Einst ging es um „Parental Advisory“ bei entsprechenden Inhalten, heute um die Frage, ob Musik mit Hilfe von oder gänzlich durch KI-Tools erstellt wurde: Das am 10. Juli 2026 präsentierte Konzept setzt auf eine freiwillige Kennzeichnung durch visuelle Symbole auf Digitalplattformen, um Fans rund um den Globus mehr Transparenz über den Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz (GenAI) zu bieten.
Wie das „Wall Street Journal“ zuerst berichtete, streben die Verbände, darunter auch der Bundesverband Musikindustrie (BVMI), eine Kooperation mit Diensten wie Spotify und Apple Music an. Die Labels sollen direkt an den Tracks platziert werden – ähnlich wie beim in den 1990ern eingeführten „Explicit“-Etikett.
Für die zwei neu eingeführten Labels kommuniziert der BVMI folgende Einstufung:
- „KI-generiert“ bedeutet dabei, dass generative KI verwendet wurde, um die kreativen Elemente der Aufnahme vollständig oder zum größten Teil zu erzeugen. Dazu gehören zum Beispiel:
• von KI erzeugter Leadgesang oder
• von KI erzeugte zentrale Instrumentalparts oder
• vollständig durch Prompts erzeugte Musik.
- „KI-unterstützt“ bedeutet, dass die Aufnahme im Wesentlichen von Menschen erstellt wurde und Ausdruck menschlicher Kreativität ist, dass aber für einige Ausdruckselemente generative KI verwendet wurde. Der Gesang und die Hauptinstrumente wurden von Menschen eingespielt.
Das Konzept bezieht sich vorerst nur auf Tonaufnahmen; Songtexte, Kompositionen oder Cover-Artworks werden noch nicht abgedeckt. Die Meldung erfolgt freiwillig durch Künstler:innen, Labels und Vertriebe.
„Dieser gemeinsame Aufschlag unterstreicht einmal mehr unseren Willen, als Branche voranzugehen in einem herausfordernden, von generativer KI geprägten kreativen und wirtschaftlichen Umfeld“, heißt es von Florian Drücke, dem Vorstandsvorsitzenden des BVMI. „Die neuen Kennzeichnungen auf der Ebene des einzelnen Tracks sind ein weiteres Element, das vor allem den Fans eine Orientierung ermöglicht, von denen sich mit 83 Prozent die große Mehrheit an dieser Stelle Klarheit und Transparenz wünscht.“
Mitch Glazier, Chef der amerikanischen Recording Industry Association Of America (RIAA), äußert gegenüber dem „Wall Street Journal“, dass viele Fans offen für KI-Musik seien, sofern die menschliche Beteiligung sichtbar bleibt. „Flexibilität im kreativen Prozess bedeutet aber auch, dass Artists, die KI im kreativen Prozess nutzen wollen, dies auch tun können sollten“, wägt er ab. Transparenz sei dabei der Schlüssel.
Erst diese Woche sicherte der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer der Musikbranche eine Taskforce Musikstreaming zu. Diese soll unter anderem den Umgang mit KI mitsamt Manipulation und Streamingbetrug angehen.







