Recorded & Publishing

Dossier: Duplication & more

Duplizierer zeigen sich zufrieden mit der Midem
Die Reed Midem Organisation zählte Anfang Februar 6150 Besucher der Musikmesse im französischen Cannes und damit rund vier Prozent weniger als im Vorjahr. Trotzdem geben sich die Veranstalter überzeugt, dass die richtigen Gäste gekommen waren. Und das bestätigen die Teilnehmer aus dem Dienstleistungsbereich.

“Die Midem war ein weiterer Meilenstein bei der Etablierung des Blu-ray-Disc-Audioformats Pure Audio“, berichtet Christoph Diekmann von der Pure Audio Group. Von 2008 bis 2012 hätten 45 Veröffentlichungen auf dem hochauflösenden Format den Weg zum Konsumenten gefunden, rechnet Diekmann nach, nun aber ziehe das Angebot schnell an: „Diese Zahl wurde 2013 verdoppelt, und für 2014 haben unsere Labels bereits weitere 100 Produktionen angekündigt. Somit sind wir mit unserer Teilnahme an dieser Messe mehr als zufrieden.“ Deshalb will Diekmann auch bei der nächsten Midem Präsenz zeigen: „Die Chancen, dass wir 2015 wieder dabei sein werden, stehen gut. Insgesamt vermittelt die Messe vermittelt allerdings weiterhin den Eindruck eines Toten – gesangs. Doch das sollte unsere vitale und krea – tive Branche verändern.“ Auch Christine Frei, Leitung Corporate & Marketing Communications bei kdg mediatech, war zunächst skeptisch, revidierte aber ihre kritische Haltung schnell wieder: „Auchwenn es wenig erbaulich ist, der einstmals bedeutendsten Musikmesse dabei zuzusehen, wie sie jedes Jahr noch ein Stück kleiner wird und wie sie in diesem Jahr in gewissen Bereichen fast schon an ein Potemkinsches Dorf erinnerte, müssen wir im gleichen Atemzug festhalten: Für uns war der Besuch gut, sehr gut sogar.“ Christine Frei ver – sichert denn: „Solange es die Midem gibt und unsere Kunden und Geschäftspartner vor Ort sind, werden auch wir präsent sein.“ Allerdings sei die Midem längst nicht mehr „die ultimative Musikmesse“, sondern inzwischen „nur noch die erste im Jahreskreis“. Die meisten Fachbesucher waren nur noch zwei Tage vor Ort, stellte Christine Frei fest: „Nachdem es deutlich mehr Spezialmessen wie Classical:Next, Jazzahead oder Reeperbahn Festival gibt, trifft man sich jetzt mit seinen Partnern kürzer, aber dafür öfter und verteilt übers ganze Jahr.“ Lob zollt der Musikmesse Ingo Kleimann, Sales Director Arvato Entertainment Europe: „Die Midem läutet bei Arvato Entertainment traditionell das neue Musikjahr ein. Für mich ist sie eine der wichtigsten Messen, um mit Geschäftspartnern in Kontakt zu treten und das Jahr zu planen.“ In Cannes ließen sich „hervorragend neue Trends aufspüren“, so Kleimann. „Liegt seit Jahren Vinyl weit vorn, kommen nun hochauflösende digitale Tonträger wie die Pure Audio Bluray hinzu.“ arvato will auch 2015 wieder dabei sein Ingo Kleimann zeigt sich sicher: „Die Nachfrage im Bereich des hochwertigen Musikgenusses ist ungebrochen, und wir sind bestens aufgestellt, um diesem Wunsch der Musikliebhaber nachzukommen. Entsprechend den hohen Konsumentenund Marktanforderungen liefern wir in den verschiedenen Ausstattungen sämtliche Tonträgerarten von Vinyl bis zur Blu-ray.