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halle02 feiert Geburtstag und zieht Bilanz

Am 25. April 2026 hat die halle02 ihren 24. Geburtstag gefeiert. Eine aktuelle Gemeinwohlbilanz will nun aufzeigen, welchen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Beitrag die Heidelberger Spielstätte für die Gesellschaft leistet.

Blickt auf 24 Jahre zurück: die Belegschaft der halle02 bei der Neujahrsfeier 2026. Foto: Joe Pohl

Allein im Jahr 2024 kamen über 150.000 Besucher:innen zu mehr als 300 Veranstaltungen – vom internationalen Konzert über Comedy und Lesungen bis zu Familienformaten und barrierefreien Partyreihen. „Was die halle02 von vielen Veranstaltungshäusern unterscheidet: Sie betreibt ein anspruchsvolles, kuratiertes Programm aus Live-Konzerten, Comedy, Lesungen, Familien- und Szenepartys vollständig eigenwirtschaftlich – ohne institutionelle Förderung, ohne laufende Zuschüsse, ohne Defizitübernahme der öffentlichen Hand. Die wirtschaftlichen Risiken trägt das Unternehmen, die kulturelle Wirkung kommt der Region zugute“, heißt es aus Heidelberg

Wie hoch dieser Beitrag in Geld bemessen ist, lasse sich aus den Branchendaten der aktuellen Clubstudie der Initiative Musik ableiten, denen zufolge Spielstätten durchschnittlich zehn Prozent öffentliche Zuschüsse erhalten. Je nach Typ liegt die Quote zwischen drei Prozent (kleine Musikclubs und Musikbars) und 25 Prozent (soziokulturelle Zentren und Jugendzentren). Die Studie hält dazu ausdrücklich fest, dass „viele Musikspielstätten ohne diese Mittel keine Renditen oder Verluste erwirtschaften“ würden. „Öffentliche Förderung ist in der Branche also nicht die Ausnahme, sondern die strukturelle Voraussetzung dafür, dass Live-Musikkultur überhaupt stattfinden kann“, betont die halle02.

Bei einem Jahresumsatz der halle 02 von fast fünf Millionen Euro entspräche der branchenübliche Zuschussanteil rechnerisch rund 480.000 Euro pro Jahr, die ein vergleichbarer Betrieb im Schnitt! von der öffentlichen Hand erhielte. Über die 24 Jahre des Bestehens summiert sich dieser Wert auf eine Größenordnung von rund elf Millionen Euro, die der öffentlichen Hand nicht in Rechnung gestellt wurden. „Zieht man die 575.000 Euro ab, die von 2005 bis 2017 an institutioneller Förderung an die halle02 geflossen sind ab, stehen immer noch mehr als zehn Millionen Euro zu Buche.“

Das Team um die Geschäftsführer Hannes Seibold und Felix Grädler stellt fest: „Diese Zahl soll nicht als Forderung verstanden werden, sondern lediglich als Einordnung: Eigenfinanzierte Kulturarbeit in dieser Dimension ist in der deutschen Spielstättenlandschaft selten. Was hier ohne Zuschuss funktioniert, wird anderswo strukturell aus Steuergeldern getragen – weder als Kritik, noch als Verdienst, sondern als Tatsache, die zeigt, was eigenwirtschaftliche Kulturarbeit tatsächlich leisten kann.“

„Seit 24 Jahren machen wir Kultur für diese Stadt – aus eigener Kraft. Wenn dabei jedes Jahr über 150.000 Menschen zusammenkommen, dann ist das für uns mehr als ein Geschäft: Es ist unser Beitrag zum kulturellen Leben in Heidelberg.“, formuliert Hallenchef Hannes Seibold.

Die halle02 GmbH erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von rund fünf Millionen Euro. Für das Gemeinwesen ergaben sich daraus im selben Jahr Abgaben in Höhe von rund 324.000 Euro – darunter knapp 88.000 Euro Gewerbesteuer, die direkt in den Heidelberger Stadthaushalt geflossen sind, sowie 228.695 Euro Sozialversicherungsbeiträge. Das Bruttoentgelt der Beschäftigten lag bei über einer Million Euro.

