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Dossier: Tempel der unvergesslichen Freuden

München – Konzerthallen und Stadien werden als Zweckbauten errichtet, um dem Publikum ein optimales Live-Erlebnis zu ermöglichen. Dass es unvergesslich bleibt, dafür muss indes der Künstler sorgen. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Rolle des Bühnendesigns, das maßgeblich zum Vergnügen beiträgt. Deshalb beginnt das Spielstätten-Dossier mit optischen Highlights.

Der deutsche Konzert-, Tournee- und Eventfotograf Ralph Larmann lichtet seit gut 25 Jahren Musiker in Aktion ab. Der 47-Jährige veröffentlichte unter anderem Bücher über Pur, Udo Lindenberg und Howard Carpendale. Außerdem designt und produziert er Konzertbroschüren und Ausstellungskataloge. Seine ganz besondere Leidenschaft gilt jedoch dem Bühnendesign aufwendiger Showproduktionen. Dass er es dabei zur Meisterschaft gebracht hat, zeigt sein neuer Bildband „Stage Design Emotions“, der bei PPV Medien erschienen ist. „Es ist unwahrscheinlich, dass die virtuelle Welt jemals in der Lage sein wird, die emotionale Wucht einer großen Menschenmenge zu vermitteln, die gemeinsam einen ganz bestimmten Moment erlebt und diese Erfahrung in Echtzeit teilt“, schreibt der britische Videokünstler und Lichtdesigner Willie Williams im Vorwort zum opulenten Fotoband. „Ralph Larmann besitzt die bemerkenswerte Fähigkeit, das Vergängliche durch die Kunst des Stilllebens zu bannen. Die in diesem Buch vorgestellten Bühnen repräsentieren das Beste, was das Showdesign der Gegenwart hervorgebracht hat. Aber erst durch Ralphs technische Kunstfertigkeit und seine begnadete Fotografie verwandeln sie sich in eigenständige Kunstwerke.“ Larmann ist akribischer Fanatiker im besten Sinn des Wortes. Mit seiner Kamera hält er die oft genug fantastischen Installationen und Inszenierungen für die Ewigkeit fest, mit denen Stars bei ihren Konzerttourneen ins rechte Licht gerückt werden. Der Kunst von Lichtdesignern wie Willie Williams setzt Larmann bereits zum zweiten Mal ein Denkmal, die erste Folge von „Stage Design“ erschien 2007. „Wenn ich im Londoner Wembley-Stadion vor rund 90.000 Menschen mit der Band U2 auf der Bühne stehe, um ein 360-Grad- Kugelpanorama in den gut 30 Sekunden zu erstellen, in denen das Stadion einzig und allein komplett in Weißlicht ausgeleuchtet ist, verlangt das von mir absolute Fokussierung auf dieses sehr kleine Zeitfenster“, schreibt Larmann im Intro zum Buch. „Fünf perfekte Aufnahmen müssen für ein großes Ganzes in diesem einen Augenblick entstehen.“ Ein Foto vom U2- Konzert sieht man auf dem Cover, auf den 400 Seiten des Buchs finden sich Bilder der Tourproduktionen von Pink bis Mario Barth, aber auch von Operninszenierungen, Musicals, Special Events wie „Mayday“ oder dem Nobelpreis-Bankett sowie vom Eurovision Song Contest. Auf der Website www.stagedesignemotions.com liefert Larmann vertiefende Informationen zum Thema. Manfred Gillig-Degrave Fotoseiten aus Ralph Larmanns neuem Bildband: auf der linken Seite Kylie Minogue in der Londoner O2 Arena (2008), oben „Mayday“ 2010 in den Dortmunder Westfalenhallen Foto: Ralph Larmann 400 Seiten mit beeindruckenden Fotos: „Stage Design Emotions“, PPV Medien; 54,90 Euro 12 7/2011 dossier.spielstätten Umfrage Hallenveranstalter zur Marktentwicklung Konkurrenz belebt das Geschäft München – Die Hallenbetreiber blicken zwar auf ein erfolgreiches Jahr zurück, spüren jedoch den Wandel im Livemarkt. Steigende Ticketpreisen und ein härterer Wettbewerb untereinander fordern Arenen und Hallen heraus. MusikWoche bat führende Spielstätten um einen Rückblick auf 2010 und einen Ausblick auf die kommende Saison. „Aller Krisenbefürchtungen zum Trotz konnten wir 2010 unsere Besucherzahlen sogar steigern“, erklärt Uschi Ottersberg, Geschäftsführerin des Kultur- und Kongresszentrum Jahrhunderthalle