“ Auch 2015 wolle das Team von arvato Entertainment wieder als Aussteller auf der Midem sein.Media-Saturn verschickt „Fair Packed“ via kdg Seit fast vier Jahren ist kdg der Logistikpartner von Media Markt und Saturn Österreich für Boxed- Entertainment-Produkte. Das bedeutet, dass alle CD-, DVD- und Blu-ray-Bestellungen beim österreichischen Media-Markt- beziehungsweise Saturn-Onlineshop von kdg medialog im Tiroler Lechtal abgewickelt und verschickt werden. Nun hat sich der Elektronikriese auch der von kdg ins Leben gerufenen „Fair Packed“-Initiative für faire Arbeitsbedingungen in Logistik und E-Commerce angeschlossen. Dafür hat der Handelskonzern mit Hauptsitz in Ingolstadt nicht nur das Emblem, sondern auch den Wortlaut der kdg-Initiative „Fair Packed“ übernommen. Ausschlaggebend für die konzertierte Aktion sind laut kdg die Reportagen über die katastrophalen Arbeitsbedingungen bei einigen hinreichend bekannten E-Commerce- Anbietern und deren Logistikunternehmen gewesen. Das habe ein ganz schlechtes Licht auf die gesamte Branche geworfen, sagt kdg-Vorstand Michael Hosp. „Wir wollten mit dieser Initiative aufzeigen, dass es sehr wohl Alternativen im E-Commerce gibt: uns zum Beispiel.“ Aus diesem Grund habe man sich darauf geeinigt, dass auf allen Paketen, die das Unternehmen als Webshop – logistiker ausliefert, das Logo von „Fair Packed“ stehen soll. „Der Kunde soll nämlich wissen: Hier kann man mit gutem Gewissen online shoppen.“ Heiko Meyer Verschicken an die Kunden von Media-Saturn Österreich „Fair Packed“: Dominik Friedle (kdg medialog, links) und Michael Hosp Foto: kdg d o s s i e r d u p l i c a t i o n & m o r e 14_MusikWoche_08+09_2014 Neues Ultraformat steht vor der Tür Unter der Bezeichnung 4K oder Ultra-HD kündigt sich ein neues hochauflösendes Format an, das nicht nur im Heimkinobereich neue Maßstäbe setzen könnte. Und auch für die Musikbranche ergeben sich daraus neue Möglichkeiten. Nach DVD, Blu-ray und 3D soll nun 4K oder auch Ultra-HD der neue Heimkinotrend werden. Ultra- HD steht für Ultra-High-Definition und bietet eine etwa vier Mal höhere Auflösung als das derzeit gängige Full-HD. Das soll ein noch schärferes und detailreicheres Sehvergnügen als bisher ermöglichen. Alle namhaften TV-Hersteller bieten inzwischen solche Geräte an, meist mehrere Modelle. Die Bild schirm diagonalen variieren zwischen wohn zimmertauglichen 50 Zoll und riesigen 110 Zoll (279 Zentimenter). Einstiegspreise beginnen im unteren vierstelligen Bereich, doch natürlich geht es deutlich teurer. Der ab März erhältliche Samsung UE110S9 etwa kostet umgerechnet rund 100.000 Euro. Zwar wird dieses High-End- Gerät schon aufgrund der Größe eine Rarität in den Wohnzimmern bleiben. Auf Messen wie der IFA in Berlin im vergangenen Jahr und der CES in Las Vegas Anfang 2014 drängte sich jedoch der Eindruck auf, als seien nur noch Ultra-HD-Fernseher erhältlich. Bei Betrachtung der Verkaufszahlen sieht die Realität anders aus: Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) spricht von 9000 im vergangenen Jahr in Deutschland verkauften Ultra-HD-Fernsehern, viele davon im Weih nachts ge schäft. Vorsichtigen Prognosen des Ver bands zufolge wird der Absatz in Deutschland in diesem Jahr auf rund 100.000 Stück steigen. Sven Deutschmann, Executive Vice President bei arvato Entertainment Europe, bezeichnet die Bildqualität von Ultra-HD-Fernsehern als „Quantensprung“. Dennoch könne „jeder Bildschirm immer nur so gut sein wie die Qualität der Inhalte, die er wiedergibt“. Genau hier liegt dasDilemma. Content? Mangelware! Vor allem was Bewegtbild betrifft. Obwohl viele Spielfilme für das Kino bereits in Ultra-HD-Auflösung produziert werden, profitiert die