Die halle02 beauftragt zudem ganz überwiegend regionale Dienstleister:innen, Künstler:innen, Techniker:innen und Handwerksbetriebe. Gehälter und Honorare blieben dadurch in der Region und sicherten dort Lohnsteueraufkommen, Sozialabgaben und Konsum. Auch Hotellerie und Gastronomie der Bahnstadt und der angrenzenden Stadtteile würden regelmäßig von Konzertbesuchen tausender auswärtiger Gäste profitieren, so die halle02 weiter.

Auch sei die halle02 eine wichtige Arbeitgeberin in der Region. Im Jahr 2024 waren 197 Mitarbeitende bei der GmbH beschäftigt. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit der Festangestellten liegt bei 7,5 Jahren – „ein Wert, der in der Veranstaltungsbranche heraussticht“.

Zum 1. Januar 2024 hat die halle02 ein transparentes Lohnmodell eingeführt, das einen einheitlichen Basislohn vorsieht und Aufschläge nach sozialen und leistungsbezogenen Kriterien transparent darstellen will. Pflegende Angehörige und Alleinerziehende erhalten zusätzliche finanzielle Anerkennung. Eine im März 2024 gewählte Vertrauensperson sowie eine Kooperation mit dem psychologischen Unterstützungsangebot „Hello We Care“ runden das Personalkonzept ab.

Leiten die halle02 in Heidelberg (von links): Hannes Seibold, Katharina Nick und Felix Grädler. Foto: Niko Neithardt

Für die kommenden Jahrgänge schreibt das Haus aktuell wieder Ausbildungs- und duale Studienplätze sowie ein FSJK aus. Die Kosten für das Deutschlandticket, Lehrmittel und Studiengebühren übernimmt die halle02 vollständig – bewusst über die Vorgaben von IHK und DHBW hinaus.

Die halle02 hat laut eigenen Angaben als einer der ersten Clubs in Baden-Württemberg eine Klimabilanz erstellt (erstmals 2022, Aktualisierung für 2024 nach dem CO₂-Kulturstandard) und legt diese offen. Mit der nun erstmals nach der Gemeinwohl-Matrix erstellten Vollbilanz erreicht die halle02 nun 553 von 1000 möglichen Punkten – „ein Wert, der das hohe Engagement vor allem in den Bereichen Mitarbeitendenkultur, ethische Finanzpartnerschaften und solidarische Geldverwendung widerspiegelt. Die Bilanz benennt zugleich offen, wo das Unternehmen nachschärfen will, etwa bei der systematischen Bewertung von Lieferketten“.

Felix Grädler führt aus: „Was wir an einem Wochenende feiern, hat eine Vorlaufzeit von 24 Jahren. Die halle02 ist nicht einfach ein Veranstaltungsort, sondern Infrastruktur – vergleichbar mit einer Bühne, einer Bibliothek oder einem Sportverein. Sie funktioniert nur, weil viele Menschen über Jahre Verantwortung dafür übernommen haben, dass Kultur in dieser Stadt einen Ort hat. Wir sehen es als unsere Aufgabe, diesen Ort auch für die nächsten Generationen zu sichern – als verlässlichen Partner für Heidelberg, für die Region und für die Menschen, die hier leben.“

Mit Blick auf die kommenden Jahre will die halle02 daran arbeiten, ihre Strukturen weiter zu professionalisieren – darunter der Aufbau eines Beirats, die Weiterentwicklung der Klimabilanz und die Verankerung der Nachhaltigkeitsstrategie in allen Gewerken. Die Beteiligung am größten regionalen örtlichen Konzertveranstalter Delta Konzerte zu Jahresbeginn trotz schwieriger Marktvoraussetzungen unterstreiche das Bekenntnis zum Standort und zur kulturellen Selbstverpflichtung für die Region.