Recorded & Publishing

Britische Musikexporte wachsen nur noch minimal

Das Exportvolumen der britischen Musikunternehmen im Bereich Recorded Music durchbrach zuletzt erstmals die Marke von 800 Millionen Pfund. Das zeigen Hochrechnungen des BPI-Branchenverbands. Angesichts der bloß geringen Wachstumsrate wirbt CEO Joe Twist indes um wirtschaftliche Rückendeckung.

Laut Angaben des BPI-Branchenverbands erzielten die britischen Plattenfirmen mit ihren Veröffentlichungen im Jahr 2025 Exportumsätze von 800,3 Millionen Pfund oder umgerechnet fast 938 Millionen Euro. Das sei ein neuer Rekordwert in dieser erst seit dem Jahr 2020 erhobenen Statistik, heißt es aus London.

Doch trotz der auf den ersten Blick stolzen Zahl schwingt in der Mitteilung des Branchenverbands auch eine gute Portion Ernüchterung mit: Denn im Vorjahresvergleich wuchs das Exportvolumen um gerade einmal noch 0,8 Prozentpunkte. Und das in einem Land, das sich erst im Frühjahr dank der Erfolge zahlreicher Künstler:innen, die erst im vergangenen Jahr international durchstarten konnten, zur „kreativen Supermacht“ ausrief.

Als Grund für die schmaleren Zugewinne im Musikexport verweist man in UK auf einen „bislang beispiellosen Wettbewerb“ im weltweiten Musikmarkt, wo neben etablierten Akteuren wie den USA und Kanada längst auch Künstler:innen aus Nationen wie Südkorea oder aus den Regionen in Asien und Lateinamerika das Geschäft prägen und es britischen Musik-Acts zunehmend schwieriger machen würden, sich weltweit zu behaupten. 

Dennoch wertet man bei der BPI das Jahr 2025 als Zeichen für eine möglicherweise sogar nachhaltige Trendwende: Schließlich hätten junge britische Acts wie Olivia Dean, Lola Young, Yungblud, PinkPantheress oder Sleep Token Erfolge in zahlreichen führenden Märkten der Musikwelt feiern können.

„Bemerkenswert an den Rekordzahlen beim Export von Musikaufnahmen im vergangenen Jahr war nicht nur der Beitrag einer neuen Generation britischer Stars, sondern auch der lange Weg, den diese oft zurücklegen mussten, um ihr Publikum aufzubauen und eine Bindung herzustellen“, analysiert denn auch BPI-Geschäftsführerin Dr. Jo Twist OBE, Geschäftsführerin: Es sei heute schwieriger denn je, Künstler:innen international zu etablieren, und es dauere länger, bis neue Acts vom Mainstream angenommen würden.

„Auch wenn diese Zahlen beeindruckend sind, unterstreicht das nachlassende Wachstumstempo die Notwendigkeit fortgesetzter Initiativen für den internationalen Handel und Export – wie etwa das Music Export Growth Scheme – sowie eines passenden wirtschaftlichen Umfelds im Vereinigten Königreich, damit Musiklabels weiterhin in britische Talente investieren können“, führt Jo Twist weiter aus, und richtet damit zugleich einen Appell an die frisch formierte britische Regierung um den Labour-Politiker Andy Burnham.

Als Beispiel verweist man bei der BPI auf Olivia Dean, die ihre internationale Präsenz vor allem in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres deutlich habe ausbauen können, unter anderem mit Erfolgen ihrer Single „Man I Need“ oder des Albums „The Art Of Living“ in Nationen wie den USA oder Australien. Dass Universal Music die Künstlerin auch im deutschsprachigen Raum unter anderem mit einer Albumpräsentation und einer Gold-Verleihung hierzulande oder im ausverkauften Hallenstadion in Zürich begleitete, erwähnen die Briten derweil nicht.