musikwoche: Wie hoch ist der Metal-Anteil bei Alive insgesamt?
Jochen Arlt: Wie hoch der Anteil genau ist, kann ich nicht sagen, aber die Liste der vertriebenen Labels ist relativ übersichtlich. Da ist Locomotive Music aus Spanien, Transmission Records aus Holland, TTS Media Music aus Deutschland, Lasers Edge aus USA, Escapi aus Schweden, Lion Music aus Finnland und seit Anfang Mai Ebony Tears aus Holland. Fakt aber ist, dass der Anteil der Metal-Produkte konstant ist, was ja auch für die Konstanz dieses Markts spricht.
mw: Gibt es unter den Labels besondere?
Arlt: Drei davon würde ich gern besonders hervorheben. Zum einen Transmission Records, das Qualitätslabel schlechthin. Hans Van Vuuren ist ein Qualitätsfanatiker in allen Belangen: Sound, Artwork, Verpackung, Marketing; so dass jede seiner Veröffentlichungen einen sehr hohen Standard hat. Und dieser hohe Standard bedingt auch, dass seine CDs viel gekauft und weniger gebrannt werden, denn sie sind ein haptisches Erlebnis. Dann haben wir Locomotive Music – dieser Firma habe ich das kollegialste Verhältnis. Durch deren A&R-Arbeit sind die Veröffentlichungen immer auf hohem Niveau, und wir pflegen ein so offenes und ehrliches Verhältnis, dass es so gut wie keine Ausreißer nach unten gibt. Locomotive Music hat mir bewiesen, dass spanischer Metal auch in Deutschland funktioniert. TTS Media sind die Innovatoren unter meinen Labels. Ihre CDs werden zum einen als Audio-DVD und als normale CD in einer Verpackung ausgeliefert. Zwei zum Preis von einer – und das bei einem sogar noch etwas reduzierten HAP. Und diese 5.1 Audio-DVDs werden sich ihren Marktanteil erkämpfen.
mw: Hat sich der Metal-Anteil seit dem Start von Alive vergrößert?
Arlt: Natürlich war es so, dass am Anfang keiner bei Alive war, der sich an Metal herangetraut hätte. Das änderte sich erst mit meinem Einstieg im April 2002, weil ich sowohl in der Gothic- als auch in der Metal-Szene „verwurzelt“ bin. Und dann hat sich natürlich rumgesprochen, dass da einer ist, der schon Ahnung von der Materie hat. Ich denke, unsere Arbeit spricht ebenso für sich, sonst kämen nicht größere Namen auf uns zu und möchten von uns vertrieben werden.
mw: Was waren Ihre bislang größten Erfolge in diesem Segment? Was sind die kommenden Schwerpunkt-VÖs?
Arlt: Neben den Schwerpunktveröffentlichungen Prong und Tierra Santa von Locomotive Music hat mich besonders der Erfolg der Newcomer Astral Doors und Shitheadz von diesem Label gefreut. Von Transmission Records war mit Sicherheit das herausragende Produkt die Veröffentlichung von Aina, „Days Of Rising Doom“, die nicht nur in der Presse abgefeiert wurde. Aber auch die Veröffentlichungen von After Forever und die DTS-CDs vom TTS-Label entwickeln sich wirklich prächtig. Kommende Highlights werden sein: CP24 auf TTS Media Musik sowie das zweite Album von Epica auf Transmission Records und auf Locomotive Music die Doppel-DVD von Prong mit insgesamt vier Shows sowie das zweite Album der „Gaia“-Reihe von Mago de Oz. Außerdem kündigt unser DVD-Lieferant Escapi DVDs von Mercyful Fate, Trouble, Hellacopters und Candlemass an.
mw: Die Majors ziehen sich mehr und mehr aus Nischen-Themen zurück, hatten bzw. haben im Metal/Hardrock-Segment jedoch eh nur wenige, große Themen. Hat diese Marktentwicklung für eine Firma wie Alive überhaupt spürbare Auswirkungen, wenn z. B. der Vertrieb möglicherweise mehr Raum für Metal-Themen schafft?
Arlt: Solange ich bei Alive arbeite, hat sich der Metal-Anteil ständig erhöht und er wird auch konstant hoch bleiben. Wenn ich heute die Offerte bekomme, eine namhafte Metal-Band zu vertreiben, werde ich natürlich mit Vergnügen Ja sagen. Und dass die Majors sich zurückziehen, macht mich gar nicht traurig, denn so fällt für die Indies mehr vom Kuchen ab. Dass Alive da natürlich nicht die erste Adresse ist, ist mir bewusst, aber ich arbeite daran, uns als Alternative darzustellen.
mw: Metal erfordert wie andere Spezial-Genres besondere Vertriebsstrategien. Wie geht Alive mit dem Thema um? Gibt es etwa besondere, gar alternative Vertriebswege oder besondere Kontakte zu Händlern, die auf dieses Genre spezialisiert sind?
Arlt: Natürlich haben wir Kontakt und eine enge Zusammenarbeit mit diesen Händlern. Ohne die geht es ja fast nicht, da sie durchaus auch als Meinungsmacher fungieren. Ohne einen solchen Laden wäre ich damals nie auf Exciter, „Heavy Metal Maniac“, meine erste Metal-Scheibe gestoßen. Manche Aktionen machen einfach mit einem Spezialistenhändler viel mehr Sinn und sind von viel größerem Erfolg gekrönt. „Liebe deine Kunden“ – das war mal Leitartikel im „Manager Magazin“, und dieses Motto gefällt mir. Ich versuche, mit unseren Kunden das bestmögliche Verhältnis zu haben – so befruchtet sich unsere Arbeit gegenseitig: Ich bin nicht derjenige, der die Läden mit Ware füttert, und die Händler verkommen nicht zum reinen Verkäufer – mir ist das Geben und Nehmen wichtig. Und mit einigen unserer Kunden funktioniert das hervorragend.
mw: Wie beurteilen Sie die künftigen Marktchancen von Metal/Hardrock/Nu Metal etc. allgemein, nachdem harte Musik, oft unbeachtet von den Medien, ja immer ihren Stellenwert hatte. Wird dieser so bleiben?
Arlt: Ich denke, dass gerade das Nichtstattfinden dieser Musik in vielen Massenmedien dazu beiträgt, dass sie so konstant ist. Dadurch ist sie den Modeströmungen nicht so ausgeliefert. Klar, auch in der harten Musik gibt es Strömungen, die kommen und gehen, aber die Schwankungen sind nicht so ausgeprägt. Außerdem finde ich, ist die Metalszene eine relativ offene Szene – offen für neue Einflüsse, sei es Rap oder Gothic. Und es mangelt ihr nicht an Nachwuchs – die Kutte stirbt scheinbar doch nicht aus.








