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Jürgen Enninger will „Anwalt der Kulturschaffenden“ bleiben

Die Kommunalwahlen in Bayern führten mancherorts zu neuen Mehrheiten. So auch in Augsburg. Dort gliedert der neue Oberbürgermeister das zuvor eigenständige Kulturreferat künftig im Bildungsressort mit ein. Von dieser Entwicklung ist auch der frühere Musikmanager Jürgen Enninger betroffen.

In Augsburg formte der neue Oberbürgermeister Florian Freund von der SPD kürzlich eine ganz eigene Art große Koalition mit CSU, Freien Wählern und einer örtlichen Wählergruppierung, die unter dem Namen Generation Aux aktiv ist. Außen vor bleiben indes die Grünen als zweitstärkste Fraktion im Stadtrat, die zuvor mit der CSU in der nach München und Nürnberg drittgrößten Stadt in Bayern regierten. 

Inzwischen hat OB Freund erste Pflöcke eingeschlagen – und dabei zum Beispiel das bisherige Sport- und Kultur­referat aufgelöst und die Kultur dem nun sogenannten Referat für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Welterbe zugeschlagen. Damit führt Augsburg zumindest eine Tradition fort, nach der sich nach MusikWoche-Informationen seit den 90er-Jahren keine vor Ort für kulturpolitische Belange zuständige Person für mehr als eine Amtszeit in dieser Rolle halten konnte.

Aktuell ist von dem Wechsel ohne lange Vorwarnung Jürgen Enninger betroffen, der im Herbst 2020 die Leitung des Referats für Kultur, Welterbe und Sport der Stadt Augsburg übernommen hatte:“Am Anfang war Corona, dann die Energiekrise, und wir haben es trotzdem geschafft, nach und nach die Fördersummen hochzuschrauben, um Menschen, die in der Kultur oft am Existenzminimum arbeiten, wenigstens das zu sichern“, schaut Enninger im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ auf die Bilanz seiner Zeit an der Spitze des Kulturreferats zurück, das er im bisherigen Zuschnitt samt Sport und Welterbe auf 440 Mitarbeitende und ein Jahresbudget von 110 Millionen Euro taxiert. So habe man zum Beispiel bei Festivals sicherstellen können, „dass die Stadt Mindesthonorare zahlen konnte“.

Als ehrenamtlicher Stadtrat bleibt Enninger, der im Laufe seiner Zeit in Augsburg von Volt zu den Grünen wechselte, der Stadt erhalten, sagt der der „SZ“, ansonsten freue er sich auf „eine Orientierungsphase“: „Wenn ich ehrlich bin, war ich schon immer vor allem eines: ein Anwalt der Kultur und der Kulturschaffenden. Das werde ich auch immer sein, egal, in welchem Rahmen ich künftig arbeite.“

Entsprechend positioniert sich Enninger zum Beispiel auch in einem Beitrag bei Lindedin: „Kulturpolitik braucht starke, eigenständige Stimmen“, schreibt der Kulturpolitiker dort. Ohne unabhängige Kulturämter drohe die Kultur ihre politische Stimme zu verlieren: „Jetzt ist die Zeit, Politik und Öffentlichkeit deutlich zu sagen: Kultur braucht eine starke Vertretung vor Ort!“

Enninger brachte seine Erfahrungen aus der Musikwirtschaft (enja records, VUT, Bayerische Staatsoper) seit 2010 zunächst im Regionalbüro Bayern im Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes ein und übernahm ab 2014 für die Landeshauptstadt München den Aufbau und die Leitung des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft.