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Tickets for Good bringt besonderes Charity-Modell nach Deutschland

Die britische Plattform Tickets for Good startet in Deutschland: Ungenutzte Tickets aus der Livebranche sollen strukturiert an Menschen in systemrelevanten Berufen verteilt werden. Den Auftakt markierte ein kuratiertes Netzwerkevent in Berlin.

Tickets for Good, eine ursprünglich in Großbritannien entwickelte Plattform, hat ihren Markteintritt in Deutschland eingeleitet. Das Modell basiert auf einer strukturellen Beobachtung: In der Livebranche existieren nicht vollständig ausgeschöpfte Ticketkontingente, während zugleich Millionen von Menschen in systemrelevanten Berufen kaum Zugang zu Konzerten oder Live-Events haben. Die Plattform will diese beiden Seiten zusammenbringen, ohne in den Primärmarkt einzugreifen. Promoter und Rechteinhaber könnten Tickets so kontrolliert distribuieren, dass weder Preisstruktur noch Markenpositionierung beeinträchtigt werden, lautet das Versprechen.

Initiiert und vorangetrieben wird der Start in Deutschland vom Duo Axel und Boris, das hierzulande als Founding Partners DACH der Plattform auftritt. Den Anspruch formulieren die Verantwortlichen deutlich: „Tickets for Good ist kein Discount-Modell, sondern ein zusätzlicher Distributionskanal für die Live-Industrie.“ Für Promoter und Veranstalter sei es „ein risikofreier Weg, ungenutzte Kontingente sinnvoll einzusetzen“. Die Zielgruppen, die über diesen Kanal erreicht werden sollen, gelten laut den Verantwortlichen in der Branche bislang als strukturell unterversorgt.

Pre-Launch im Badehaus Berlin

Am 28. April 2026 begleitete das Unternehmen den Deutschlandstart mit einem Netzwerkevent im Badehaus Berlin auf dem RAW-Gelände. Zu den Gästen zählten Vertreterinnen und Vertreter aus dem Gesundheits- und Sozialbereich, darunter Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen und Die Arche sowie von der Charité Berlin und dem Unfallkrankenhaus Berlin. Ergänzt wurde die Runde durch Gäste aus Politik und Wirtschaft, unter anderem vom Deutschen Bundestag und der IHK, sowie Vertreter aus der Live-Industrie wie AXS und Live Nation. Auch internationale Akteure der Musikbranche waren anwesend, darunter Personen aus dem Umfeld von Universal Music sowie die Berliner Szenegrößen Mark Reeder und DJ Craft. Alex Deadman, Head of Communications UK, ordnete den Auftakt mit einem kurzen Statement in den internationalen Kontext der Plattform ein.

Musikalisch gestalteten Myller und Josh Savage den Abend, den Abschluss bildete der Londoner DJ und New-Wave-Veteran Rusty Egan.

Kommerzielle Logik und gesellschaftlicher Nutzen

Die Verantwortlichen betonen, dass das Modell nur funktioniere, weil es wirtschaftlich sinnvoll ist: „Social Impact funktioniert bei uns, weil er mit klarer kommerzieller Logik für die Branche zusammengeht.“ Das Modell schaffe „zusätzliche Reichweite, ohne bestehende Ticketpreise oder Märkte zu kannibalisieren“. Für Unternehmen biete es darüber hinaus die Möglichkeit, CSR- und ESG-Ziele mit konkretem Zugang zu Live-Erlebnissen zu verbinden, nicht als klassische Spende, sondern als integrierten Teil der Wertschöpfungskette. Bestehende Assets könnten so sinnvoll eingesetzt werden, während zugleich messbarer Impact entsteht. Gerade für Arbeitgeber im Gesundheits- und Sozialbereich ergebe sich daraus ein zusätzlicher Benefit: Zugang zu Live-Erlebnissen als Form der Wertschätzung und Mitarbeiterbindung.

Internationale Zahlen, vorsichtiger Aufbau

Weltweit zählt die Plattform nach eigenen Angaben über 650.000 verifizierte Mitglieder und hat bislang bereits mehr als 1,2 Millionen Tickets in Großbritannien und den USA vergeben. Parallel zum deutschen Markt wird Tickets For Good aktuell auch in den Niederlanden aufgebaut. Zu den Partnern gehören laut Unternehmensangaben Künstler wie Robbie Williams und Yungblud. Das Modell stoße dabei sowohl auf Seiten der Künstler:innen als auch bei Promotern auf Unterstützung, was die Verantwortlichen als Beleg für die kommerzielle Tragfähigkeit des Ansatzes werten.

In Deutschland will man bewusst langsam vorgehen: „Deutschland bauen wir partnerschaftlich und kuratiert auf, Qualität vor schneller Skalierung“, heißt es seitens der Verantwortlichen. Erste Gespräche wurden bereits mit einer Reihe von Partnern geführt, darunter Festivals wie World Club Dome und das Open Beatz Festival, Venues wie das Bootshaus Köln sowie Organisationen wie Viva con Agua und die Diakonie Nord-Ost. Auch mit Sportvereinen wie dem 1. FC Union Berlin oder den BR Volleys stehe man in Kontakt. Parallel laufen nach Unternehmensangaben erste Gespräche mit Ambassadors aus dem Sport- und Musikbereich in Deutschland.

Am 28. Mai, dem Tag des offiziellen Launches der Initiative in Deutschland, wird Philip Slade, Head of Brand Strategy von Tickets for Good UK, auf der Wise Conference in den Nordic Embassies Berlin an einem Panel zum Thema „Live Events & Culture as Medicine“ teilnehmen, gemeinsam mit Arndt Scheffler, Managing Director von AXS Germany. Tickets for Good und AXS befinden sich derzeit in Gesprächen über eine mögliche Ausweitung ihrer bestehenden Zusammenarbeit auf Deutschland.

Am Abend des 28. Mai wird der offizielle Markteintritt dann im Rahmen einer Reception bei der Berliner WISE-Konferenz gefeiert.