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Routing-Tool tourdarts nimmt Betrieb auf

Tourdarts, ein Routing-Tool von einem gleichnamigen Berliner Start-up, ist nach einem Beta-Jahr für alle Bookingagenturen verfügbar. 2025 hatte das Berliner Start-up, das die Plattform entwickelt hatte, damit den Startup-Award beim Reeperbahn Festival gewonnen.

Nun hat Start-up-Gründer Paul Ramisch im Rahmen des Reeperbahn Festivals 2026 tourdarts offiziell gelauncht. Das Tool soll Booker:innen helfen, eine Tour zu bauen. Es sammelt Termine und Optionen an einem Ort und schlägt per Algorithmus in rund einer Minute eine möglichst kurze Route vor. In dem Testjahr haben Unternehmen wie All Artists Agency und Decibel Booking das Werkzeug bereits genutzt.

„Wer eine Tour mit zehn Shows bucht, fragt oft bei 20 und mehr Veranstaltern an und sammelt über 200 Termine. Die landen meist in einer Excel-Tabelle, zwischen Mailverläufen, Landkarte und zweiten Optionen, wobei unklar ist, ob sie noch frei werden. Schon zehn Städte lassen sich auf über 3,6 Millionen Arten aneinanderreihen, bei 15 Städten sind es 1,3 Billionen“, informiert tourdarts.

„Bookerinnen leisten bei diesem Routing-Tetris großartige Arbeit, aber mit Excel kann das niemand durchrechnen“, sagt Ramisch. „Genau darin sind Computer gut. Was sie dagegen nicht wissen: welche Stadt für eine Band wichtig ist oder wo sich ein Umweg lohnt. tourdarts nimmt die Fleißarbeit ab, damit wieder mehr Zeit für die Künstlerinnen bleibt“, erläutert Ramisch.

tourdarts besteht aus drei Teilen, die ineinandergreifen: Beim Projektmanagement liegen Spielstätten, Verfügbarkeiten, Optionen und der Stand jeder Anfrage an einem Ort. Anfrage- und Bestätigungsmails entstehen aus Vorlagen, eine KI liest die Termine aus den Antworten der Veranstalter aus. Ein möglicherweise fehlerbehaftetes Abtippen in Excel entfalle. Dann lassen sich beim Routing-Editor Touren per Drag-and-drop bauen, wobei Distanzen, Fahrzeiten, Feiertage, Schulferien und Sportevents im Blick blieben. Ein Algorithmus berücksichtigt Verfügbarkeiten, bevorzugte Wochentage, Gebietsschutz, Off-Days, Hochverlegungs-Optionen und andere Variablen. „Ein Klick auf ‚Tour werfen‘, und nach rund einer Minute steht ein Vorschlag. Den Feinschliff machen weiterhin die Booker:innen“, so Ramisch weiter.

Dazu verschickt tourdarts Verfügbarkeiten direkt an internationale Agent:innen und exportiert fertige Routings, etwa als Ticketing-Tabelle der Agentur im Excel-Format. Laut eigenen Angaben haben Bookingagenturen im Beta-Jahr rund 250 Touren mit tourdarts organisiert. Knapp zwei Drittel davon wurden mit dem Algorithmus geroutet. Die übrigen nutzten vor allem das Avail-Management, etwa um Termine für internationale Touren zu sammeln und an Agent:innen im Ausland weiterzugeben.

Will die Tourneeplanung erleichtern: die Plattform tourdarts.

„Wie viel der Algorithmus bringt, zeigt ein Test mit zwölf realen, von Hand gerouteten Touren: Der Algorithmus hat für jede Tour mit denselben Avails ein eigenes Routing berechnet. Diese Routen waren im Schnitt ein Drittel kürzer“, rechnet Ramisch vor. Pro Tour würden Booker:innen im Schnitt fünf Stunden Arbeit sparen, zudem wäre eine durchschnittliche Van-Tour mit zehn Shows um rund 1400 Kilometer kürzer. „Das sind etwa 300 Euro weniger Diesel und rund 400 Kilogramm weniger CO₂, beim Nightliner rund 1000 Euro und 1,4 Tonnen.“

Hochgerechnet ergebe das über das bisherige Beta-Jahr mehr als 220.000 eingesparte Kilometer, rund 65 Tonnen CO₂ und über 1000 Stunden Büroarbeit. Und viele tausend Stunden, die Bands und Crews nicht im Van gesessen haben. „Wir arbeiten viel schneller, sparen bei der Routenplanung Stunden, manchmal Tage. Außerdem passieren deutlich weniger Fehler“, sagt Markus Grosse, Geschäftsführer der All Artists Agency. „Und die Routen sind besser: Eine Nightliner-Firma hat mich angerufen, um sich für das gute Routing zu bedanken. Das ist mir in 20 Jahren in der Branche noch nicht passiert.“

Das Tool funktioniere für Touren weltweit und lasse sich auf Deutsch und Englisch nutzen. Bisher arbeiten vor allem Agenturen aus Deutschland damit, nach dem Launch will Ramisch nun Agenturen in ganz Europa gewinnen. Der Preis richtet sich nach der Zahl der Touren einer Agentur im Vorjahr: neun Euro netto pro Tour und Monat, mit beliebig vielen Nutzer:innen. Bei zehn Touren im Jahr wären das 90 Euro im Monat.