Wer heute vor Hamburgs oder Bremens Clubbühnen steht, erkennt sofort, wie viel Potenzial noch ungenutzt bleibt. Der aktuelle Club-Check von musicHHwomen und RockCity Hamburg hat es gezeigt: Nur 16 Prozent der auftretenden Personen sind weiblich gelesen, nicht einmal ein Prozent als nicht-binäre Personen on stage, 83 Prozent sind männlich* gelesen.
Diese Zahlen entsprechen in etwa den Ergebnissen der Bremer musicHBwomen*-Studie – und geben Anlass, dass wir gemeinsam über 50-Prozent-Quoten für männlich gelesene Acts nachdenken. Wir alle wissen, Musik lebt von Begegnung, Austausch und vielfältigen Ideen und Perspektiven. Wir wollen das und wissen alle: Wenn Vielfalt auf unseren Bühnen nicht vorkommt, geht uns als Szene die Hälfte aller künstlerischen Energie verloren.
In den Clubs und Venues engagieren sich viele Menschen mit sehr großem Herzblut, oft unter schwierigen Bedingungen. Dass dort überwiegend männlich* gelesene Acts auftreten, ist zumeist gar keine Absicht, sondern Folge von finanziellem und zeitlichem Druck, homogenen und gewachsenen Strukturen, in denen bestimmte Netzwerke und Routinen historisch stärker verankert sind als andere. Und genau hier setzt der Club-Check an: Er lädt dazu ein, bewusster hinzuschauen und gemeinsam neue Wege zu gehen.
Die Handlungsempfehlungen des Club-Checks liefern dazu praxisnahe Ansätze – von gendergerechtem Booking, das Vielfalt aktiv mitdenkt, über transparente Förderkriterien und gezielte Nachwuchsprogramme bis zu Mentor:innengangeboten für zum Beispiel Booker, die Vernetzung stärken. Ebenso wichtig sind Sensibilisierung und ein offener Umgang mit Daten zur Geschlechterverteilung – nicht als Kontrolle, sondern als Kompass auf dem Weg zu mehr Ausgewogenheit. Ziel ist, einen Rahmen zu schaffen, in dem künstlerische Qualität und Diversität ganz einfach zusammengehören.
Viele Clubs und Festivals sind bereits auf diesem Weg und haben entdeckt, dass vielfältige Line-ups frische Impulse bringen, ein breites Publikum ansprechen und neue Energien freisetzen. Sie wissen, dass Diversität nicht Einschränkung bedeutet, sondern Erweiterung: ein größerer und neuer Spielraum, neue Gäste, mehr Wir-Gefühl und letztlich höhere Einnahmen. Jede unserer Veranstaltungen kann dazu beitragen, dass unsere Bühnen das widerspiegeln, was unsere Städte längst sind – vielfältig, lebendig und offen.
Der 8. März, Internationaler Frauentag, erinnert uns daran, dass Gleichberechtigung keine Frage von Geschmack oder Quote sein darf, sondern vielmehr eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe ist. Denn wenn alle Akteur:innen – Veranstaltende, Booker:innen, Branche, Förder:innen und Künstler:innen – Verantwortung teilen, gewinnen wir alle: an Qualität, Relevanz, Money und Zukunftskraft. 50:50 stärkt unsere Szene – nur so geht die Rechnung auf!






