Recorded & Publishing

Duetti peilt Wachstum im deutschen Musikmarkt an

Duetti hat sich im Geschäft mit Musikrechten ein wenig abseits der ganz großen Schlagzeilen um millionenschwere Deals positioniert. Dennoch sammelte das Team um Lior Tibon und Christopher Nolte seit Firmengründung im Jahre 2022 rund 635 Millionen Dollar an Kapital ein und schloss weltweit mehr als 1100 Deals mit Künstler:innen ab. Nun will Duetti seine Präsenz auf dem deutschen Markt ausbauen, und gibt dazu 30 Katalog-Zukäufe bekannt.

“Wir sehen uns als eine moderne Musikfirma, die sich auf Kataloge konzentriert“, erläutert Christopher Nolte im Gespräch mit MusikWoche den unternehmerischen Ansatz von Duetti. Bei Zukäufen verfolge man ein Modell, dass Künstler:innen und Songwriter:innen eine große Flexibilität gewähre, erläutert der gebürtig aus der Stuttgarter Region stammende Mitbegründer und COO des Unternehmens: „Sie können einen Song verkaufen, ein ganzes Projekt oder auch nur Anteile daran.“

So hat Duetti hierzulande zum Beispiel die Masterrechte an dem 2024 veröffentlichten Debütalbum „Lid“ von Lacazette übernommen, das in den Offiziellen Deutschen Charts Platz fünf erreichte. An der aktuellen Single „CDY“ von Lacazette und Jazeek, die am 13. März an der Spitze in die deutsche Hitliste einstieg und für Lacazette zugleich den ersten Nummer-eins-Hit markierte, ist das Unternehmen indes nicht beteiligt.

Neben dem Kauf des Lacazette-Albums bestätigte Duetti am 17. März zudem Abschlüsse mit Künstler:innen wie Kollegah, der früheren Aggro-Berlin-Rapperin Kitty Kat, Samra, DJ Gimi-O, PA Sports und Jiggo. Bei Kollegah, so erfuhr MusikWoche auf Nachfrage, geht es dabei um Soloaufnahmen, nicht um die in Zusammenarbeit mit Farid Bang entstandenen Werke.

Nach bislang mehr als 30 Deals hierzulande will das Unternehmen seine Präsenz im deutschen Musikmarkt nun weiter ausbauen und rechnet für 2026 mit einem weiteren Anstieg bei der Zahl der Katalog-Deals. Dafür wolle man zudem die eigenen Deutschland-Kompetenzen in den Bereichen A&R, Marketing und Business Development weiter ausbauen.

Beschreibt Duetti als „eine moderne Musikfirma, die sich auf Kataloge konzentriert“: COO Christopher Nolte. Foto: Duetti

„Wir freuen uns über die Dynamik, die wir aktuell in Deutschland sehen – von der Qualität der Künstler:innen, mit denen wir zusammenarbeiten, bis hin zur Möglichkeit, bedeutende Katalogpartnerschaften aufzubauen“, lässt Christopher Nolte dazu offiziell wissen. „Der Ausbau unserer Investitionen in die unabhängige Musikszene Deutschlands unterstreicht unser Engagement, Künstler:innen dabei zu unterstützen, sowohl den Wert ihrer Kataloge als auch ihre langfristige Vision zu maximieren.“

Abseits von Deutschland arbeitet Duetti nach Unternehmensangaben mit Künstler:innen in mehr als 40 Ländern zusammen, darunter aus den Vereinigten Staaten, aus Frankreich, Großbritannien, Brasilien und Mexiko. Dabei verfolge man einen Ansatz, der Finanzierung und Marketing zusammenführen soll. Im Marketingbereich verweist das Duetti-Team unter anderem auf Sync und Playlist-Platzierungen mit mehr als 3000 Playlists und über sechs Millionen Followern auf DSPs. Hinzu kommen Influencer-Kooperationen und Remix-Produktionen mit über 60 Releases pro Quartal.

Bei Investitionen konzentriere man sich auf Abschlüsse in einer Größenordnung zwischen 10.000 und zehn Millionen Dollar, erläutert CEO Lior Tibon im Gespräch mit MusikWoche. Man arbeite beim Katalogkauf „mit einer sehr breiten Vielfalt“ von Musiker:innen, aber auch mit Songwritern, Produzent:innen oder Labels zusammen.

„Wir sind noch eine sehr junge Firma“, betont Lior Tibon zudem. Aber man wachse schnell. Derzeit zähle das Unternehmen rund 80 Mitarbeitende weltweit, die am Hauptsitz in New York sowie in US-Büros in Los Angeles, Miami oder Nashville sowie in Rio in Brasilien für Duetti tätig seien.

„Wir haben vergangenes Jahr zudem ein Büro in London eröffnet, von wo aus wir den Markt in Europa betreuen.“ Von dort aus arbeite ein engagiertes A&R-Team, „das teils Deutsch spricht und aus Deutschland kommt“, auch auf dem deutschen Markt. Darüber hinaus, so bestätigt, Tibon, wolle man mittelfristig auch personell direkt vor Ort Präsenz zeigen, und suche dafür vor allem in Berlin nach Mitarbeitenden. Kontakte auf dem deutschen Markt knüpfte man zuletzt unter anderem bei einem exklusiven Dinner-Abend in der Hauptstadt.

Die Entscheidung für Investitionen falle international zumeist auf Basis von Zahlen, erläutert Lior Tibon: „Im Kern ist Duetti eine Data-first company.“ So identifiziere man interessante Angebote: „Dabei konzentrieren wie uns auf zumeist junge Kataloge, nicht auf Frontline-Titel.“ Auch im Marketing arbeite man mit datenbasierten Entscheidungen und KI-Unterstützung daran, den erworbenen Katalogen zu mehr Reichweite und neuem Leben zu verhelfen. „So verfügen wir über Tausende von Playlisten bei Spotify und YouTube, die wie kuratieren und die wir über passende Keywords für neue Zielgruppen interessant machen.“ Christopher Nolte verweist auf ein „starke technologische Infrastruktur“, die man bei Duetti nutze, um seine Ressourcen effektiv einzusetzen – sowohl in Hinblick auf Zukäufe als auch in Sachen Marketing.

Zunächst ging es dem Duetti-Team beim Kauf von Rechten vor allem um Aufnahmen, ergänzt Lior Tibon. Seit gut einem Jahr aber investierte man auch ins Publishing – „auch in Deutschland“. Hierzulande, meint Tibon, sei man derzeit „sehr aktiv“, eine Zusammenarbeit mit Duetti könne daher eine „interessante Option“ für deutsche Künstler:innen, Songwriter und Labels sein. „Wir sind Katalog-Eigentümer auf beiden Seiten des Geschäfts“, bestätigt Christopher Nolte. „Also sowohl von Master- als auch bei Publishing-Rechten.“