“Es war doch paradox, dass man sich in Miami treffen musste, um dort über Dance-Musik aus Europa zu sprechen“, formulierte der französische Star-DJ David Guetta in seiner Rede am späten Freitagabend im Felix Meritis, dem angestammten Tagungsgebäude des Amsterdam Dance Event (ADE) direkt an der Kaizersgracht. „Hier in Holland, wo so viel großartige elektronische Musik herkommt, hat eine Veranstaltung wie diese ein würdiges Zuhause gefunden.“ Und auch die Delegierten werden nicht müde, die Veranstaltung zu oben. „Ich müsste wohl 200 Mal zur Midem oder 300 Mal zur Popkomm fahren, um dieselben Ergebnisse mit nach Hause zu nehmen wie hier vom ADE“, schwärmt Armin Wirth, Geschäftsführer des Dance All Day Musikvertriebs, im Gespräch mit MusikWoche. In der Tat gab es reichlich Gelegenheit für Meetings. Denn die 16. Ausgabe des Amsterdam Dance Event, die vom 19. bis 22. Oktober über die Bühne ging, lockte mehr als 3000 Fachbesucher und 140.000 Clubgänger an – mehr als jemals zuvor. „Das war eine Superausgabe“, bilanziert Richard Zijlma, Managing Director des vom niederländischen Verband Buma Cultuur veranstalteten ADE, im Gespräch mit MusikWoche. „Dabei freut mich besonders, dass die Besucher offenbar unsere neue, dezentrale Strategie angenommen haben.“ So steht seit 2007 das Dylan Hotel neben dem Felix Meritis für die Delegierten zur Verfügung. In diesem Jahr lagerten Zijlma und sein Team die Konferenz Music & Bits aus, die sich vor allem um digitale Themen kümmert. Sie fand erstmals im zehn Gehminuten vom Felix Meritis entfernten Gebäude De Bailie statt. Gegenüber vom De Bailie stand auch das temporäre Zelt Smirnoff Nightlife Exchange Area, das sich mit seinem Panelprogramm unter dem Motto ADE University vor allem an Branchenneulinge wandte. Ebenfalls neu war der ADE Playground in einem jüngst erschlossenen Gebäudeteil des Felix Meritis, in dem sich Soft- und Hardwarefirmen sowie Portale wie Beatport präsentieren konnten. „Ich will keine Stände auf dem ADE, bekomme aber immer wieder Anfragen von Firmen, die sich mit Ständen zeigen wollen. Deswegen haben wir dafür den ADE Playground eingerichtet.“ Die konstant steigenden Fachbesucherzahlen stellte die Messemacher jedoch zunehmend vor ein Kapazitätsproblem, räumt Zijlma ein: „Wir sind nun schon seit Jahren im Vorfeld ausverkauft, und ich wollte nicht einfach die Preise erhöhen, um dem entgegenzusteuern. Auch wollte ich nicht in einer großen, unpersönlichen Halle enden, deswegen haben wir uns für diese dezentrale Lösung entschieden. Und das hat anscheinend funktioniert.“ Zum dezentralen Konzept gehört auch die Hard Dance Conference, an der in diesem Jahr 500 Delegierte teilnahmen. In einem zehn Taximinunten vom Felix Meritis entfernt gelegenen Gebäude traf sich bereits zum zweiten Mal die Szene für die härteren Spielarten elektronischer Musik. Dennis Bohn, Geschäftsführer des Hamburger Labels Mental Madness, der mit seinem ADE-Pass Zutritt zu beiden Messen hatte, lobt die Hard Dance Conference in höchsten Tönen: „Ich habe dort einen sehr starken Zusammenhalt der Szene genossen und viele Deals abgeschlossen.