Ihre erste EP trägt denselben Namen wie Ihre Single „Soft Skin“. Inwiefern steht dieser Titel für Ihre künstlerische Entwicklung über die letzten Jahre?
„Soft Skin“ (der Song) entstand in meiner ersten Zeit in Berlin. Eine große, doch sehr graue Stadt, gerade Winter, neue Bekanntschaften, sich denen immer wieder vorzustellen: „Was mache ich? Woher komme ich?“. Der Song hat sich sehr schnell nach einem neuen Kapitel angefühlt. „Kids are mean, so are men with guitars in their hands. Make me wish to be like them.“
Nachdem ich den Song geschrieben hatte, war ich bei einer Open Mic Session und spielte diese Skizze in einem Raum voller Männer. Die Zeile kam und der Raum schmunzelte. Dieser Moment war sehr besonders für mich. Es ist ein schönes Gefühl, wenn Kritik und Witz im selben Moment verstanden werden. Diese Zeile und der damit fortgeführte Gedanke wurde zum Namen des Projekts. Ich glaube, die künstlerische Entwicklung von Jo The Man The Music hat damit erst begonnen.
„Es ist ein schönes Gefühl, wenn Kritik und Witz im selben Moment verstanden werden.“
Sie kommen aus Graz, haben sich aber 2024 entschieden, für die Musik nach Berlin zu ziehen. Wie unterschiedlich haben Sie die österreichische und deutsche Musikbranche bislang erlebt?
Meine ganze Musik bisher entstand und entsteht weiterhin sogar in Wien! Trotzdem war es für mich wichtig, aus diesem gewohnten Umfeld auszubrechen. Ich bin großer Fan des Ungewissen. Diese erste Zeit in Berlin war unglaublich spannend, in eine mir bislang noch unbekannte Stadt und in eine mir bislang noch unbekannte Branche einzutauchen. Der Freiraum, die leeren Tage im Kalender, die vielen neuen darauffolgenden Begegnungen, Geschichten und Erzählungen von Menschen, die das schon weitaus länger machen.
Diese Offenheit und den Austausch habe ich sehr schätzen gelernt an Berlin. Später formte sich aus genau diesem Austausch eine zweite Band. An Berlin liebe ich die vielen Konzerte, Veranstaltungen, es ist so viel los. An Wien liebe ich dagegen das deutlich kleinere Umfeld, den musikalischen Mut vieler Projekte und die Vertrautheit, die damit einhergeht. Für mich liegt genau in dieser Balance zwischen Vertrautheit und Ungewissheit der Reiz beider Städte.
Das Reeperbahn Festival gilt als internationales Schaufenster für neue Musik. Was bedeutet es Ihnen, dort aufzutreten?
Sehr viel! Es freut mich jedes Mal, den eigenen Namen in einem Line-up zwischen so vielen Acts zu sehen, die ich selbst unglaublich spannend finde. Das ist eine schöne Bestätigung als neuer Act. Vor zwei Jahren war ich zum ersten Mal als Gast auf dem Reeperbahn Festival. Ich bin von Konzert zu Konzert gezogen und dachte mir irgendwann spät in der Nacht: „Musik ist eines der schönsten Dinge dieser Welt.“ Genau dieses Gefühl wünsche ich mir, wenn ich im September selbst auf einer der Bühnen stehen darf.
Ihr Sound wird als „Bedroom Rock ohne Allüren“ beschrieben. Wie planen Sie, diese Unmittelbarkeit auf der Festivalbühne rüberzubringen?
Kann man Unmittelbarkeit planen? Für mich bedeutet das Ehrlichkeit und Offenheit – in den Texten genauso wie in meinem Auftreten auf der Bühne. Zu einem Konzert gehören bekanntlich immer mindestens zwei Seiten. Ich versuche, mich zu öffnen, bevor ich auf die Bühne gehe. Genauso essenziell ist aber die Offenheit des Publikums. Die letzten Zeilen meines Sets lauten: „Don’t you think I could be your man, when I could be anything I want?“ Im besten Fall singen alle mit.
Dieser Moment fühlt sich an wie etwas, das man nicht erzwingen kann, sondern nur gemeinsam entsteht. Ich wünsche mir, dass die Menschen den Raum mit einer möglichst ehrlichen Version ihrer selbst betreten. Dass sie sich in den Texten und der Musik aufgefangen, verstanden und vielleicht aber auch ein bisschen herausgefordert fühlen – und am Ende dann doch etwas schmunzeln.
Jo The Man The Music spielt live beim Reeperbahn Festival am Samstag, dem 19. September 2026. Hier vorab reinhören:






