Recorded & Publishing

30 Jahre Saturn in Köln

Der Kölner Saturn Music Dome gilt als Legende in Sachen Auswahl und Preisgestaltung. Helga Meyer leitet dort seit 28 Jahren den Einkauf. musikwoche.de sprach mit der Chefin vom Hansaring.

“Die Größten“. „Die Billigsten“. „Die Besten“. Mancher Anspruch, den die Mannschaft des Saturn Music Dome am Kölner Hansaring an ihren Laden stellt, musste in den 30 Jahren seines Bestehens erst offiziell bewiesen werden, um von Mitbewerbern geduldet oder gar akzeptiert zu werden. Dabei spricht der beinahe legendäre Ruf des Kölner Tonträgerhauses Bände. Im Gespräch mit Helga Meyer, Geschäftsführerin des Saturn Music Dome, wird schnell klar: Ein umfassendes Angebot zu günstigen Preisen zu führen, ist kein Marketinggewäsch, sondern ein ernsthaftes Anliegen. Es geht laut Helga Meyer immerhin nicht um irgendein Produkt, sondern um Musik, und die bedürfe – samt ihrer Hörer – einer besonderen Behandlung.

Kunden, die heute die übersichtlich gestalteten 4000 Quadratmeter des Musikmekkas am Rhein betreten, dürften Probleme haben, sich vorzustellen, dass die Geschichte der ersten Saturn-Tonträgerabteilung vor 30 Jahren auf ganzen 80 Quadratmetern begann. Saturn-Gründer Friedrich-Wilhelm Waffenschmidt hatte die Idee, ergänzend zum HiFi-Angebot auch Platten anzubieten. Die Neuerung wurde ziemlich schnell angenommen, und Waffenschmidt trieb seine Vision eines quantitativ wie qualitativ unschlagbaren Sortiments energisch voran. Schon bald wurde er unterstützt von den langjährigen Weggefährten Harald Pauly, der im April dieses Jahres verstarb, und Helga Meyer, die noch heute für den Einkauf verantwortlich zeichnet. 1983 verkaufte Waffenschmidt Saturn an den Metro-Konzern, doch nach wie vor ist es der Anspruch des Kölner Teams, jeden lieferbaren Artikel vorrätig zu haben, und noch heute gilt die „Preisgarantie“: Der Kunde erhält das zu viel gezahlte Geld zurück, falls er den gleichen Artikel innerhalb von 14 Tagen an anderer Stelle günstiger finden sollte.

Die kompromisslose Orientierung am untersten Marktpreisniveau sichert dem Unternehmen die Treue der Kunden trotz immer stärker werdender Konkurrenz im lokalen Umfeld. Doch die Krise der Musikindustrie wie auch die Kaufzurückhaltung der Kundschaft geht auch am Branchenriesen nicht spurlos vorbei. Konnten die Kölner für das vergangene Geschäftsjahr noch ein Ergebnis auf Vorjahresniveau bilanzieren, zeichnet sich für das laufende Jahr ein Umsatzrückgang von fünf Prozent ab. Große Hoffnung setzt Helga Meyer auf die DVD-Abteilung, die am 22. August 2002 neu eröffnet wurde. Unterteilt in die Bereiche DVD-Musik und DVD-Film nimmt sie mit 1000 Quadratmetern ein Viertel der Gesamtfläche ein. Auch hier betont Meyer den Anspruch der „größten Auswahl der Welt“. Und der Erfolg scheint ihr Recht zu geben: Der fünfzigprozentige Umsatzzuwachs seit der Neueröffnung könnte möglicherweise sogar das prognostizierte Minus ausgleichen. Nach dem Weg aus der Krise gefragt, ist die Antwort für Meyer klar: „Das Geheimnis liegt im Preis.“ 19 Euro für eine Pop-CD seien Wahnsinn, zu sehr belasteten andere Kostenfaktoren die Taschen speziell der jungen Kunden.

Handy, Freizeit und letztlich auch die Möglichkeit des Kopierens machten sich an den Kassen unerbittlich bemerkbar. Dabei gehe der Absatz fast jeden Artikels steil nach oben, sobald der Preis reduziert werde. Das gelte auch für vermeintliche Selbstläufer wie das neue Grönemeyer-Album. Saturn bot die CD zur VÖ für 12,99 Euro an, und bereits am ersten Tag gingen über tausend Stück über die Theke, wie Meyer zufrieden konstatiert. Als „besten Tag meines Lebens“ bezeichnet die Chefeinkäuferin einen langen Samstag im Jahr 1997, an dem ein Sonderverkauf zum 25. Firmenjubiläum stattfand. Sämtliche Artikel waren um 25 Prozent herabgesetzt, das Haus machte an einem Tag eine Million Mark Umsatz. Dagegen verblasse selbst der 1999 verliehene Echo als Handelspartner des Jahres, der jedoch „eine tolle Anerkennung“ für sie und ihre 80 Mitarbeiter bedeutet habe. „Das Wichtigste aber ist, dass wir einen Plattenladen haben, der von den Kunden angenommen wird“, stellt Helga Meyer klar.