Videobranche davon bislang nicht. Zwar preist Sony Pictures Home Entertainment seine „Mastered in 4K“-Reihe an. Doch die Konsumenten bekommen eine Mogelpackung. Keine Mogelpackung, sondern echtes 4K Denn für die Blu-ray wurde das 4K-Ausgangsmaterial auf „nur“ HD-Auflösung heruntergerechnet und wird bei Wiedergabe auf einem Ultra-HD-TV wieder hochskaliert. Also kein echtes 4K. Paul Gray, Director of European TV Research bei Display – Search, hält den Zeitpunkt der Einführung von Ultra-HD-Geräten deshalb für zu früh. Schließlich sind derzeit kaum echte 4K-Filme erhältlich. „Fernseher ohne Inhalte sind bedeutungslos“, kritisiert er. In der Tat hat die Unterhaltungs – elektronikbranche neue Impulse dringend nötig. Schließlich verzeichnete sie im vergangenen Jahr drastische Umsatzeinbrüche. So schrumpften die Erlöse aus dem Verkauf von LCD- und Plasmafernsehern im ersten Halbjahr 2013 laut gfu um 26,1 Prozent. Da käme ein möglicher Ultra-HD-Hype gerade recht. Doch 4K-Content ist in Sicht: 2013 d o s s i e r d u p l i c a t i o n & m o r e 16_MusikWoche_08+09_2014 geebnet – stellt aber nicht die einzige Tür zu den Wohnzimmern der Filmfans dar. Dazu Sven Deutschmann: „Da sich Konsumenten nicht von Breitbandverbindungen allein abhängig machen wollen und in vielen Gebieten die dafür notwendigen Übertragungsraten gar nicht verfügbar sind, kommt einem physischen Datenträger eine hoch einzuschätzende Bedeutung zu.“ Noch aber fehlt ein standardisiertes Trägermedium für nativen 4KContent. Denn aufgrund der hohen Datenmengen reichen die maximal 50 Gigabyte Speicherkapa – zität einer herkömmlichen zweilagigen Blu-ray nicht aus für einen kompletten Spielfilm in 4K. Dar – an kann offenbar auch das neue Kompressionsverfahren HEVC (High Efficiency Video Coding), Nachfolger von MPEG4, nichts ändern, das eine stärkere Kompression bei gleichbleibender Qualität ermöglicht. Deshalb zeichnet sich der Bedarf nach einem neuen physischen Format ab: einer Weiterentwicklung der Blu-ray, der sogenannten 4K Blu-ray mit 100 Gigabyte Kapazität. Mit der „Bluline III“ kündigte Maschinenhersteller Singulus bereits die erfolgreiche Entwicklung einer Replikationsanlage an, die solche Scheiben herstellen kann. „Man geht davon aus, dass drei Speicherschichten à 33 Gigabyte mit zusammen 100 Gigabyte dem Bedarf gerecht werden. Technisch sind natürlich auch vier Speicherschichten möglich. Eine Einigung gibt es noch nicht“, erklärt Stefan Rinck, President & CEO von Singulus Technologies. Derzeit diskutiere die Blu-ray Disc Association mit Studios, Geräteherstellern und Content-Providern die Vor- und Nachteile verschiedener Lösungen. „Nach unseren Informationen wird eine Spezifikation für ein neues Blu-ray-Format für Ende 2014 erwartet“, erläutert Stefan Rinck. Interesse seitens der Kunden sei aber bereits vorhanden: „Wir sind mit mehreren Firmen in Kontakt.“ Duplizierer halten sich bereit Eine davon dürfte arvato sein. Die Bertelsmann- Tochter wiederum führt „sehr detaillierte Gespräche“ mit ihren Auftraggebern, den Filmstudios. „Das Interesse ist durchweg groß. Die Qualität spricht für sich“, bestätigt Deutschmann. „Die 4KAuflösung wird zurzeit als das ultimative Format angesehen. Da ist es verständlich, dass einmalige Filminhalte auf das beste Format gebracht werden sollen, das es gibt.