musikwoche.de: Wie fällt Ihre Bilanz nach zehn Jahren aus?
Fiona von Vaernewyck: Die Stiftung zur Förderung der Nordoff/Robbins Musiktherapie ist langsam, aber stetig gewachsen. Sie konnte seit ihrer Gründung viele neue Förderer für die Nordoff/Robbins Musiktherapie begeistern und für die Stiftungsarbeit gewinnen. Diese Verbindlichkeit ermöglichte viele Projekte umzusetzen. Aus dem Startkapital von 25.000 Euro im Jahr 1992 konnte die Stiftung zur Förderung der Nordoff/Robbins Musiktherapie bis heute ein Spendenvolumen von vier Millionen Euro an das Institut für Musiktherapie der Universität Witten/Herdecke überweisen.
mw: Die Spendeneinnahmen sind im Jahr 2001 etwas zurückgegangen. Was sind die Gründe dafür?
von Vaernewyck: Die Spendeneinnahmen hängen sehr stark von den Projekten ab. Wenn zum Beispiel eine Plattenfirma eine Benefiz-Single zugunsten der Nordoff/Robbins Musiktherapie auf dem Markt bringt oder einen starken Industriepartner wie Coca-Cola eine Kooperation mit der Stiftung vereinbart, können wir davon ausgehen, dass dies das Spendenvolumen deutlich verbessert. Manchmal brauchen halt solche Projekte auch Vorlaufzeit, bis diese umgesetzt werden können. Auch kleinere Aktionen sind mir aber wichtig, da sie die Beständigkeit und den Bekanntheitsgrad der Stiftung fördern. Natürlich ist auch eine Stiftung davon betroffen, wenn überall gespart wird. Wobei die Zeit der Mäzene längst vorbei ist, und sich Charity meines Erachtens am besten umsetzen lässt, wenn es ein Geben und Nehmen ist.
mw: Wie beurteilen Sie das Bild der Stiftung in der Öffentlichkeit?
von Vaernewyck: Es stimmt, dass die Stiftung zur Förderung der Nordoff/Robbins Musiktherapie als solche mehr der Musikbranche bekannt ist, als einem breiterem Publikum. Es stimmt aber auch, dass wir häufig in der Presse präsent sind, aber oft erinnert man sich an das Engagement des Künstlers, ohne sich an den guten Zweck erinnern zu können. Nehmen wir das Beispiel von Sarah Connor: Jeder erinnert sich, dass die hübsche Sängerin ihr „Wetten dass..?“-Kleid versteigern ließ, die wenigsten aber daran, dass der Erlös der Nordoff/Robbins Musiktherapie zu Gute kam. Vielleicht auch, weil sich einige Journalisten nicht die Mühe machen, den Namen der Stiftung zu veröffentlichen. Auf Initiative von Christiane zu Salm und weiteren Stiftungsmitgliedern werden wir noch in diesem Jahr eine Medienkampagne starten, die die Berliner Werbeagentur Heimat für die Stiftung konzipierte.
mw: Was sind die Schwerpunkte der Stiftungsarbeit?
von Vaernewyck: Die Stiftung zur Förderung der Nordoff/Robbins Musiktherapie hat sich zur Aufgabe gestellt, ein menschenwürdiges Leben für Behinderte und Kranke zu ermöglichen, indem sie die ideellen und materiellen Bedingungen für diesen speziellen Musiktherapieansatz verbessert. Unabhängig davon, ob als Zielgruppe autistische Kinder, behinderte Kinder oder Erwachsene, chronisch oder akut erkrankte Menschen erreicht werden – immer bietet die Musik einen einzigartigen, manchmal sogar den einzigen Zugang zu diesen Menschen. Zweck der Stiftung ist es, die Kunst der Musik als Therapie basierend auf der Nordoff/Robbins Musiktherapie zu fördern, zu verbreiten und ihre Anwendung zu unterstützen. Die Stiftung unterstützt maßgeblich das Institut für Musiktherapie der Universität Witten/Herdecke.
mw: Welche Ziele haben für die Nordoff/Robbins-Stiftung Priorität?
von Vaernewyck: Ganz klar, die langfristige Absicherung des Institutes für Musiktherapie muss gewährleistet sein. Dazu gehört der Weiteraufbau des Stiftungskapitals, möglichst mit auf Dauer angelegten Projekten und verbindlichen Kooperationen.






