Recorded & Publishing

musikwoche.de-Leser diskutieren über den CD-Preis

Auf der Midem forderte GDM-Fachvorstand Michael Huchthausen, der Preis für CD-Alben müsse drastisch gesenkt werden. Gerd Gebhardt, Vorsitzender der Phonoverbände, sieht da keinen Spielraum mehr. Die Online-Umfrage von musikwoche.de zeigt: Der CD-Preis erhitzt die Gemüter. Hier eine Auswahl der Statements.

“Es kommt eindeutig auf das Produkt an. Aufwändige Produktionen sollten nicht für 9,99 Euro verschleudert werden. CD-Preise sollten flexibler und verantwortungsvoller gehandhabt werden – soll heißen, keiner weiß besser über den Wert und den Aufwand einer Produktion Bescheid, als der, der sie realisiert hat. Und das ist immer noch die Industrie mit ihren Produzenten und Künstlern. Also sollten wir uns nicht von Leuten die Preise diktieren lassen, die in ihrem Leben noch nicht eine CD-Produktion finanziert haben.“

Björn Teske, Head of A&R, BMG Berlin Musik

„Musik muss für jeden erreichbar sein. Für mich ist es unverständlich, warum Ladenketten wie WOM, Saturn oder MediaMarkt einen Independent-Tonträger teilweise für 17,99 Euro anbieten. In Gesprächen mit meinem Vertrieb Indigo erfahre ich immer wieder, dass es überhaupt keinen Zweck hat, den HAP herabzusetzen, da die Ladenketten sich nicht am Einkaufspreis orientieren. Wenn der Tonträgerpreis sich bei 9,99 Euro einschießen würde, hätten wir alle eine größere Chance, der Brennerei entgegenzutreten.“

Claus Fabian, Labelmanager Weserlabel und Sänger der Band Die Mimmi’s

„Ich denke kaum, dass die Preissenkung den Markt wiederbeleben wird. Es sei denn, der Handel plant Alben zum Preis von CD-Rohlingen anzubieten. So lange die nämlich nicht unterboten werden, wird man diejenigen, die sich ihre Musik fast ausschließlich über Raubkopien verschaffen, nicht wieder in die Läden bekommen.“

Christian Mörken, A&R/Marketing, Tru Note Records

„Aus Sicht des Endverbrauchers (und das sind wir letztlich alle) wäre ein Preis für Charts-Ware zwischen 9,99 Euro und 12,99 Euro sicher O.K. Was allerdings soll dann der Singles-Preis sein? Der für TV-Ware? Für Midprice? Dass dabei Kosten an jeder Ecke gespart werden müssen, ist klar. Keine Dekos, keine Plakatierung, keine Anzeigen in Handelsmagazinen und Musikfachblättern – neben massiver Einsparung beim Personal (und das auch im Handel bei kleinerer Spanne) – wären weitere schmerzhafte Folgen. TV-Werbung und Radiospots müssten ebenfalls wegfallen. Wie soll der Endverbraucher dann an Neuheiteninformationen kommen? Bei der vorherrschenden Radiolandschaft wäre keine Unterstützung zu erwarten. Der Handel wäre letztlich wieder in der gleichen Klemme.“

Knut Schulze, Head of Import und Distribution Service, SMIS – Sony Music

„Dem GDM ist für seine provokante Forderung zu danken, denn nur durch die permanente Auseinandersetzung kommen wir branchenintern zu einer hoffentlich schnellen Lösung. Fest steht: Solange die durch Funk/TV ausgehebelten Promotion-Mechanismen (insbesondere im Newcomer-Bereich) von der Industrie durch übertriebene Marketingausgaben ersetzt werden müssen, brauchen wir über reduzierte CD-Preise eigentlich gar nicht zu diskutieren. Ohne dass alle an der Wertschöpfungs- und Auswertungskette Beteiligten an einem Strang ziehen, wird es aber auch bei der Preisdiskussion nicht gehen. (Und das sollte sogar ein Robbie Williams verstehen.) Dann wird man plötzlich ganz einfache und pragmatische Maßnahmen ergreifen können. Zum Beispiel durch die Preisabsenkung von Newcomer-CDs, um zunächst wenigstens diejenigen Musikinteressierten zum Kauf zu bewegen (und sie zu belohnen), die trotz allem ein CD-Geschäft betreten, um dort neue Musik zu entdecken.“

Markus Schäfer, Geschäftsführer, die organisation – Projektagentur für Marken & Medien