“ Derzeit bereite sich arvato dediziert auf den Ultra-HD-Markt vor: „Und dabei geht es um mehr als um die reine Investition in neue Blu-ray-Anlagen. Sobald die Standards des neuen Formats verabschiedet worden und ent-sprechende Player im Markt verfügbar sind, werden wir für unsere Kunden bereit sein, die neuen Datenträger zu fertigen.“ Das wird, so Sven Deutschmann, „wahrscheinlich im Laufe des kommenden Jahres“ der Fall sein. Auch auf die Authoringstudios, die den Content zur Vervielfältigung aufbereiten, kommt einiges zu. „4K bedeutet einen weiteren Zuwachs an Datenmengen und -raten, eine Neuinvestition in Hard- und Software, die Anpassung, Erweiterung und Umstrukturierung von Workflows und den Einsatz effizienterer Codingtechnologien wie HEVC“, sagt Robert Schneider, Studio Manager bei den Münchner GLS Studios. Auch er rechnet mit „einem Anstieg der Anfragen“: „Das Interesse erstreckt sich aber ausschließlich auf die Übertragung echter 4K-Inhalte – im Gegensatz zu Blu-ray-Abspielgeräten mit einem Upscaler von Full-HD auf Ultra-HD, die ein 4K-Erlebnis vorgaukeln.“ Neben der höheren Auflösung schätzt Robert Schneider „die Implementierung von High-Frame-Rates und 4K-3D-Technologien, was möglicherweise einmal zu einem brillenfreien 3D-Seherlebnis führen könnte“. Die Erfolgsaussichten von 4K im Heimkino hält er auch aus diesem Grund für „generell gut“. Ebenso wie Sven Deutschmann von arvato: „Wir sehen gute Chancen für das 4K-Blu-ray-Format. Denn die Fernsehgeräte industrie wird in den nächsten Monaten verstärkt neue Geräte auf den Markt bringen.“ Marktforscher wollen sich bei den Erfolgsaussichten von 4K im Heimkino noch nicht festlegen. 2020 werden in Westeuropa erst zehn Prozent der Haushalte einen für 4K-Filme notwendigen Ultra-HD-Fernseher besitzen, prognostiziert etwa Futuresource-Analyst David Sidebottom. Konsumenten brauchen Software Doch vielleicht geht es schneller, wenn die Menschen von den Inhalten in entsprechender Auf – lösung begeistert werden. „Die Hardware ist nur der Körper. Am Ende ist es die Software, die für den Verkauf der Hardware sorgt“, sagt Musikproduzent Giorgio Koppehele von der Formation Lichtmond, die mit hochauf lösenden Veröffentlichungen Maßstäbe gesetzt hat. Es gehe nicht um technische Details. Um den Massenmarkt zu erreichen, müssten die Konsumenten sofort verstehen, warum sie zu noch höherer Auflösung wechseln sollen. „Mit der 4K Blu-ray hätten wir besseres 3D und könnten mehr Audiokanäle integrieren und so ein noch intensiveres Erlebnis schaffen. So etwas veranlasst Konsumenten zum Kauf von neuer Technik.“ Heiko Meyer … alles aus einer Hand! www.arvato-entertainment.de authoring & encoding|studio services|replication|creative packaging|fulfi lment|distribution| supply chain management|online services|copy protection|e-commerce Will mit Inhalten die Menschen für neue Technologien begei stern: Lichtmond- Mitglied Giorgio Koppehele d o s s i e r d u p l i c a t i o n & m o r e 18_MusikWoche_08+09_2014 „Private Cloud im Bücherschrank“ Für Duplizierer wie Sony DADC ist Digitalisierung ein zentrales Thema. Chris Reiser, Executive Vice President Sony DADC International, blickt im Gespräch mit Heiko Meyer in eine Zukunft, in der auch physische Produkte weiterhin eine Rolle spielen. Mit der 4K Blu-ray zeichnet sich ein neues, weiterentwickeltes Medium mit mehr Speicherkapazität ab. Wer braucht dieses Format überhaupt? Als Konsument bin ich begeistert von der Bildqualität der 4K-Fernseher. Als Dienstleister sehe ich das eher pragmatisch