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Apples Download-Dienst startet mit 200.000 Major-Titeln

Die Katze ist aus dem Sack: Apple Computer stellte am Montagabend im Moscone Center von San Francisco seinen geheimnisumwitterten Online-Musikdienst vor. Der iTunes Music Store bietet – vorerst nur in den USA und vorerst ausschließlich für Mac-Nutzer – Song-Downloads von allen fünf Majors zum Preis von 99 US-Cent. Seit Anfang März mutmaßten die Computer- und Medienbranche über das neue Angebot von Apple.

Nun ist klar, dass Universal Music, Sony Music, Warner Music, EMI Recorded Music und BMG insgesamt 200.000 Titel für den Service zur Verfügung stellen. Eine Reihe von Songs wird es sogar exklusiv im iTunes Music Store geben, um die Attraktivität des Dienstes zu steigern. Zum Start ist es ausgewähltes Repertoire von über 20 Acts (unter anderem Eminem, U2, Bob Dylan), deren Titel nur bei Apple erhältlich sind. Überraschend dabei: Apple und die Rechteinhaber der Songs bieten weitreichende Nutzungsrechte für die Online-Kunden. So dürfen die Songfiles auf eine unbegrenzte Zahl von CD-Rs gebrannt werden – für den persönlichen Gebrauch selbstverständlich. Obendrein können die Songs auf beliebig vielen der iPod-Player von Apple und auf insgesamt drei Macintosh-Rechnern abgespielt werden. Das ist insoweit bemerkenswert, weil dadurch de facto ein Peer-to-Peer (P2P) System legalisiert wird – mit Einschränkungen: Einmal gekauft darf eine Datei ausgehend von drei Quellen auf eine unbegrenzte Zahl von mobilen Abspielgeräten weiter gereicht werden. Im Prinzip nichts anderes als Songs auf Tauschbörsen anzubieten, nur: Man muss dafür im Besitz eines Apple-Geräts sein. Man darf zwar die maximal 7500 Songs, die auf die neue Generation von iPods passen, an soviele weitere iPod-Nutzer verteilen wie man will, der Zugangs-Code zur iTunes-Welt ist jedoch immer der Besitz des Apple-Gadgets selbst. „Der iTunes Music Store geht neue Wege, was die Nutzungsrechte angeht: Es existieren keine Einschränkungen, was das Brennen auf CD für den persönlichen Gebrauch oder die Zahl der iPods angeht, auf denen man unterwegs seine Musik hören möchte“, sagte Apple-Chef Steve Jobs zum Start des neuen Angebots, mit dem er das legale Geschäft mit Musik-Downloads revolutionieren will. „Kunden möchten nicht als Kriminelle behandelt werden, und die Künstler möchten nicht um die Früchte ihrer Arbeit betrogen werden. Der iTunes Music Store bietet eine Lösung für beide.“ Die gleichzeitig mit dem Music Store vorgestellte Weiterentwicklung des Abspielgeräts bietet inzwischen bei verringerten Außenmaßen eine erhöhte Speicherkapazität von nun 30 GB. Um diesen iPod legal mit Musik zu füllen, müssten Fans 7425 Dollar für die Dateien hinblättern. Diese sind im iTunes Music Store im Format AAC (Advanced Audio Coding, 128 kb/sec) hinterlegt – eine Entwicklung von Dolby, die im Gegensatz zu MP3-Files ein zuverlässiges Digital Rights Management System zulässt. Zudem verfügt AAC über eine bessere Tonqualität. Erwähnenswert ist auch noch, dass bisherige Nutzer der iTunes-Software, die in ihren derzeitigen Entwicklungsstufen noch mit dem MP3-Format operierte, beim kostenlosen Upgrade auf iTunes 4 auch die Möglichkeit erhalten, ihre Songfile-Datenbank ins AAC-Format umzuwandeln. Somit bleibt die digitale Plattensammlung auch künftig verfügbar. Zugang zur schönen neuen Mac-Musik-Welt erhalten Nutzer über die Software iTunes 4, die auf der Apple-Website kostenlos heruntergeladen werden kann. Mit einem weltweiten Marktanteil von drei Prozent dürfte Apples Zielgruppe jedoch vorerst stark begrenzt sein. Dies war nach Ansicht von Insidern auch der Grund, warum Steve Jobs grünes Licht von den Majors bekommen hat. Allerdings soll es voraussichtlich bis Jahresende auch eine Version für Microsoft-Systeme geben. Im Rahmen der Präsentation, die bezeichnender Weise eröffnet wurde mit David Bowies „Changes“, äußerten Vertreter der Mitbewerber jedoch schon erste Kritik. Die Chefs von MusicNet und pressplay, Alan McGlade und Michael Bebel, fanden nichts revolutionäres am iTunes Music Store. Vergleichbare Angebote gäbe es bereits – mit zum Teil größerer Repertoire-Auswahl. Dennoch gilt Apples Vorstoß ins digitale Musikvertriebsgeschäft als richtungsweisend. CEO Steve Jobs hatte in der Vergangenheit immer wieder Maßstäbe in der Computerwelt gesetzt; nicht viel weniger erwartet nun die Musikindustrie von ihm. Der Umsatz von Apple ging zwar in den Jahren zwischen 2000 und 2002 von acht auf 5,7 Milliarden Dollar zurück, in der gleichen Zeit erhöhten die Kalifornier indes ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 380 auf nun 446 Millionen Dollar. Ein Teil dieser Investitionen floß ein Jahr lang auch in den Aufbau des iTunes Music Store. Bei der Präsentation des Systems verwies Jobs erneut auf die umstrittene Apple-Kampagne „Rip.Mix.Burn“, die anfangs den Zorn der Musikbranche herauf beschwor. Eigentlich bedeute der Slogan „Kaufen.Verwalten.Anhören“, so Jobs. „Das ist nicht Stehlen. Das ist gutes Karma.“

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