Recorded & Publishing

Erste Stellungnahmen zur Quotenforderung: „Mehr Abenteuerlust zahlt sich aus“

Für viele Popkomm.-Besucher galt es, die Vorschläge von Staatsminister Julian Nida-Rümelin und die Forderung der Branchenverbände nach einer 50:50-Quote erst einmal zu überdenken. In einer ersten Blitzumfrage holte musikwoche.de die Meinung von Messebesuchern zur Quote ein.

“Seitdem ich weiß, wie es in Frankreich funktioniert, bin ich sehr dafür. Die Einmütigkeit, mit der man jetzt eine Quotenregelung fordert, hat mich allerdings überrascht. Wenn so etwas tatsächlich durchsetzbar ist, dann sehe ich es vor allem unter Indie-Gesichtspunkten als positiv und weniger unter sprachlichen Aspekten.“ Georg F. Löffler ebam

„Ich halte eine Quote für absolut notwendig. Denn damit wird der deutschen Kultur Rechnung getragen, die immerhin die europäische Kultur in wesentlichen Teilen mit angestoßen hat.“ Dr. Andreas von Imhoff, EMI Classics Germany

„Wir hatten vor einigen Jahren bei der BLR ein Format zwischen Schlager und Adult Contemporary – aber das Angebot der Plattenfirmen an richtiger deutschsprachiger Popmusik war nicht groß genug für ein solches Format. Doch ich denke, die Plattenfirmen sind auf dem richtigen Weg, wenn sie mehr deutsche und deutschsprachige Einsätze im Radio fordern, und Künstler wie Laith Al-Deen oder Svaen Lauer sind ohne Zweifel gute Angebote. Wir sind bereit, das zu fördern, auch wenn ich eine Quote problematisch finde. Hier gilt es, zu unterscheiden zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und den privaten, die sich am Publikumsgeschmack orientieren müssen. Aber ich glaube, mittelfristig werden uns die Leute weglaufen, wenn sie immer nur das gleiche im Radio hören.“ Klaus Braun Bereichsleiter Musik beim Mantelprogrammanbieter BLR

„Eins Live sieht in der Förderung nationaler Künstler eine herausragende Aufgabe. Es war immer unser Ziel, möglichst viele neue und innovative Titel zu präsentieren. So gibt es bei Eins Live Rubriken wie ‚Melodien von Morgen“, den ‚Heimatkult“ oder ‚Das erste Mal“. Die ‚Eins Live Krone“ ist der größte Radio-Award – die Preise gehen ausschließlich an nationale Künstler. Dementsprechend groß ist auch der Anteil nationaler Künstler im Programm: Etwa jeder dritte Titel kommt aus einem deutschen Tonstudio. Der Erfolg spricht für sich: Eins Live ist mit rund 2,7 Millionen HörerInnen täglich nicht nur der viertgrößte Sender in Deutschland, sondern auch das größte Radio für die Unter-30-jährigen bundesweit. Eine Quotierung lehnen wir trotzdem ab. Die Freiheit eines Senders zur Programmgestaltung darf in einer demokratischen Kultur nicht durch noch so gut gemeinte Reglementierungen eingeschränkt werden. Dies gilt auch für Quotierung der Sprache. Niemand sollte Künstlern vorschreiben, in welcher Sprache sie zu singen haben. Die Sprache sagt doch nichts über die Qualität eines Textes aus.“ Jochen Rausch Programmchef Eins Live

„Diese Initiative ist extrem wichtig und auf jeden Fall ein erster wichtiger Schritt. Es geht jetzt darum, mit der nötigen politischen Unterstützung an die Sender zu appellieren. Es muss etwas passieren. Dass die Hörer – und auch die Radiomacher – deutsche Musik wollen, zeigt aktuell der Erfolg von Herbert Grönemeyer.“ Susanne Hort Promotionleitung Capitol

