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Amsterdam Dance Event: Miller kritisiert den Handel

Anders als in den vergangenen Jahren, als die Teilnehmerzahl beim Treff der Dance-Industrie beständig wuchs, blieb die Zahl in diesem Jahr konstant. Dennoch werten die Veranstalter den Kongress, bei dem eine Keynote von Mute-Chef Daniel Miller für Aufsehen sorgte, als Erfolg.

“Wenn man in Zeiten wie diesen die Teilnehmerzahl auf dem gleichen hohen Niveau halten kann, darf man das schon als Erfolg bezeichnen“, sagt Richard Zijlma, Managing Director des Amsterdam Dance Event (ADE), im Gespräch mit musikwoche.de. Wie im vergangenen Jahr kamen über 1300 professionelle Besucher vor allem am Freitag, dem zweiten Messetag, ins Gebäude Felix Meritis an der Kaisergracht. Diese erlebten gleich zum ADE-Auftakt am 17. Oktober eine polarisierende Keynote von Mute-Chef Daniel Miller, der sich mit kritischen Anmerkungen zur Lage der Dance-Szene nicht zurückhielt: „Die Entwicklung ist an einem Punkt angelangt, an dem sich die Leute entschieden haben, dass sie etwas anderes wollen. Sie sind den Raves entwachsen, die Club-Szene verändert sich, und die Fans werden sich anderen Musikstilen zuwenden.“

Diese Entwicklung bekräftigte auch die Live Dance Music Conference, die die ADE-Veranstalter – die holländische Rechteverwertungsgesellschaft Buma/Stemra und die Förderorganisation Conamus – als Messe in der Messe erstmals stattfinden ließen. Europaweit sinken die Zahlen der Club-Besucher, so der Tenor bei Teilnehmern des Live-Kongress. Aber die veränderte Marktlage sei auch auf andere Faktoren zurückzuführen, wie Miller meinte: „Mit schlechtem Service und Angeboten wie ‚Kaufe drei, bezahle zwei‘ töten Plattenläden die Musikindustrie schneller als alles andere.“ Die Industrie selber sei „gelähmt vor Furcht“ und würde zu viel Energie darauf vergeuden, die Leute am kostenlosen Downloaden zu hindern als sie vom Wert der Musik zu überzeugen. „In drei Jahren ist die CD tot“, prognostizierte er.

Dessen ungeachtet traf sich die deutsche Dance-Szene beinahe vollständig wieder in Amsterdam und zog ein positives Fazit: „Man kennt jeden, das ist beinahe wie eine große Familie“, erklärte Julia Hendewerk, Head of Marketing Zeitgeist Polydor. Andy Bork, Senior Manager International Exploitation/A&R Superstar Recordings, ergänzt: „Ich kenne viele, die nicht zur Popkomm. gegangen sind, die aber nach Amsterdam kommen, weil sie hier ihre Partner aus aller Welt treffen. Ein weiterer Vorteil des ADE liegt darin, dass hier keine abschreckenden Stände künstliche Barrieren zwischen den Leuten aufbauen.“ Ein Wort des Lobes fand auch Kontor-Chef Jens Thele für die Panels: „Die Runden sind hier viel engagierter und spezifischer als auf der Popkomm.“ Beim abendlichen Club-Programm setzten unter anderen die Sets von Louie Vega, Arthur Baker, Cassius und Mark V. die Glanzlichter.

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