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EMI Electrola: Totgesagtes Segment im Aufwind

Mit so unterschiedlichen Künstlern wie Michelle und DJ Ötzi deckt das Label Electrola bei der EMI Electrola ein breites Spektrum ab. Für eine erfolgreiche Vermarktung setzt die Firma vor allem auf das Fernsehen und auf Tourneen.

“Durch die Erfolge in den letzten Jahren im Schlagerbereich nimmt dieses Repertoire bei EMI einen äußerst wichtigen Stellenwert ein“, berichtet Roman Rybnikar, Head of Electrola, im Gespräch mit musikwoche.de. Und auch wirtschaftlich konnte der Kölner Konzern mit dem Segment Erfolge erzielen, wie Rybnikar erläutert: „Der seit Jahren totgesagte Schlager lebt natürlich, das sieht man an den Umsätze unserer CDs. Zumindest bei uns ist das Segment im Aufwind.“

So konnte EMI Electrola nahezu 300.000 Einheiten von der letzten Michelle-CD absetzen und verkaufte weit über 100.000 CDs der Formation Vikinger. Die vier Single-Hits von DJ Ötzi gingen jeweils zwischen 100.000- und einer Million Mal über den Ladentisch, während das dazugehörige Album Gold holte.

Electrola fördert auch Newcomer

An diese Erfolge von etablierten Künstlern, zu denen Rybnikar auch Matthias Reim und Tom Astor zählt, will die Firma mit ihren Newcomern anknüpfen: „Mit neuen Acts wie Lisa del Bo, Michael jr., Looping und Tuesday Afternoon werden wir auch in Zukunft sehr intensiv im Schlager mitmischen. Auch sind wir im Schlager/Fun-Bereich mit DJ Ötzi, Möhre, Mickie Krause und Sound Convoy sehr aktiv und den speziellen,rheinischen“ Schlager pflegen wir äußerst erfolgreich mit den Höhnern.“

Anders als andere deutschsprachige EMI-Künstler wie Bap oder Pur benötigen Schlager-Themen jedoch besondere Vermarktungskonzepte, wie der Electrola-Chef erklärt: „Der Schlager braucht eine spezielle Behandlung, um ihn erfolgreich zu vermarkten; nicht nur in der Produktion, sondern natürlich auch in Marketing und Promotion. Electrola legt sehr viel Wert darauf, mit den Künstlern langfristig erfolgreich zu arbeiten und Konsumenten langfristig an Künstler zu binden. Um nicht nur vom Single-Erfolg abhängig zu sein, unterstützen wir alle Tour-Aktivitäten unserer Künstler.“

So regte Electrola in diesem Frühjahr die erste Tour von Michelle an, plante und unterstützte sie bei Marketing und Promotion. Dazu gehörte auch die zeitlich auf die Tournee abgestimmte Veröffentlichung eines „Best Of“-Albums. Die Verlängerung der Tour um 22 Städte im Herbst begleitete EMI ebenfalls mit einer Marketing- und Promotion-Maßnahme, als parallel ihre erste DVD erschien. „Ihre Tournee erwies sich als wahrer Triumphzug für Michelle, die auf ihren Konzerten bewies, dass sie langfristig in der Topliga des Deutschen Schlagers mitspielen wird“, meint Rybnikar, der auch andere Künstler mit Tourneen oder Teilnahmen an gemischten Konzertreisen langfristig etablieren will.

Neben den Live-Auftritten betrachtet die Electrola Produktion und Platzierung von TV-Specials zu einzelnen Künstlern als „eines der wichtigsten Werkzeuge“ bei der Schlagervermarktung. So produzierte die Firma in Zusammenarbeit mit freien TV-Produzenten und Fernsehanstalten in den letzten Monaten Specials für Tom Astor, Michelle, Vikinger, Michael jr., Lisa del Bo und Joja Wendt. „Alle diese Sendungen hatten unter anderem auch großen messbaren Erfolg bei den Abverkaufszahlen der aktuellen CDs der jeweiligen Künstler“, sagt Rybnikar, der dennoch die mediale Situation für den deutschen Schlager ambivalent beurteilt.

Mit dem Radio sei Electrola durchaus zufrieden. Im Fernsehen sei die Situation für etablierte Künstler zwar noch tragbar. Aber „für neue Acts gibt es überhaupt kein Forum mehr.

„Es gibt kein Forum mehr für neue Acts“

In den letzten Jahren sind einige wichtige TV-Sendungen eingestellt worden wie etwa die,Schlagerparade“ oder die,ZDF-Hitparade“. Mitschuld daran tragen aber auch Schallplattenfirmen, die Künstler und deren Managements, die wegen der Wettbewerbsituation diese Sendungen nicht unterstützten.“ Einen „Hoffnungsschimmer am Fernsehhimmel“ bilde der MDR, dessen „großartige TV-Shows“ auch Nachwuchskünstlern eine Chance geben.

„Wir finden auch, daß Sender wie GoldStar-TV, die zur Zeit noch wenig Wirkung haben und zuviel Programm aus der Konserve spielen, von der Industrie unterstützt werden müssen. Das sind Chancen für die Zukunft des Schlagers.“ Zu der will Electrola 2002 mit neuen Alben unter anderem von Lisa del Bo, Guildo Horn, Matthias Reim und Sarah Brightman beitragen, während von den Bläck Fööss und Claudia Jung „Best Of“-CDs erscheinen.