzer der Onlineradios sollen sich durch den „Tag der Stille“ dazu aufgerufen fühlen, die Abgeordneten in ihrem Wahlbezirk zum Handeln aufzurufen. Im Kongress in Washington wird derzeit über eine Gesetzesänderung beraten, die den Schlichtungsprozess zur Ermittlung der verbindlichen Tantiemensätze ändern würde und Webradios für die kommenden Jahre finanziell entlasten könnte.
Der Gesetzesvorschlag würde einen Beschluss des zuständigen Copyright Royalty Board (CRB) vom 2. März kassieren und die Vergütungsrate für Internetradios auf 7,5 Prozent der Umsätze festlegen. Dieser Tarif soll rückwirkend ab Anfang 2006 bis einschließlich 2010 gelten. Der Tantiemensatz entspräche derselben Regelung, die für die Digitalfunker XM und Sirius gilt.
Das CRB war indes mit seinen Tantiemensätzen weitgehend den Forderungen der Verwertungsgesellschaft SoundExchange gefolgt, die die Lizenzgebühren für die Masterrechte an online gesendeten Songs einsammelt. Demnach würden Webcaster künftig mit einem Progressionsmodell zur Kasse gebeten: Für das Jahr 2006 veranschlagte das CRB 0,08 Cent für jeden Song, der an einen Hörer gestreamt wurde. In diesem Jahr sollen es bereits 0,11 Cent sein – in den Folgejahren soll der Tarif dann auf 0,14, 0,18 und schließlich 0,19 Cent im Jahr 2010 steigen. Obendrein fällt eine Standardgrundgebühr von 500 Dollar pro Webcaster an. Für viele Webradios würde dies bedeuten, dass die Tantiemenlast in den kommenden fünf Jahren zwischen 300 und 1200 Prozent steigt. Viele Anbieter fürchten, dass sie diese drastische Anhebung der Vergütungssätze in die Insolvenz treiben wird.