als Teil eines Portfolios. Wir werden, was immer unsere Kunden brauchen, um ihre Werke herauszubringen, unterstützen. Wir wollen ihnen helfen, Umsätze zu erzielen. Bei 4K Blu-ray warten wir, bis die Spezifikationen verabschiedet sind. Und wenn dieses Produkt im Markt gewünscht ist, werden wir es ganz sicher anbieten. Wichtig dabei ist die klare Positionierung von 4K im Handel. Der Konsument muss die Wertigkeit wahrnehmen und zwischen den einzelnen Formaten unterscheiden können. Hat 4K Blu-ray das Potenzial zum Massenmarkt? Wie von DVD zu Blu-ray ist 4K ein weiterer Qualitätssprung. Insofern wird es auf jeden Fall eine gewisse Nachfrage geben. Da es sich um sehr große Datenmengen handelt und digitale Infrastruktur und Breitbandstandards weltweit sehr unterschiedlich sind, eignet sich ein physisches Medium wohl am besten für den Verkauf von 4KInhalten. Letztlich ist die Frage, ob 4K Blu-ray aus Sicht der Konsumenten genug Zusatznutzen bietet, so dass sie sich zahlreich für den Kauf entscheiden. Nach wie vor schätzen viele Menschen die DVD, obwohl Blu-ray eine bessere Qualität bietet. Deshalb glaube ich nicht, dass 4K Blu-ray alle anderen Formate verdrängen kann. Spielt 4K Blu-ray neben Video auch für andere Segmente eine Rolle? Bei Musik könnte dieses Format erfolgreich eine Nische für audiophile Hörer bedienen. Aber es geht nicht immer nur um die messbare Steigerung von Kilohertz, Bit und Speicherkapazität. Wie wir aus der Musikbranche wissen, kann Mobilität ebenso ein wichtiger Wert sein wie die bestmögliche Audioqualität. Der Medienkonsum wird immer fragmentierter. Welches sind die wichtigsten Territorien für Sony DADC? Wir haben zahlreiche Standorte in Nord ame ri ka, Europa, Asien und Australien. Ein Schlüsselterritorium ist sicher Europa. Wir verstehen uns als paneuropäischer Anbieter und konzentrieren uns nicht nur auf einzelne Länder. In Deutschland bedienen wir erfolgreich die gesamte Wert – schöpfungskette. Aber wir sehen noch weiteres Potenzial. Unsere erfolgreichsten Märkte sind UK und Skandinavien. Dort ist die Wettbewerbssituation eine andere. Zudem waren wir sehr früh präsent, nicht nur mit Vertriebsteams, sondern auch mit Auslieferungszentren. Welche Bedeutung haben die einzelnen Entertainmentbranchen für Sie, und welche Verschiebungen erwarten Sie in den nächsten Jahren? Es gibt Wettbewerber, die sich aus einzelnen Branchen zurückgezogen haben. Wir sind froh, in allen Bereichen – Video, Games, Musik – stark vertreten zu sein. So können wir Erfahrungen von einer auf die andere Branche übertragen und unsere Standards insgesamt heben. Zum Beispiel war Mu- Glaubt an die Zukunft physischer Produkte: Chris Reiser von Sony DADC Foto: Sony DADC „Der Konsument muss die Wertigkeit wahrnehmen und zwischen den einzelnen Formaten unter scheiden können“ 3s s i e r d u p l i c a t i o n & m o r e 20_MusikWoche_08+09_2014 sik anfangs führend bei Sonderverpackungen. Inzwischen hat dieses Thema auch bei Video und Games an Bedeutung gewonnen. Ein anderes Beispiel ist Sicherheit: Angesichts von Produkten, die im Handel 60 Euro und mehr kosten, hat man bei Games schon früh sehr viel Wert auf hohe Standards gelegt. Auch in Zukunft werden wir für alle Branchen tätig sein. Nach wie vor gibt es enorme Überkapa zitäten bei der Discproduktion. Wie wird sich das auf den Dienstleistermarkt auswirken? Sicherlich wird es Player in Europa geben, die in naher