„In der Zeit von Brennern und Downloads muss man dringend neue Wege finden, um CDs für Käufer wieder attraktiv zu machen, statt durch Kopierschutz auch noch die letzten CD-Käufer zu vergraulen. Dem Tonträgereinzelhandel geht es schließlich noch viel schlechter als den Plattenfirmen selber. Bei CD-Preisen zwischen 9,99 Euro und 12,99 Euro kann man auch mit Sicherheit viel mehr neue Künstler etablieren und aufbauen, weil die Kunden viel eher bereit wären, das Geld dafür auszugeben. Auch beim Backprogramm würde bei solchen Preisen mit Sicherheit noch einiges gehen. Ich bin seit 1989 im Tonträgereinzelhandel beschäftigt und habe bis zuletzt in der HMV-Filiale in Münster im Verkauf gearbeitet und den Einkauf für Metal und Independent gemacht. Wer die Schlagzeilen über HMV verfolgt hat, weiß, wovon ich rede.“

Kirsten Schattenberg, HMV

„In der Regel sollten CDs 9,99 Euro kosten, so es die Lizenzverträge mit den Künstlern zulassen. Künstler wie Robbie Williams, die ihre Fans dazu auffordern, das Album kostenfrei vom PC runterzuladen, und die einen Vertrag abgeschlossen haben, der jenseits von Gut und Böse ist, sollten dann entsprechend mehr kosten. Dann kann der Fan selbst entscheiden, ob es ihm das wert ist. Ich halte zwei Preisklassen – 9,99 Euro und 12,99 Euro als Premiumklasse – für durchaus realistisch. Es ist nun mal so, dass die Industrie die Flops machen muss, um die entsprechenden Tops platzieren zu können, die dann wiederum die gesamte Branche finanzieren. Und der Aufbau eines Künstlers kostet Geld.“

Bert Nagorr, Senior Key Account Manager Special Marketing, BMG Germany/Switzerland/Austria

„Wer nur vom Tonträger allein lebt, hat kaum noch Möglichkeiten, seine Existenz zu sichern. Da ist die Äußerung von Herrn Gebhardt schon ein starkes Stück. Recht hat er, wenn er sagt, dass eine Preissenkung nicht das Ende der ‚Umsonstmentalität‘ bedeuten wird. Andererseits würden wir ja gar nicht über Preise reden müssen, wenn wir in Deutschland nicht so eine bekloppte Flächenausdehnung des Handels hätten. Mehr Fläche heißt nicht mehr Umsatz, sondern nur Anstieg der Fixkosten. Also brauche ich mehr Frequenz, die ich mit Billigpreisen erkaufe. Wenn alle so handeln, muss der Preis noch weiter fallen, bis keiner mehr Profite erzielt. Besser ist es doch, mit fairen Preisen und fairen Wettbewerbsbedingungen zu arbeiten, die eine Vorortversorgung ermöglichen. Intelligenz ist geil!“

Frank Pagenkemper, Geschäftsführer, MFP Tonträger

„Höhere Preise als 9,99 Euro sollten nur für besonders aufwändige Verpackungen und Inhalte verlangt werden.“

Marc Doinet, Produzent

„Wirtschaftslehre erstes Semester: Der Preis bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage. Sinkt die Nachfrage nach einem Produkt dauerhaft, sollte sich auch dessen Preis ändern. Ausnahme: Preise für Audio-CDs. Dort wird der Preis durch die Sturheit von Handel und Musikindustrie bestimmt und durch die Unwilligkeit, aufeinander zuzugehen und mit gemeinsamen Handlungskonzepten die Audio-CD wieder gegenüber DVD und CD-R konkurrenzfähig zu machen. In der Zwischenzeit sinkt die Nachfrage nach legalen Original-CDs ins Bodenlose.“

Stefan Herwig, Geschäftsführer des Independentlabels Dependent

„Ich finde diese Diskussion absolut unsinnig und kontraproduktiv. Sie lenkt total von den Inhalten ab, die ja eigentlich das Wichtigste an einer CD sein sollten. Wann machen Sie bitte mal eine Umfrage, wieviel Rundfunkhören und Fernsehen kosten sollte? Auch da wird immer mehr auf Masse statt auf Inhalte gesetzt. Es muss ein Umdenken über die Wertigkeit von CDs angestoßen werden. Die Inhalte und die Ausführung (Verpackung) sollten doch den Preis bestimmen. Nicht alle Produktionen sind gleich aufwändig hergestellt. Im Buchsektor ist es selbstverständlich, dass einfache Paperbacks einen weitaus niedrigeren Preis erzielen als zum Beispiel aufwändig gestaltete Bildbände.“

Eva Bauer-Oppelland, Geschäftsführerin, Bauer Studios