Recorded & Publishing

Im Gespräch: Kati Eismann (WSM) und Werner von Moltke (Bravo Spezial)

Mit basicx stellen Warner Strategic Marketing – WSM und „Bravo“ auf der Popkomm. ein neues gemeinsames Nachwuchslabel vor, dass Künstler mit dauerhafter Perspektive aufbauen will. Die basicx-Macher Kati Eismann (WSM) und Werner von Moltke („Bravo“) erläutern im Gespräch mit musikwoche.de das ambitionierte Projekt.

musikwoche.de: Wer hatte die Idee zur Gründung von basicx? Wie sehen das Konzept und die Zielrichtung des Labels aus?

Werner von Moltke: Es gibt seit vielen Jahren immer wieder Anfragen an „Bravo“, ob wir uns nicht in Form eines eigenen Labels im Musikmarkt engagieren wollen. Inzwischen verfügt „Bravo“ mit ihren vielfältigen Medien und den vielen Vernetzungen über eine geballte Power-Plattform, so dass wir beschlossen haben, diese – in Zusammenarbeit mit Warner – ausgewählten talentierten Künstlern zur Verfügung zu stellen. Dieses schließt die „Bravo“-Printpublikationen ebenso ein wie auch „Bravo TV“, „Bravo“-Events wie die „Supershow“ und Bravo.de. Die Idee wurde bei uns konkret, als wir vor zwei Jahren einen Band-Wettbewerb ins Leben gerufen hatten, die „Bravo Youngstars“. Hier haben wir festgestellt, dass zwar jede Menge Potenzial da ist, aber auf Seiten der Musikindustrie relative Zurückhaltung gegenüber solchen Bands herrscht, weil sie sehr arbeitsintensiv sind. So haben wir mit Warner überlegt, ob wir nicht gemeinsam etwas auf die Beine stellen können. Wir haben gesagt. Wir kommen euch entgegen, wollen jungen Künstlern eine Plattform geben und sie in „Bravo“ begleiten, um der Musikindustrie die Entscheidung für solch junge Acts zu erleichtern.

Kati Eismann: „Bravo“ ist als wichtiger Teil der Popkultur eine der besten Quellen, die man als Plattenfirma haben kann. Wir greifen die Künstler da auf, wo sie sitzen, nämlich bei dem Medium, das sie lesen und in dem über sie geschrieben wird. Wir können bei basicx die Angebote, die wir bei Warner Music erhalten, und die Belieferung, die bei der „Bravo“ tagtäglich in Stapeln hereinkommt, gegenseitig auswerten. Dadurch ergänzt sich das perfekt. Und wir sprechen wirklich alle an, nicht nur die jungen Künstler selbst, sondern auch Verlage, Produzenten, Manager etc.

mw: Welche Kriterien gelten für basicx-Künstler?

von Moltke: Es geht weniger um Projekte, sondern um authentische Musik und vor allen Dingen um Langfristigkeit. Wir sind interessiert, Künstler nachhaltig aufzubauen und tatsächlich über Albenthemen zu sprechen. Wir von der „Bravo“ machen das aus einem gewissen Hintergrund. Für die Medienlandschaft an sich sind Stars, die über einen längeren Zeitraum konstant sind und einen Fankult aufbauen, viel interessanter, weil wir viel besser mit ihnen arbeiten können. Das schlägt sich in Form von Postern, Interviews und so weiter nieder, weil ein Bedürfnis da ist, mehr über den Star zu erfahren, als nur eine nette Popnummer anzuhören. Es ist ein Phänomen in Deutschland, dass wir sehr viel auf Projekte achten in der Musikindustrie, wo Produzenten da sind, denen man vertraut, wo die Künstler aber als solche austauschbar sind.

Eismann: Wir wollen auf basicx „echte“ Künstler haben, die sagen: „Ich habe einen Plattenvertrag, stehe jeden Morgen auf und mache nur noch Musik. Ich werde dafür bezahlt, dass ich Musik machen darf. Mein Ziel ist, dass ich die besten Songs ever schreiben kann.“ Dafür bieten wir alle mögliche Hilfe inklusive Coaching jeder Art. Die Künstler werden nicht eher rausgeschickt, bis wir alle gemeinsam entschieden haben, dass sie wirklich so weit sind. Es fällt im Markt auf, dass oft alles extrem rasant zugeht und entsprechend viele Fehler auftauchen. Das versuchen wir, zu unterbinden, indem wir uns die Zeit nehmen, um den Künstler aufzubauen.

mw: Wer sucht die Talente aus?

Eismann: Wir beschäftigen uns gemeinsam intensiv mit den angebotenen Künstlern und wählen am Ende gemeinsam aus.

von Moltke: Wobei wir auch gezielte Aufrufe machen sowohl über Anzeigen als auch über redaktionelle Beiträge in der „Bravo“, damit sich Bands, Künstler, Produzenten und Songwriter bei uns direkt bewerben.

mw: Wer betreut das Label bei WSM und bei „Bravo“?

Eismann: Bei WSM betreue ich basicx im Marketing und A&R.

von Moltke: Von „Bravo“-Seite ist das Thema zunächst bei mir direkt aufgehängt. Wir werden uns auch sehr eng mit „Bravo“-Chefredakteur Uli Weißbrod abstimmen. Das ist ganz wichtig, denn so etwas funktioniert nur, wenn alle Beteiligten mit im Boot sind.

mw: Will WSM mit basicx verstärkt in den Singles- und Artist-Albenmarkt einsteigen, um Verluste aus dem Compilationgeschäft auszugleichen?