Zukunft aus dem Markt ausscheiden werden. Alle anderen müssen ihre Kapazitäten an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Auch wir mussten Schritte in diese Richtung unternehmen. Wie lange werden CD, DVD und Blu-ray noch gebraucht? Das Digitale hat seinen Charme und zweifellos Vorteile. Aber viele Menschen wollen ihre private Musik- und Film-Cloud zu Hause im Bücherschrank stehen haben. Haptik spielt bei vielen Kaufentscheidungen eine große Rolle. Bei manchen unserer Musikkunden sind über 50 Prozent der Verkäufe Titel mit Spezialverpackungen. Das kann Digital nicht leisten. Außerdem können nur physische Produkte die für den Markt wichtigen Spontankäufe im Handel generieren. Nichtsdestotrotz sehen wir, dass Digitalservices wie Netflix erfolgreich sind und Einfluss auf den Medien – verkauf haben. Bis wann werden Sie physische Medien denn überhaupt noch produzieren? Wir haben gerade erst eine Planung bis 2020 aufgestellt, inklusive physischer Medien. Wir rechnen noch langfristig mit diesem Thema. Welche Bedeutung haben die Dienstleistungen rund ums physische Geschäft noch für Sie? Eine enorme. Wir produzieren etwa 40 Prozent des weltweiten Blu-ray-Volumens. In Europa sehen wir uns als Marktführer im Dienstleistungsbereich rund um physische Medien. Und wir wollen unser Serviceangebot noch weiter ausbauen. Manche Dienstleister arbeiten auch für andere Industriezweige. Welche Branchen haben Sie im Visier? Wir haben bereits IT-Dienstleistungen und E-Commerce- Systeme für Buchverlage entwickelt. Und wir haben uns auch schon komplett andere Branchen angeschaut. Aber Entertainment bleibt auch in Zukunft unser Kernmarkt. Dort haben wir eine gute Kundenbasis. Und wir möchten unsere Kunden auch durch schwierige Zeiten begleiten. Manche europäischen Videomärkte verzeichnen massive Einbußen im physischen Geschäft – im Gegensatz zu Deutschland. Was wird hier richtig gemacht, was läuft in anderen Ländern falsch? Zum einen verdient der Fachhandel ein großes Lob für die Präsentation von DVDs und Blu-rays. Zudem ist es der deutschen Videobranche gelungen, Buchhändler und Drogerien vom Verkauf ihrer Produkte zu überzeugen und den Markt zu erweitern. Das gibt es so in anderen Ländern nicht. Ein weiterer Grund ist die unterschiedliche Verbreitung von Pay-TV. Bezahlfernsehen spielt in UK, Skandinavien und Spanien eine viel größere Rolle und konkurriert stärker mit physischen Produkten. Welches Thema steht im Jahr 2014 ganz oben auf Ihrer Agenda? Wir wollen uns intensiver um Sonderverpackungen kümmern und weitere Kunden dafür gewinnen. Am Standort Pilsen produzieren wir kostengünstig und haben 35.000 Quadratmeter Lagerfläche. Mit über zehn Druckereien in Europa können wir jede erdenkliche Veredelung durchführen. In China kümmert sich ein Team von zehn Leuten um den Einkauf von Spielzeugen, Figuren und anderen Ar ti keln, die limitierten Boxen beigelegt werden können. Es übernimmt die Qualitätsanalyse, achtet auf die Einhaltung europäischer Standards und garantiert sichere, schnelle Logistik nach Europa. Und wir bauen ein Netzwerk an Kreativagenturen auf, die Verpackungskonzepte ent – wickeln. Sie sehen, das Thema liegt uns sehr am Herzen. Wir sind überzeugt davon, dass Sonderverpackungen noch mehr an Bedeutung gewinnen werden. Denn nur so können unsere Kunden mit ihren Produkten im digitalen Wettbewerb punkten.

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