Recorded & Publishing

Apropos: Praxistest für den SPD-Kreativpakt

Am 21. März 2012, also vor fast einem Jahr, platzte Sven Regener der Kragen: „Ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, dass diejenigen, die den Inhalt liefern, nichts bekommen, ist kein Geschäftsmodell“, schimpfte er. Bei SPD-Netzpolitikern scheint die Botschaft nicht angekommen zu sein.

Am 21. März 2012, also vor fast einem Jahr, platzte Sven Regener der Kragen: „Ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, dass diejenigen, die den Inhalt liefern, nichts bekommen, ist kein Geschäftsmodell“, schimpfte er. Als Musiker wirke man „uncool“, wenn man sich auf das Urheberrecht berufe, gerade als Indiekünstler. Das „Herumtrampeln“ auf Künstlern, die auf dieses Recht beharren, sei „im Grunde nichts anderes, als wenn man uns ins Gesicht pinkelt“.

Seitdem ist viel geschehen. Viele Urheber haben sich zu Wort gemeldet; Google startete die Aktion „Verteidige dein Netz“; die politischen Parteien beziehen vor der nächsten Bundestagswahl Stellung. Die SPD zum Beispiel propagiert einen Kreativpakt.

Von einem solchen wollen die Netzpolitiker in der SPD aber wohl eher nichts wissen. Das legen jedenfalls Statements von Mitgliedern des Forums Netzpolitik des Landesverbands Berlin nahe, die man in der Facebook-Gruppe „SPD-Netzpolitik“ lesen kann.

Unter Bezug auf Mitglieder der Gruppe „Ja zum Urheberrecht“ und auf SPD-Mitglieder, die sich für die Rechte der Urheber stark machen und die man als „reaktionäre Bande“ verunglimpft, finden sich dort Aussagen wie: „Festplattenabgabe ist organisierte Wegelagerei.“ – „Die ganze Tonalität der reaktionären Fraktion ist schlicht unerträglich.“ – „Solange dieses urheberrechtsfanatische Personal hier sein Gift versprüht, sehe ich keinen Sinn an einem weiteren Dialog.“ – „Ein Diskurs mit diesen reaktionären Kräften bringt die Debatte nicht voran.“ – „Der Begriff Kostenlos-Kultur ist ein Kampfbegriff, der die Realität nicht richtig darstellt.“

Sieht so die Umsetzung des Kreativpakts an der netzpolitischen Basis aus?

Manfred Gillig-Degrave Chefredakteur MusikWoche [email protected]