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Dossier: Hallenbetreiber in Hochstimmung

In einem Punkt sind sich die meisten Betreibergesellschaften einig: Prall gefüllte Veranstaltungskalender versprechen für 2012 ein wirtschaftlich gutes Jahr. Das ergibt eine MusikWoche-Umfrage bei führenden deutschen Spielstätten. Doch manche warnen auch vor einem immer unvorhersehbarer werdenden Geschäft.

“Das Jahr 2011 war für unsere Arenen o2 World Hamburg und o2 World Berlin – wie für andere Arenen in Deutschland auch – sicherlich nicht einfach“, bilanziert Uwe Frommhold, Vice President AEG Facillities Germany und als Geschäftsführer für die beiden o2-Arenen in Hamburg und Berlin verantwortlich. Dennoch freut sich Frommhold, dass unter anderem Usher, Rammstein, Rihanna, George Michael, Lenny Kravitz, die Red Hot Chili Peppers, Coldplay, Elton John, Sade und Roger Waters den Weg in die o2-Hallen gefunden haben. „Für 2012 zeichnet sich ab, dass wir wieder mehr große Namen und insgesamt mehr Ver – anstaltungen in unseren Arenen haben werden.“ Die Berlin-Shows von Madonna Ende Juni und von Pearl Jam Anfang Juli nennt er „absolute Highlights“. In Hamburg finden in der ersten Jahreshälfte 2012 sogar weit mehr Veranstaltungen statt als im gleichen Zeitraum 2011 – und bei dieser Statistik seien die Playoff-Spiele der Hamburg Freezers noch nicht mit einberechnet, betont Frommhold. „Auch für die zweite Jahreshälfte sind wir sehr zuversichtlich. Uns freut besonders, dass beispielsweise in Hamburg in diesem Jahr schon jetzt zehn Acts gebucht sind, die noch nie zuvor dort gespielt haben.“ Sehr optimistisch gibt sich auch Willi Schaugg, Geschäftsführer der Ober – schwaben Hallen in Ravensburg. Im Gespräch mit MusikWoche verweist er darauf, dass die Spiel – stätte am Bodensee eine „ähnliche oder etwas bessere Frequenz“ haben werde als im Vorjahr. Darauf deuteten die bisherigen Buchungen hin, allzu viele Änderungen seien nicht mehr zu erwarten. In Ravensburg laufe Comedy gut; für das Gesamtjahr 2012 kündigt Schaugg allerdings eine etwas höhere Pop- und Rockquote an als 2011. Er zeigt sich sicher: „Die Besucherzahlen steigen gegenüber dem Vorjahr noch etwas an.“ Svenja Behrens, Leiterin Event-Management bei der König Pilsener Halle in Oberhausen, erwartet eine Konsolidierung des „sehr guten Ergebnisses von 2011“. Die bisherige Buchungslage für 2012 sei sehr vielversprechend. Thomas M. Gross, Geschäftsführer der Berliner Tempodrom Betriebsgesellschaft, sieht im ersten Quartal „einen leichtpositiven Trend“ bei der Buchungslage. Er erwartet in diesem Jahr im Bereich Live Entertainment „eine insgesamt stabile Entwicklung“. Noch weniger Sorgen macht sich Peter Rengel, Leiter der ÖVB-Arena Bremen: „Wir sehen der Saison 2012 positiv und erwartungsfroh entgegen. Live Entertainment wird es auch in Zukunft geben.“ Vergleichbar gut gelaunt äußert sich Jochen Maschke, Geschäftsführer Veranstaltungszentrum Westfalenhallen: „Wir erwarten ein ähnlich gutes Livejahr wie 2011. Es sind einige hochkarä – tige Künstler, Gruppen und Shows auf Tournee, deshalb schauen wir positiv in die Zukunft.“ Einen „goldenen Herbst“ erwartet Nils Hoch, Leiter Veranstaltungen und Vertrieb beim Olympiapark München: „Obwohl das erste Halbjahr 2012 tatsächlich etwas schwächer ist als das erste Halbjahr im vergangenen Jahr, liegt die Zahl der Buchungen ab September über dem bisherigen Durchschnitt.“ Zudem seien auch einige gute Sommerproduk – tionen unterwegs, auf die die große Olympiahalle jedoch wegen einer durch Sanierungsarbeiten bedingten Hallensperrung verzichten müsse. Auch Uschi Ottersberg, Geschäftsführerin des Kultur- und Kongresszentrum Jahrhunderthalle Frankfurt spricht „ganz konkret schon von einem guten Livejahr 2012“ – die Auslastung der Halle stehe der in den Vorjahren in nichts zurück. „Auf – fällig in diesem Jahr sind die zahlreichen, schon lange im Vorfeld ausverkauften Veranstaltungen – sei es im Musik-, Comedy- oder Tanzbereich.“ Konjunkturschwankungen drohen Dagegen warnt Joachim König, Präsident des Europäischen Verbands der Veranstaltungs- Centren (EVVC): „Ein Anknüpfen an das Vorjahr wird sicher eine sportliche Herausforderung.“ Natürlich sei ein erfolgreiches Livejahr nicht ausgeschlossen, betont er, allerdings berge 2012 besondere Risiken, da die Erwartungshaltungen auf relativ unsicheren Bemessungsgrundlagen und Einschätzungsmöglichkeiten basierten. „Die Stimmungswechsel am Konjunkturhimmel waren schon in den vergangenen Jahren in sehr kurzem Rhythmus von,himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt‘ geprägt.“ König prognostiziert, dass sich diese Schwankungen vielleicht 2012 noch kurzfristiger und unvor hersehbarer auswirken und dann die Angebote im Livebiz beeinflussen. „Man wird wahrscheinlich sehr gute Nerven brauchen in diesem Jahr.“

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