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Im Gespräch: Volker Putzmann, Managing Director New Yorker Music & Media

Der Modefilialist New Yorker punktet bei seinem Zielpublikum mit Musikkompetenz. Im Gespräch mit musikwoche.de erläutert Volker Putzmann, Managing Director New Yorker Music & Media, warum er das Konzept noch ausbauen möchte.

musikwoche.de: Wie jung ist die Kundschaft von New Yorker?

Putzmann: Die Hauptzielgruppe ist zwischen 12 bis 35 Jahren; unsere Kernzielgruppe liegt bei 14 bis 29 Jahren. Über 70 Prozent unserer Kunden sind Schüler, Auszubildende und Studenten. Dieser Kundenstruktur tragen wir Rechnung, indem wir mit unterschiedlichen Musikrichtungen Impulse für den Kleidungskauf liefern. Wir schaffen also eine Erlebniswelt aus Mode und Musik, als dritte Komponente kommen noch die Events hinzu, bei denen wir präsent sind. So waren wir während der Popkomm. beim Kölner Ringfest mit einer eigenen New Yorker Dance-Arena dabei und haben uns bei der Love Parade in Berlin engagiert, um Beispiele zu nennen. In diesem Jahr haben wir über 200 einzelne Events im Rahmen einer Kampagne zusammengeführt, bei der die größten und wichtigsten Sommer-Events sowie zahlreiche Club-Events berücksichtigt waren. So hat sich New Yorker im Lauf der Zeit eine hohe Musikaffinität aufgebaut, die für ein Unternehmen in der Modebranche bisher einzigartig ist.

mw: Sind Sie mit dem Online-Auftritt – www.newyorker.de – zufrieden?

Putzmann: Mittlerweile haben wir über 1,8 Millionen Page Impressions im Monat – wahrlich kein Grund zur Klage. Nicht zuletzt deshalb haben wir uns am Kölner Internetdienstleister silversurfer7 beteiligt, der seit Januar 2000 unsere Website entwickelt und gepflegt hat.

mw: Gibt es in den New-Yorker-Läden nur Dance und Techno zu hören?

Putzmann: Nicht unbedingt. Unsere Zielgruppe interessiert sich für sehr verschiedene musikalische Stilrichtungen. Angeführt von Pop und Rock sind auch Techno und House sowie HipHop und Rap sehr gefragt, gefolgt von weiteren Stilen, wie R’n’B oder Soul. Wir decken also durchaus ein breites Spektrum im musikalischen Mainstreambereich ab.

mw: Wie breit?

Putzmann: Das zeigt ein Blick auf unsere bisherigen Kooperationspartner aus der Musikbranche. Mit EMI haben wir bei Themen wie Geri Halliwell, Vengaboys und Kylie Minogue zusammen gearbeitet, mit Universal bei Enrique Iglesias, mit PIAS bei Garbage und mit eastwest bei All Saints. Und natürlich engagieren wir uns bei Compilations wie „Technics DJ Set Volume Two“ oder „Club Rotation“ von Warner Strategic Marketing oder der „Love Parade Compilation 2000“ von Low Spirit.

mw: Auf jeden Fall nimmt der Dance-Bereich eine wichtige Stellung im Marketingmix ein, oder?

Putzmann: Generell orientiert sich unser Engagement natürlich an der Marktsituation und an dem, was bei unseren Kunden „angesagt“ ist. Darüber können wir dann einen glaubhaften Auftritt erzeugen. Mit den New Yorker ODC 40, den Official Dance Charts, die regelmäßig bei MTV2 Pop laufen, haben wir momentan ein ziemlich ideales Umfeld gefunden.

mw: Werden Sie sich auch bei den nächsten German Dance Awards engagieren, die ja zunächst einmal auf den Sommer 2003 verschoben sind?

Putzmann: Wenn sie denn stattfinden, werden wir sicher überlegen, in welcher Weise wir dabei Flagge zeigen. Aber konkret gibt es noch keine Entscheidungen.

mw: Mit welchen Summen sind Sie als Sponsor bei solchen Events dabei?

Putzmann: Ich halte nichts davon, mal eben hier oder da das Scheckbuch zu zücken und für New Yorker einen Platz zu buchen. Wenn wir uns engagieren, dann im Rahmen vernünftiger Kooperationen, bei denen gar nicht viel Geld fließen muss. Viel wichtiger ist, dass die Partner zusammen passen und gegenseitigen Nutzen haben.

mw: Wer oder was ist New Yorker?

Putzmann: New Yorker ist zunächst ein Mode-Filialunternehmen, das inzwischen den gesamten Mittel- und osteuropäischen Markt erschlossen hat und Marktführer im Bereich Young Fashion in Deutschland und Österreich ist. Hier liegen die Kernkompetenzen. Darüber ist es gelungen, durch ein intensives Engagement in den Bereichen Mode, Musik und Events zusätzliche Kompetenzen zu erwerben und den Kunden dadurch eine „Erlebniswelt“ am Point Of Sale zu bieten.

mw: Mit einem Jeansshop fing doch alles an, oder?

Putzmann: 1971 wurde in Flensburg der erste New-Yorker-Laden eröffnet. Schon damals war die Philosophie, die noch heute gilt: Aktuelle Trendmode zu günstigen Preisen anzubieten. Jeansmode war der Trend der Siebziger, danach folgten immer der jeweiligen Zeit entsprechende aktuelle Trends. New Yorker konnte sich dadurch als innovatives Modeunternehmen etablieren und Marktanteile gewinnen, nicht zuletzt auch durch eine mutige Einkaufsstrategie.

mw: Und dann expandierte das Unternehmen?