Eismann: Das kann man so nicht sagen. Das Compilationgeschäft ist und bleibt einer der stärksten Bereiche des WSM-Portfolios, aber durch die neue Abteilung Artist & Film, worunter basicx ja auch fällt, schaffen wir eigenes Künstler-Repertoire, aus dem wir langfristig schöpfen wollen.

mw: Sollen mit basicx primär auch exklusive Künstler gewonnen werden, um die „Bravo Hits“ zu bestücken und unterscheidbarer gegenüber anderen Hit-Compilations zu machen?

von Moltke: Auf die „Bravo Hits“ gehören Hits, und wenn ein basicx-Künstler einen Hit hat, gehört der auch auf die Kopplung. Die dient aber nicht dazu, die Themen in einem früheren, noch nicht chartsfähigen Stadium anzuschieben, was die Qualität der Compilation letzten Endes mindern würde. Die basicx-Acts werden singulär betrachtet, werden ein eigenes externes Management haben und individuell nach ihrem besten Fortkommen gesteuert. basicx wird nicht zur Unterstützung von Compilations gemacht. Das wäre der falsche Ansatz und würde spätestens beim Durchbruch eines Acts zu Problemen führen.

mw: Welche neuen Möglichkeiten sehen Sie durch das basicx-Projekt für „Bravo“ und die Compilation-Reihe „Bravo Hits“?

von Moltke: Wir werden unsere Anschubleistung bringen. Aber es ist so, dass „Bravo“ hier gibt und nicht nimmt. Unser Ziel ist es, den jungen Künstlern die notwendige Öffentlichkeit zu geben. Und das heißt, zunächst investieren wir hier. Das Thema Newcomer ist ja zu Beginn stets problematisch. Wenn wir im Heft oder in „Bravo TV“ Newcomer vorstellen, stößt das in der Regel erstmal auf wenig Resonanz. Die Kids orientieren sich in erster Linie an etablierten Stars und Hits. Wir stellen unsere Plattform auch als Signal an die Musikindustrie zur Verfügung. Es gibt den Konflikt zwischen Jugendmedien und Musikindustrie, die sagt: „Ihr berichtet zwar über die Stars, aber über die neuen Themen kommt eben zu wenig.“ Wir wollen für die Industrie ein Zeichen setzen, dass wir neuen Leuten eine Chance geben. Wir wollen unsere Expertise mit einfließen lassen. Das sollen aber keine Bravo-Künstler werden, sondern Acts, die sich eigenständig entwickeln. Daher sind wir auch offen für weitere Partner aus der Medienlandschaft und der Musikindustrie.

Eismann: Deshalb auch die Entscheidung bei der Namenswahl, das nicht unter „Bravo Records“ zu labeln, weil du dann Dinge ausschließt und limitierst, was die Akzeptanz solcher Künstler bei den Zielgruppen und bei den Medien angeht.

mw: Wie viele Veröffentlichungen im Jahr sind geplant?

von Moltke: Wir reden ganz gezielt über ein, zwei, maximal drei Künstler pro Jahr, die wir auf den Markt bringen wollen. Es besteht kein Umsatz- oder Gewinndruck wie bei einer normalen One-Artist-Firma, sondern wir können ganz gezielt und langfristig arbeiten und werden uns auf wenige Projekte konzentrieren, die im Idealfall hochwertige, exklusive langfristige Künstler hervorbringen. Dafür gibt es natürlich keine Garantie.

mw: Dann ist der Qualitätsanspruch besonders hoch an die wenigen Künstler, die letztlich einen Vertrag bekommen?

von Moltke: Wir legen Wert darauf, dass ein basicx-Künstler die Substanz hat, sich mit mehreren Songs über eine gewisse Zeit halten zu können, und dass er irgendwann auch eigenständig fliegen kann. Das ist das Ziel. Der Künstler soll schließlich einen Status erreichen, dass er „Bravo“ oder Warner gar nicht mehr als Mittler braucht, sondern sich etabliert hat und eigenständig agiert. Die Künstler müssen natürlich in jedem Fall jugendmarktkompatibel sein.

mw: Gibt es eine feste Altersgrenze für die Künstler auf basicx?

Eismann: Natürlich – entsprechend der „Bravo“-Zielgruppe. Ich denke, 25 ist eine gute Zahl, wobei das nicht heißt, dass jemand der ein halbes Jahr älter ist, keine Chancen mehr hätte.

mw: Konzentriert sich „Bravo“ auf die Präsentation der Künstler, oder sind auch Casting-Aktionen à la „Popstars“ geplant?

von Moltke: Wir werden den Casting-Prozess nicht gezielt mit einer Berichterstattung begleiten. Die eigentliche A&R-Arbeit – Auswahl, Coaching, Training – passiert klassisch im Hintergrund.

Eismann: Das ist so für die Künstler auch viel besser, wenn sie das in Ruhe machen und auch mal Fehler zugeben können, als wenn ständig eine Kamera dabei ist und sie hinterher fünfmal anfragen müssen: „Hoffentlich wird das rausgeschnitten.“ Das „Popstars“-Modell hat der Industrie eine Menge Erkenntnisse gebracht. Aber so was jetzt noch einmal zu machen, ergibt überhaupt keinen Sinn. Zumal „Popstars“ eine Limitierung auf eine gewisse Repertoire-Sicht darstellt. Da wird eben ein „Pop“-Star gesucht, was jede Art von Rap, Dance oder Nu Rock ausschließt. So limitieren wir uns nicht. Wir würden mit jeder Repertoire-Art, die ein Potenzial hat, auf diesem Label arbeiten.