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Konzertveranstalter geben Ratgeber heraus

Die Safety Focus Group (SFG), ein internationaler Zusammenschluss von Konzertveranstaltern, fasst Maßnahmen und Vorschriften für den Arbeitsschutz bei Live-Events in einem europäischen Sicherheitsratgeber zusammen.

“Unser Hauptziel ist es, europaweit in der Industrie ein besseres Verständnis für bestehende Vorschriften und erforderliche Sicherheitsmaßnahmen zu erreichen“, erklärt SFG-Mitglied Christoph Uerlings von der Peter Rieger Konzertagentur. Nach wie vor sei es ein großes Problem, einer ausländischen Produktion zu erklären, warum ihr anderswo genehmigter Bühnenaufbau gegen lokale Sicherheitsvorschriften verstößt. Die deutschen Bestimmungen, etwa zum Brandschutz, sind bislang gar nicht in englischer Sprache verfügbar. „Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeitsschutzvorschriften in den einzelnen Ländern, die Gefahren sind aber überall die Gleichen“, erklärt Uerlings den Sinn eines europäisch einheitlichen Leitfadens.

Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, weil sich Crew-Mitglieder der Risiken in ihrem Arbeitsumfeld nicht bewusst sind. Die SFG, die sich 2001 auf der International Live Music Conference in London bildete, hat sich deshalb seit letztem Jahr in der Branche umgehört und spezielle Sicherheitsprofile für alle Berufsbilder entwickelt, die bei Live-Events tätig sind: vom Tontechniker bis zum Parkplatzeinweiser. Herausgekommen ist ein umfassender Safety Guide, der ab September frei im Internet verfügbar ist. „Das Projekt ist äußerst wichtig für die europäische Live-Entertainment-Industrie“, meint Chris Kemp, Dozent für Veranstaltungsmanagement am Buckinghamshire Chilterns University College. „Viele Firmen in verschiedenen Ländern haben nur unzureichende Sicherheitsstandards oder machen keine Risikoabwägung; manche wissen gar nicht, was das ist. Jetzt kann jeder Veranstalter für sein Event auf bewährte Sicherheitspraktiken aus ganz Europa zurückgreifen.“

Wo die Industrie bislang, etwa beim Beispiel der Versammlungsstättenverordnung, häufig nur auf Vorschriften reagieren konnte, ist die Initiative auch ein Signal an den Gesetzgeber: „Wir wollen zeigen, dass wir als Branche Verantwortung für die Sicherheit übernehmen und unser Erfahrungswissen einbringen“, so Vorreiter Christoph Uerlings. Der internationale Ansatz des Safety Guide hat auch die Europäische Union überzeugt: Die EU-Arbeitsschutzbehörde OSHA übernimmt 80 Prozent der Kosten, den Rest müssen die Veranstalter selbst beisteuern.

Uerlings zeigt sich zuversichtlich, dass genug Spenden aus der Industrie zusammenkommen. Zuspruch erhält er auch von den deutschen Fachverbänden: „Es ist wichtig, dass die Branche auf europäischer Ebene Sicherheitsmaßnahmen diskutiert und versucht, einheitliche Standards zu finden“, betont Florian von Hofen vom Verband für Licht, Ton- und Veranstaltungstechnik. Primär geht es beim Safety Guide um den Arbeitsschutz. Gleichwohl glauben die Initiatoren, dass auch die Konzertbesucher von einem gestiegenen Sicherheitsbewusstsein bei der Crew profitieren können. Das Thema „Crowd Management“ steht bei der SFG als Nächstes auf der Agenda, als Folgeprojekt ist ein Tool für Publikumssicherheit geplant.