Recorded & Publishing

Die Nordoff/Robbins Musiktheraphie – von den Anfängen bis heute

1959 entwickelten der amerikanische Komponist und Pianist Paul Nordoff (1909 bis 1977) und der britische Sonderpädagoge Clive Robbins (* 1928) die nach ihnen benannte Musiktherapie.

Dabei werden keine Bänder oder fertige Kompositionen abgespielt, sondern Patient und Therapeut machen gemeinsam live Musik. Meist spielt der Therapeut – ein Musiker mit entsprechender Zusatzausbildung – in den Sitzungen Klavier, der Patient ein leicht zu handhabendes Instrument wie Trommel oder Zimbel. Ziel dieser schöpferischen Behandlung ist, Kinder und Erwachsene mit psychiatrischen, neurologischen, inneren oder psychosomatischen Erkrankungen vielfältig zu fördern. Mit Hilfe der Musiktherapie gelingt es beispielsweise, die Motorik der Patienten zu verbessern und ernsthafte Verkrampfungen zu lösen.

Der Ansatz fiel auf fruchtbaren Boden. Schon 1960 entstanden in London und New York weitere Zentren. Anfang der 70er-Jahre wurde im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke eine klinische Abteilung für Musiktherapie gegründet; seit 1978 wurde die Nordoff/Robbins Musiktherapie in Deutschland angewendet, und drei Jahre später wurde an der Universität Witten/Herdecke das Institut für Musiktherapie ins Leben gerufen.

Die vielfältigen und wissenschaftlich fundierten Resultate resultierten schließlich im Jahr 1985 in der Genehmigung für einen zwei Jahre dauernden Diplom-Musiktherapiestudiengang im Rahmen der medizinischen Fakultät. Heute hat die schöpferische Musiktherapie ihren festen Platz in der Psychiatrie, Neurologie und Neurochirurgie. Internationale Musikstars wie Elton John, Phil Collins, Sting und Bono unterstützen die Nordoff/Robbins Musiktherapie.

Ein Schwerpunkt der Stiftungsarbeit ist die Forschung: Prof. Dr. Lutz Neugebauer, Leiter des Instituts für Musiktherapie in Witten/Herdecke, gibt Auskunft über neue Erkenntnisse:

„Zunächst einmal muss man darauf hinweisen, wie viel in den vergangenen zehn Jahren geschafft und geschaffen wurde. Dass Forschung an der Universität Witten/Herdecke möglich wurde, hängt wesentlich damit zusammen, dass die Stiftung die ersten Stellen in diesem Bereich mitfinanziert hat. Aus dieser Mitverantwortung entstanden zahlreiche Forschungsarbeiten oder Studien, die in Fachpublikationen veröffenlicht sind, so zum Beispiel eine Studie zur Wirkung von Musiktherapie bei entwicklungsverzögerten Kindern.

Ein weiterer wichtiger Schritt war die Ermöglichung von Publikationen, die der Musiktherapie angemessener sind, als reine Textbeiträge in Fachzeitschriften. Gerade die letzte CD-ROM-Publikation aus dem Institut zeigt, wie sich Multimedia-Dokumentationen für die Darstellung der musiktherapeutischen Arbeit eignen und Ausgangspunkt für Forschungsarbeiten sein können. In diesem Kontext muss man natürlich auch die Internetseite des Instituts mit einer Datanbank für Fachartikel und die Buchreihe des Institutes erwähnen. Mit diesen Arbeiten hat sich das Musiktherapie-Institut der Universität Witten/Herdecke ein Renommee erarbeitet, das national und international unbestritten ist. Dies dokumentiert sich zum Beispiel darin, dass die CD-ROMs auf den großen internationalen Kongressen als fester Bestandteil verstanden werden und internationale Fachorganisationen die Internetseite als Host für ihre Informationen nutzen.

Dies alles ist nur durch die langfristige Arbeit der Stitung möglich geworden. Und natürlich entstehen immer neue Erkenntnisse. Erst vor einem Monat wurden in einer Tagung ‚Schaufenster Forschung‘ die aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten des Instituts dargestellt. Beispielhaft sei nur auf eine laufende Forschungsarbeit hingewiesen, in deren Verlauf ermittelt wird, welche Auswirkungen die Musiktherapie auf die Kommunikationsmöglichkeiten bei Menschen mit langjährig bestehendem Sprachverlust (zum Beispiel durch Schlaganfälle oder Unfälle) hat, die als austherapiert gelten.“