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Kuhlen und Christoph zur c/o pop: „Das ‚Köln-Gefühl‘ spüren die Leute“

Während sich der Biergarten am Morgen des zweiten Convention-Tags langsam füllte, traf MusikWoche den Convention-Director Ralph Christoph und die Festival-Directorin Elke Kuhlen zum Interview. Sie sprachen über Förderstrukturen, die inhaltlichen Schwerpunkte des Programms und die Musikszene in Köln.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf der Convention?

Ralph Christoph: Neben der Eröffnungsshow im Schauspiel Köln mit Fuffifufzich, die in der Presse extrem gefeiert wird, gab es hier im Herbrand’s auch eine Eröffnung, bei der eine Art Amuse-Bouche der folgenden Tage präsentiert wurde – sowohl aus dem Festival- als auch aus dem Convention-Programm. Das hat sehr gut funktioniert. Die Convention war ebenfalls sehr gut, wir hatten keine Ausfälle, sie war sehr gut besucht, die Stimmung und das Wetter waren hervorragend. Dadurch kommt auch der Ort hier noch besser zur Geltung und erfüllt so seinen Zweck. Das Programm und die Themen, die wir bespielen, sind wichtig und gut gesetzt. Aber diese Lücken fürs Networking sind das wahre Gut einer solchen Konferenz, und die Leute haben sie leidlich gut genutzt.

Wie stellt man sicher, dass man ein interessantes Angebot für die Delegierten zusammenstellt?

Ralph Christoph: Es ist die Kunst, nicht zu viel zu machen. Es gibt auch Konferenzen, auf denen einfach viel zu viel Programm für zu wenig Menschen ist. Wenn ich zu einer Konferenz nach zum Beispiel Austin fliege, macht man das nicht, um sich von morgens bis abends in ein dunkles Hotel zu setzen und sich Sachen anzuhören – man will ja Leute treffen. Deswegen liegt die Kunst darin, einerseits ein sehr kompaktes, stimmiges, aber auch reduziertes Programm zu machen.

Und wo waren die thematischen Schwerpunkte der Convention?

Ralph Christoph: Es gäbe eigentlich genug Themen, bei denen man schlechte Laune bekommt und über die wir trotzdem dringend sprechen müssen. Aber wir wollen die Dinge mit einer gewissen Offenheit und positivistischer betrachten. Wir lassen viel Raum für Austausch und Fragen. Hier kannst du dich mit den Vortragenden austauschen. Eines unserer Unter-Mottos ist „Stop the Gatekeeping“. Das ist sozusagen die Quintessenz: Man informiert sich nicht nur, sondern tauscht sich auch untereinander auf Augenhöhe aus.

Welchen Fokus wollen Sie beim Booking des Konzertprogramms setzen?

Elke Kuhlen: Wir haben natürlich einen sehr nationalen Fokus, aber auch einen regionalen in NRW und Köln. Wir sehen unseren Auftrag auch darin, dass genügend Acts aus Nordrhein-Westfalen und Köln bei der c/o pop auf der Bühne stehen.

Haben Sie eine bestimmte Booking-Philosophie bezüglich der Größe der Acts? „Dürfen“ keine Superstars gebucht werden?

Elke Kuhlen: Wenn du Apache 207 günstig hast – ich bin offen dafür (lacht). Nein, also wir setzen uns kuratorisch zusammen. Bei der c/o pop ist Popkultur weit mehr als nur Musik. Rund 30 Prozent des Programms bestehen aus Experience-Formaten, die gemeinsam mit dem Musikprogramm die Mischung des Festivals ausmachen.

Wie zufrieden sind Sie mit den Verkaufszahlen?

Elke Kuhlen: Es könnte immer besser laufen. Es ist voll okay, aber wir sind nicht ausverkauft. Wir laufen zwar drauf zu, aber Vorverkäufe können immer besser sein.

Im vergangenen Jahr sagten Sie, dass Sie ab diesem Jahr die Kürzungen und veränderte Förderstrukturen spüren werden.

Ralph Christoph: Wir haben aber auch gesagt, dass wir alles tun werden, um das Geld wieder zurückzuholen, was uns ja auch immer noch gelingt. Toi, toi, toi. Aber es kostet uns auch Ressourcen, das zu erreichen.

Elke Kuhlen: Deshalb haben wir mit dem Festival noch mehr die Aufgabe, eigene Einnahmen zu generieren, mit Partnerschaften, mit Sponsoring, mit Ticketverkäufen.

Sind Sie für die nächsten Jahre zuversichtlich, dass es so weitergehen kann mit der Förderung und Ihrem Konzept?

Ralph Christoph: Ich denke, dass wir mit unserem Konzept so unique sind, dass wir damit gut dastehen. Das ist zwar keine Garantie dafür, dass es weiter gefördert wird, aber ich glaube, wenn du dich etwas unterscheidbarer machst und die Themen anders bespielst, ist das auf jeden Fall nicht verkehrt.

Was macht Köln als Standort für diese Konferenz so besonders?

Ralph Christoph: Es gibt extrem viele Dinge, die in dieser Stadt nicht funktionieren. Aber die Menschen funktionieren. Das spiegeln dir Besucher:innen sofort wider. Dieses ganze „Köln-Gefühl“-Ding spüren die Leute, davon können und wollen wir uns auch nicht freimachen. Und wir haben eine sehr stabile Konzert- und Veranstaltungslandschaft, die ihresgleichen sucht.

Elke Kuhlen: Andersrum ist die c/o pop mit dem Straßenfest am Samstag und Sonntag auch total wichtig für Kölner:innen, nicht nur Konzertgänger:innen oder Musik-Business-Leute, sondern für die Menschen, die hier wohnen.