Putzmann: Zu den Jeans der Siebziger kamen später natürlich noch andere Bekleidungsstücke hinzu. Inzwischen führen wir in unseren Stores ausschließlich unsere Eigenmarken Fishbone, Fishbone Sister, Smog und Amisu, die wir jede Saison mit einer eigens entwickelten Kollektion bedienen. Und aus dem ersten Laden in Flensburg sind in über 30 Jahren 368 Filialen in ganz Europa geworden. Im Rahmen einer erfolgreichen Unternehmensentwicklung entstehen pro Jahr etwa 25.000 Quadratmeter neuer Verkaufsfläche.

mw: Welche Kriterien muss ein Standort für einen New-Yorker-Laden erfüllen?

Putzmann: Für die New-Yorker-Filialen kommen nur beste Lagen in Frage: Wir eröffnen unsere Stores ausschließlich in Fußgängerzonen oder in hochfrequentierten Einkaufszentren entsprechend einwohnerstarker Städte ab 50.000 Einwohnern.

mw: Expandiert New Yorker mittlerweile in ganz Europa?

Putzmann: Das Gros der Läden haben wir natürlich in Deutschland; 61 Filialen befinden sich in Österreich. In den vergangenen vier Jahren haben wir weitere Dependancen in Dänemark, Italien, Polen, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn eröffnet. Seit März 2001 gibt es auch drei Filialen in Russland.

mw: Liefert die Musik in all diesen Läden die Kaufimpulse?

Putzmann: In der Tat gehören für New Yorker Mode und Musik zusammen. Und das verwundert nicht, denn ebenso wie die Mode ist auch die Musik beim jungen Publikum ein wichtiger Bestandteil der Selbstinszenierung und damit auch einer überzeugenden Selbstdarstellung. Musik hören gehört nach wie vor zu den am häufigsten genannten Freizeitbeschäftigungen der Jugendlichen.

mw: Haben Sie auch persönlich eine starke Affinität zur Musik?

Putzmann: Anders ginge das sicher gar nicht. Ich kenne mich jedenfalls recht gut in der Branche aus; immerhin war ich früher auch mal als Musiker aktiv und hatte schon damals mit vielen Leuten in den Plattenfirmen zu tun.

mw: Würde es Sie nicht reizen, mal Newcomer zu unterstützen?

Putzmann: Bei der Gruppe Spektacoolär haben wir uns 1997 schon einmal stark engagiert, und das war dann ja auch ein Charts-Thema. Und wir fördern natürlich auch mit unseren Compilations die Künstler. Wenn jemand einen Künstler auf der Compilation nicht kennt und ihn gut findet, dann geht er in den Plattenladen, um dessen neue Platte zu kaufen. Aber ich denke in der Tat, wir sollten noch enger mit den Plattenfirmen zusammenarbeiten.

mw: Was hindert Sie daran?

Putzmann: Wir wollten das auch tun, aber es hat sich nicht ergeben. Wir haben bei einigen Firmen angeklopft – aber es hat mir zu lang gedauert, bis die sich entscheiden konnten. Wir müssen schnell agieren – wenn wir etwas bewegen wollen, können wir nicht zu lange warten. Also haben wir uns entschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und sind mit der Compilation-Reihe „Club Hits“ gestartet. Deren Vol. 4 ist am 18. November erschienen und enthält unter anderem Stücke von Acts wie Mark ‚Oh, Westbam and Nena, Paul Oakenfold, Timo Maas und Mad’House.

mw: Wer stellt diese Reihe zusammen?

Putzmann: Mit der Aleksander & Wenzel Media GmbH stellen wir gemeinsam die „Club Hits“ zusammen. Hier haben wir den richtigen Partner gefunden, der auch in idealer Weise auf die Bedürfnisse des Verbrauchers eingehen kann.

mw: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung? Wird New Yorker als alternativer Vertriebsweg für die Plattenfirmen bald noch mehr CDs verkaufen?

Putzmann: Wir haben auch schon früher mal CDs von BMG und Sony Music verkauft, für die damaligen Verhältnisse mehr oder weniger sehr gut. Wir sind natürlich kein Musikladen, und wir möchten auch kein Müller-Markt werden – unsere Flächen sind verständlicherweise begrenzt, was Artikel außerhalb des Modeumfelds betrifft. Aber für die Zukunft kann man sich schon einiges überlegen. Ich möchte das allerdings nicht auf die Schnelle austesten und verbrennen, sondern erst einmal die Erfahrung mit den Compilations selber machen. Und dann begeben wir uns in die Startlöcher und wissen, wie wir was regeln müssen.

mw: Könnten Sie sich auch eine New-Yorker-DVD vorstellen?

Putzmann: Na klar. Wenn Robbie Williams einen Deal mit Microsoft macht, kann ich mir das genauso auch bei uns vorstellen. Wenn die Warensicherung geklärt ist, dann ist auch eine DVD denkbar.

mw: Was erwarten Sie sich für nächstes Jahr?

Putzmann: Wir haben es geschafft, unsere Strategie der Markenabgrenzung der New-Yorker-Eigenmarken hinzubekommen. Wir sind gerade dabei, die Flächen zu bereinigen, bessere Flächen anzumieten. Es geht jetzt darum, die Expansionspolitik auf richtig gute Füße zu stellen, weiter gesund zu wachsen und uns dann vorzubereiten auf ein sehr starkes, sehr angenehmes Jahr. Wir hatten 2002 überproportional viel zu tun – nächstes Jahr geht es wieder mehr in Richtung Strategie, neue Ideen, neue Konzeptionen. Und es geht natürlich darum, die Qualität der Dinge, die wir tun, zu verbessern. Bei den Umsätzen werden wir auch im nächsten Jahr wachsen. Wir sind ja mittlerweile zur internationalen Marke geworden. Wir haben die Aufgabe, das weiter zu betreuen und auszubauen.