„Ich liebe am französischen System, dass es keine GVL-Abgabe für US-Produktionen gibt. Ich bezweifle, dass ich die 50:50-Quote gut finde. Dass aber die Radiolandschaft eine Veränderung braucht, lässt sich nicht wegdiskutieren.“ Bernhard Rössle CEO Record Dept. in-akustik

„Die Frage ist, ob eine 50:50-Quote die derzeitige Krise überhaupt beheben kann. Solange keine langfristigen Künstler aufgebaut werden, wird der gewünschte Effekt noch etwas dauern. Dann könnte es jedoch im Nachbarland Österreich entsprechende Nachahmer geben.“ Mario Rossori Verleger und Organisator des österreichischen Gemeinschaftsstands

„Mehr Abenteuerlust bei der Programmgestaltung zahlt sich aus, wie die neue MA beweist: Da gehören vor allem auch Radiosender, die sich aus eigenem Antrieb eine Art Neuheitenquote gesetzt haben, zu den großen Gewinnern.“ Tina Funk Managing Director Mute Tonträger GmbH

„Ich kann das nur unterstützen. Es ist jetzt Aufgabe der Industrie, sich dafür stark zu machen und die Initiative in die Hand zu nehmen. Wir müssen aufhören, nur zu meckern; die Leute verstehen das nicht.“ Peter Plate Rosenstolz

„Ich sehe in einer solchen Quotenregelung vor allem eine Chance für die Öffentlich-Rechtlichen, weil die sich sonst überflüssig machen. Das gehört auch zu deren Informationsauftrag. Für mich geht es um,Musik von hier“ – dieser Begriff umfasst für mich zwangsläufig Musik aus Deutschland und Europa, und Vielfalt ist damit automatisch drin. Ich halte Fifty-Fifty für eine griffige Formel, die auch für Politiker nachvollziehbar sein sollte.“ Peter James VUT

„Obwohl wir in dieser Frage nicht ganz geschlossen sind, befürworten wir mehrheitlich eine Quotenregelung, die sich nicht nur auf Schweizer Musikschaffen bezieht, sondern auch auf Neuheiten. Damit wäre allen gedient.“ Dr. Peter Vosseler IFPI Schweiz

„Alle Jahre wieder kommt die Forderung nach nationalen ‚Schutzzöllen für die Musik“ auf den Tisch – anders kann man die Quoten-Regelung nicht bezeichnen. Durch Wiederholung wird sie aber nicht besser. Wozu das Abschotten der eigenen Kultur gegen internationale Einflüsse geführt hat, kann man in der Geschichte unseres Landes am Beispiel der Nazis bestens überprüfen – in eine kulturelle Sackgasse, aus der wir erst nach Jahren wieder mühsam herausgefunden haben. Kultur-Staatsminister Nida-Rümelin meinte aber mit seinem Vorschlag ausdrücklich NICHT die – am Markt agierenden – Privat-Sender, sondern die durch Zwangsgebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Programme. Da diese in unserem Dualen System nur die Hälfte des Publikums erreichen und in den privaten Anbietern eine echte Alternative vorhanden ist, könnte ich mir für die Öffentlich-Rechtlichen sehr gut eine nationale Quoten-Regelung vorstellen – in Sachen Neuheiten müssten sie nach meiner Auffassung sogar wegen Ihres im Gesetz verankerten Kulturauftrags unbedingt zu einem stärkeren Commitment gezwungen werden.“ Rainer Cabanis Programmdirektor radio ffn

„Wenn sie gesetzlich vorgeschrieben wird, halte ich eine Radio-Quote für Blödsinn. Eine Quote von 50 Prozent für gute Musik wäre besser.“ Bernd Rathjen Nexus Events

„Wir haben eine Quotenregelung schon vor Jahren gefordert und freuen uns jetzt, dass daraus so eine breite gemeinsame Plattform geworden ist. Ich bin jedenfalls sehr optimistisch, dass wir zu guten Ergebnissen kommen werden; wir müssen das Thema jetzt richtig aufgreifen.“ Dr. Heinz Stroh Deutscher Musikverleger-Verband