Die c/o pop sei „ein Leuchtturm für Köln“, sagte Bürgermeisterin Henriette Reker am Abend des 29. April 2023 bei ihrem Auftritt im Rahmen der Jubiläumsgala im Ausweichquartier des Schauspiel Köln im Stadtteil Mülheim. Deshalb unterstütze die Stadt den Branchentreff seit Jahren finanziell, „und ich gehe davon aus, dass das auch in den kommenden Jahren so bleibt“.
Mona Neubaur, Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, legte wenig später von der Landesebene ein beinahe staatstragendes Lob nach: „Ihr könnt alle sehr stolz sein auf dass, was ihr hier reißt“, sagte sie, gewandt an Norbert Oberhaus, Ralph Christoph und Elke Kuhlen vom Team der c/o pop.
„Ihr könnt alle sehr stolz sein auf dass, was ihr hier reißt.“ Mona Neubaur, Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen.
Dass die beiden Politikerinnen mit ihrer Einschätzung nicht alleine stehen, hatte sich bereits zuvor ganz eindrucksvoll gezeigt: Als Norbert Oberhaus nämlich zu Beginn des Abends erstmals die Bühne betrat, erhoben sich die Gäste der Gala spontan zu Standing Ovations – ein echter und durchaus auch bewegender Moment, der so ansonsten nur bei solide auf den Award fürs Lebenswerk als finalem Höhepunkt hin durch-choreographierten Preisverleihungen gelingt. Respekt.
„Es fühlt sich einfach großartig an“, sagt Norbert Oberhaus denn auch weniger später, als er zunächst Henriette Reker und Mona Neubaur begrüßte, sowie dem Schauspiel Köln und dessen 2024 Richtung Burgtheater Wien scheidenden Intendant Stefan Bachmann für die Möglichkeit dankte, die Gala in dessen Hallen spielen zu dürfen. „Wir sind damals auf eine Reise gegangen, auf eine Wanderung“, erinnerte Oberhaus an die Anfangstage des Branchentreffs. „Und heute stehen wir auf einem Plateau auf dem Pop-Berg.“ Auch wenn es zwischendurch mal mühevoll gewesen sei, so sei er nun doch glücklich und durchaus zufrieden. Oberhaus dankte den Wegbegleiter:innen, die vor 20 Jahren den Mut hatten, die c/o pop mit aus der Taufe zu heben, Mitarbeitenden, die Tag und Nacht und in den ersten Jahren teils für wenig Geld gearbeitet hätten, dem Team, das parallel zum Festakt beim Festival in Ehrenfeld arbeite, aber auch all den Institutionen auf regionaler Ebene, beim Land und beim Bund, die diese Reise der c/o pop durch ihre Unterstützung erst ermöglicht hätten, aber auch mehr als 2500 Musiker:innen und Speaker:innen: „Einfach nur Dankeschön.“
Um in 20 Jahren den 40. der c/o pop feiern zu können, müsse sich das Team die Lernfähigkeit und Bereitschaft bewahren, immer wieder Neues auszuprobieren und Trends aufzugreifen. „Daneben wünsche ich mir, dass all unsere Partner:innen uns auch weiterhin wohl gesonnen bleiben“, wenn es darum gehe, die Popkultur neben der Hochkultur sichtbar zu halten: „Denn das geht bei einem Festival wie unserem nicht ohne Förderung.“
„Heute wissen wir, die c/o pop ist unentbehrlich. Daran wird sich auch in den kommenden 20 Jahren nichts ändern.“ Claudia Roth, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Dagegen fiel das wohlwollende, aber doch vergleichsweise steifere Grußwort, das Claudia Roth digital nach Köln sandte, etwas ab. Immerhin deutete die von Moderator Tarik Tesfu als „Beyonce der Grünen“ angekündigte Kulturstaatsministerin an, dass der Branchentreff wohl auch aus ihrer Richtung weiterhin mit Unterstützung rechnen darf, denn: „Heute wissen wir, die c/o pop ist unentbehrlich. Daran wird sich auch in den kommenden 20 Jahren nichts ändern“, ließ Roth wissen.
Noch exklusiver als der Besuch im gut gefüllten Depot 2 im Schauspiel Köln fiel zuvor bereits das Warm-up aus: Schließlich hatte Bürgermeisterin Henriette Reker bereits am späteren Nachmittag zu einer Zeremonie ins Historische Rathaus geladen. Dort, im eindrucksvollen Hansasaal, durfte sich Norbert Oberhaus im Angesicht der Stadtheiligen – beziehungsweise der neun guten Helden der drei Weltzeitalter – und im Namen der c/o pop ins Goldene Buch der Stadt Köln eintragen. Auch fielen hier im kleineren Rahmen die Lobreden ein bisschen ausführlicher aus: Die c/o pop sei aus dem deutschen und auch aus dem internationalen Pop-Geschehen nicht mehr wegzudenken, formulierte Henriette Reker zum Beispiel, die zwischendurch zudem ausplauderte, einst in Diensten der EMI „Platten gepackt“ zu haben. Der Erfolg der c/o pop zeige zudem, dass Köln „nicht nur eine Weltstadt, sondern auch eine Musikstadt“ sei. Deshalb freue sie sich jedes Jahr neu „über dieses besondere Event in unserem Kalender“. Schließlich habe die c/o pop schon stattgefunden, bevor die Stadt Köln über Kulturförderung in Sachen Pop überhaupt nachgedacht habe.
Norbert Oberhaus gab den Dank zurück: Man habe sich in Köln stets sehr wertgeschätzt gefühlt, sagte er, um dann auch Ralph Christoph und Elke Kuhlen für die Bekanntgabe einer echten Nachricht ins Boot zu holen: „Wir können heute verkünden, dass das Festival zum allerersten Mal ausverkauft ist – und erneut auch die Convention“, berichtete Oberhaus im Namen der Dreier-Spitze. Elke Kuhlen ergänzte, dass man sehr glücklich mit dem Erreichten sei und eine hoffentlich noch ganz lange weitere Reise vor sich habe, und „was wir gemacht haben, war so wahrscheinlich nur in dieser Stadt möglich“, schloss Ralph Christoph, kurz bevor schließlich die knapp verspätete Mona Neubaur den Hansasaal enterte.
Es sei nicht einfach für Köln gewesen, als die Popkomm die Stadt dereinst verlassen habe, erinnerte die NRW-Wirtschaftsministerin. „Doch die c/o pop hat es geschafft, dass Popkultur weiter in Köln stattfindet“, erneut nun auch nach der Pandemie. Das sei ein wichtiges Signal und ein Beleg dafür, welche Rolle die Popkultur gesellschaftlich spiele und welchen ökonomischen Wert sie zudem schaffe. Die Ministerin, die sich selbst als eher dem Punk zugewandt bezeichnete, zitierte passend zum wirtschaftlichen Aspekt noch Mando Diao – „wer keine guten Songs schreibt, braucht auch keine Business-Pläne“ – und wünschte dann „alles Gute für die nächsten 200 Jahre“.