Frankfurt, im Gespräch mit MusikWoche. Das lag zum einen an ausverkauften Großkonzerten von Acts wie Paul Kalkbrenner, Gossip, Prodigy oder Limp Bizkit und den zwei ausverkauften Shows von Unheilig. Zum anderen habe die Jahrhunderthalle im Lauf der Jahre ein zweites Standbein mit Firmenveranstaltungen und Haupt – versammlungen gefestigt und ausgebaut. Damit reagiert die Halle auf ein Veranstaltungsgeschäft, das immer schnelllebiger wird und das 2009 mit einem Minus von zwölf Prozent erneut deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen musste. Entsprechend werde nicht nur der Wettbewerb unter den Veranstaltern, sondern auch unter den Hallen schärfer, merkt Mike Keller, Geschäftsführer O2 World Berlin, an. Er hält den Wettbewerb in der Veranstaltungsbranche neben steigenden Ticketpreisen für die zentralen Herausforderungen für Hallenbetreiber in diesem Jahr. Entsprechend habe sich die von der Anschutz Entertainment Group betriebene O2 World Berlin vorgenommen, gemeinsam mit Veranstaltern und Produzenten neue eigene Formate zu entwickeln wie das Event „Wir beaten mehr“, das im Januar in den O2-Arenen in Hamburg und Berlin über die Bühne gegangen ist. „Wir wollen eigene Veranstaltungen erfolgreich umsetzen und das Besuchererlebnis stets in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen“, führt Keller aus. Das vergangene Jahr bewertet er positiv: „Die O2 World ist im Markt angekommen und akzeptiert. Wir konnten die Besucher- und Veranstaltungszahlen auch in unserem zweiten kompletten Betriebsjahr halten. Das war 2010 nicht bei jeder Veranstaltungsstätte der Fall.“ Und auch Uwe Frommhold, Geschäftsführer O2 World Hamburg, resümiert: „2010 war ein sehr erfolgreiches und ereignisreiches Jahr für die O2 World Hamburg. Die Arena erhielt im April ihren neuen Namen. Anschließend wurden sehr viele Veränderungen und Erneuerungen vorgenommen.“ Mit Verweis auf das alljährliche Ranking des US-Branchenblatts „Pollstar“ belegte die Hamburger Spielstätte erstmals Platz acht. „Damit waren wir die erfolgreichste Konzertarena Deutschlands“, sagt Frommhold. Auf die „Pollstar“-Liste bezieht sich auch Ziggy Grimm vom Event Management der SAP Arena in Mannheim. Die Halle liegt dort auf Platz 40 und konnte sich im Vergleich mit 2009 um sieben Plätze verbessern. Bei den deutschen Hallen lägen nur noch die beiden O2-Arenen vor Mannheim. Eine Herausforderung sieht Grimm darin, weiterhin das hohe Niveau zu halten und 130 bis 145 Veranstaltungen durchzuführen. Kundenwünsche flexibel umsetzen Ziel sei es dabei, in guter Abstimmung mit den Tournee- und örtlichen Veranstaltern große Produktionen nach Mannheim zu holen. Eine erfreuliche Bilanz für 2010 zieht auch Sally Julian Rothholz, Geschäftsführer der Velomax Berlin Hallenbetriebsgesellschaft. Er leitet die Max- Schmeling-Halle, die im vergangenen Jahr 690.000 Zuschauer verbuchte – 2009 zählte sie noch 610.000 Besucher – und das Velodrom in Berlin, wohin 2010 340.000 Fans strömten, 35.000 mehr als im Vorjahr. „Unsere größte Herausforderung als Spielstättenbetreiber in diesem und in den kommenden Jahren sehen wir darin, noch flexibler und individueller auf die Wünsche unserer Kunden eingehen zu können“, führt Rothholz aus und verweist auf den jüngsten Umbau der Max-Schmeling- Halle. Für die in.Stuttgart Gesellschaft, die mit der Hanns-Martin-Schleyer- Halle und der Porsche-Arena zwei Spielstätten in der Schwabenmetropole betreibt, war 2010 „ein normales – ein gutes Jahr“, sagt Geschäftsführer Andreas Kroll. Insgesamt zählten die Stuttgarter in den beiden Hallen 193 Veranstaltungen und 797.230 Besucher. Kroll räumt jedoch ein, dass man davon abhängig sei, welche Künstler wann und wie auf Tour gehen. „Der Bau neuer Spielstätten sorgt für mehr Konkurrenz und entsprechend gilt es, sich zu positionieren.“

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