Der Entschluss der EMI Group, ab Mai auf den Einsatz von DRM beim Downloadverkauf zu verzichten, gilt als revolutionär. Doch solange die Briten der einzige Major bleiben, der sich den Realitäten des Marktes stellt, erwarten Experten keine großen Auswirkungen auf das Digitalgeschäft.
Der Ankündigung von EMI sei keine große Bedeutung beizumessen, „solange die anderen drei Majors nicht auch eher früher als später nachziehen“, sagte Analystin Susan Kevorkian von IDC. Vielmehr werde es bei den Konsumenten für noch mehr Unklarheit bezüglich DRM sorgen, wenn in Downloadshops nur Musik eines Majors ohne Kopierschutz verkauft wird. Allerdings sei die am 2. April vorgestellte Kooperation ein wichtiger Schritt für Apple, um sich gegen die Verbraucherschützer in Europa zur Wehr zu setzen, denen die lückenlose Verbindung von iTunes und iPod ein Dorn im Auge ist.
Ob Universal Music, Sony BMG und Warner Music es EMI so bald gleichtun werden, ist fraglich. Besonders bei Warner und Universal war das Bekenntnis zu DRM zuletzt besonders stark ausgeprägt. Offiziell gibt es bislang keine Stellungnahmen zum DRM-Stopp bei EMI. Branchenintern ist es aber kein Geheimnis, dass die Entscheider bei den anderen Majors wenig erfreut über den Alleingang der Briten sind. EMI springe unbedacht ins kalte Wasser, noch fehlten genügend Marktforschungsergebnisse, die eine endgültige Abkehr von den digitalen Kopiersperren rechtfertige.
Doch das will CEO Eric Nicoli nicht gelten lassen: Man habe bei internen Tests herausgefunden, dass die Kunden vor die Wahl gestellt die DRM-freien MP3s im Verhältnis zehn zu eins gegenüber den geschützten Formaten bevorzugen. Von einem Vorteil, den man der Onlinepiraterie einräume, könne nicht die Rede sein, so Nicoli: „Wir vertreten die Ansicht, dass man seinen Kunden vertrauen muss.“
Auch Barney Wragg, Head of Digital bei EMI, hält die konservative Haltung der Konkurrenz für falsch: Die von einigen befürchtete Kannibalisierung der Verkäufe werde durch den Verzicht auf DRM nicht eintreten. „Es geht hier um mehr Geschäftsmöglichkeiten. Wir erwarten, dass der Markt dadurch erheblich wachsen wird.“
Wachsen soll auch der DRM-freie Katalog bei iTunes. Apple-Chef Steve Jobs rechnet damit, dass bis Ende des Jahres die Hälfte des iTunes-Sortiments ohne DRM verfügbar sein wird. Bei den derzeit rund fünf Millionen Tracks im Downloadshop wären das 2,5 Millionen Songs. Das heißt also, dass nicht nur die Independentlabels, die aller Voraussicht nach als nächstes DRM-freie Musik an iTunes liefern werden, dem EMI-Beispiel folgen müssen. Apple verhandle mit allen Plattenfirmen, sagte Jobs am 2. April und hofft darauf, dass sich keine Firma die 30 Cent mehr pro Titel entgehen lassen wird.
Nicht bekannt ist derzeit jedoch, wie viel von diesem Aufpreis bei EMI beziehungsweise bei Apple landet. Insidern zufolge hat Apple den Briten einen Vorschuss in Höhe von fünf Millionen Dollar für den Verzicht auf DRM bezahlt. Andere Downloadhändler wie eMusic oder Wippit hatten in der Vergangenheit angeblich wegen zu hoher Vorschussforderungen von EMI auf eine DRM-freie Kooperation verzichtet. eMusic-CEO David Pakman wird sich aber wohl nicht mehr lange verwehren, wenn er jetzt schon prophezeit: „Das durchbricht die Blockade. Dies ist der Anfang vom Ende für DRM im Musikgeschäft.“







