Mit Bilanzzahlen aus dem Hause Bertelsmann ist frühestens Ende März zu rechnen, doch bereits jetzt zeichnet sich ein erstes Bild über den Status Quo bei Deutschlands größtem Medienkonzern ab. Besonders die Situation bei der Musiktochter BMG lässt sich immer deutlicher erahnen, obwohl trotz neuer weltweiter Struktur noch nicht klar ist, wie es mit den deutschen BMG-Niederlassungen und Zomba weitergehen soll. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa hat BMG in den letzten Monaten eine „eindrucksvolle Wende“ vollzogen, der Gesamtkonzern werde bei der Bilanz im März ein „solides Ergebnis vorlegen können“. Die dpa spricht sogar davon, dass BMG nach Jahren der Ertragsschwäche wieder einen „respektablen operativen Gewinn“ ausweisen wird. So verriet das auch Konzernchef Gunter Thielen im Interview mit dem „Spiegel“. Der Musikarm habe sich laut dpa auf Rang drei der Majors vorgeschoben und seinen Anteil in einem schrumpfenden Markt um 20 Prozent verbessert. Das bestätigte BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz zudem im Interview mit der „Welt“, die sogar von einem „Rekordergebnis“ schrieb. Unter Berufung auf Branchenkreise schätzte die Springer-Zeitung den BMG-Gewinn auf über 150 Millionen Dollar. Zum Halbjahr wies BMG noch einen Verlust von 45 Millionen Euro aus. Doch Schmidt-Holtz sieht trotz dieser Zahlen kaum Grund für Optimismus: „Wir können das Ergebnis des vergangenen Jahres wohl nicht wiederholen, möchten aber wieder hoch profitabel sein.“ Im Kampf gegen die marktgefährdende Piraterie sieht sich Schmidt-Holtz obendrein „von den Regierungen der westlichen Hemisphäre im Stich gelassen“. Die Argumente der Branche würden zustimmend zur Kenntnis genommen, aber bei der Umsetzung in Gesetze und Vorschriften geschehe nichts. „Hier geht’s nicht ums Jammern, hier geht’s um die Existenz der Musikindustrie“, sagte Schmidt-Holtz, der vor wenigen Tagen das internationale Geschäft von BMG neu strukturierte. Dabei verlor Thomas Stein seinen Posten als Europa-Chef; er wird künftig wieder für die Geschäfte in Deutschland, Österreich und Schweiz zuständig sein. Was die „Süddeutsche Zeitung“ jüngst als klare Degradierung interpretierte, wies Thielen im „Spiegel“ zurück: „Wieso degradiert? Stein verantwortet die deutschsprachigen Märkte, und die sind in Sachen Musik tatsächlich besonders schwierig, da ist eine Menge zu tun.“
“ (23.01.03)
“ (03.09.02)