“ Um Verträge ging es auch den Majors, die nach Abwesenheit in den vergangenen Jahren nun wieder verstärkt Präsenz in Amsterdam zeigten. So war Universal Music aus Deutschland mit einer von UDP-Label-Head Jochen Schuster angeführten Delegation angereist (siehe Seite 12/13). A&R Director Andreas Weitkämper und Julia Labonte (Product Manager Urban) repräsentierten Warner Music Germany und vertieften die internatio nale Zusammenarbeit mit den Warner-Kollegen aus aller Welt. Uli Mücke, Head of New Music/Vice President Marketing EMI Music GSA, war erstmals zum ADE gekommen. Ihn begleitete Jan Mehlhose, Head of Marketing EMI Music GSA. Darü- ber hinaus war die deutsche Indieszene nahezu vollständig vertreten. Firmen wie Kontor Records und Kontor New Media, Superstar, WePlay, Uptunes, Kiss That Sound, Public Music & Media, Roba Music Publishing, Tiger Records, Blu Fin, Great Stuff, Dancefield, Zebralution, DigDis, iMusic TV, sunshine live, Peppermint Jam und Embassy of Music hatten Vertreter in die Niederlande geschickt. Und auch Veranstalter wie I-Motion, SSC oder Mike Hasemann waren wieder nach Amsterdam gereist. Tagsüber wartete auf die Delegierten ein abwechslungsreiches Panelprogramm. Zu den Highlights gehörte die Keynote von Scott Snibbe, der die App für das aktuelle Björk-Album programmiert hat. Auch David Guetta, der am 20. Oktober bei den erstmals im Rahmen des ADE vergebenen DJ Mag Awards Armin van Buuren nach vier Jahren vom Thron verdrängt hatte, gab ein spontan angesetztes Keynote-Interview. Die ADE-Macher hatten zudem Sven Väth, der seit vielen Jahren beim Abendprogramm des ADE auflegt, erstmals für ein Gespräch gewinnen können. 160 Fahnenmasten mit ADE-Flaggen Und auch Boy George erlebte seine Premiere als Redner auf dem Amsterdam Dance Event, das auch durch diese prominenten Namen seinen Status als das führender Treffen für die Szene unterstreicht. Das erkennt in der Zwischenzeit auch die Stadt Amsterdam als Imagewerbung an. So wurden entlang der Grachten und an belebten Plätzen wie dem Rembrandtplein 160 Fahnenmasten mit der schwarz-gelben ADE-Beflaggung aufgestellt. Und auch im Kleinen sammelten die Messemacher Sympathiepunkte: Als die Delegierten am ersten Tag im Regen vor dem Felix Meritis auf ihre Akkreditierung warteten, eilten junge Damen herbei, die Regenschirme und Süßigkeiten verteilten – alles schwarz-gelb gebrandet wie die Tischtennisschläger im neugeschaffenen Club ADE unter dem Dach des Felix Meritis. Hier konnten sich gestresste Fachbesucher bei sportlicher Betätigung vom hektischen Messetreiben ablenken. Vom niederländischen Charme und der Kreativität der Veranstalter zeugen auch andere Events im Umfeld des ADE. So luden ADE-Chef Richard Zijlma und sein Team am Eröffnungsabend zu einem DJ-Cook-off ein. Hier wetteiferten John Acquaviva, The Stafford Brothers, Seth Troxler oder Dubfire als Köche um die Gunst der geladenen Gäste. Die kulinarischen Resultate an jenem Abend nahmen bereits das Gesamturteil zum ADE 2011 vorweg: Es war wieder einmal köstlich.
Dossier: Amsterdam Dance Event 2011 – Flagschiff der Szene
Dass auch die 16. Ausgabe des Amsterdam Dance Event mit neuen Teilnehmerrekorden bei Fachbesuchern wie Clubgängern aufwarten kann, überrascht im Grunde nicht. Denn der Treffpunkt der Dance- und Elektronikszene rangiert in der Wertschätzung der Branche schon seit Jahren vor der Winter Music Conference in Miami. Spannend ist, wie die Messe sich beständig neu erfindet, ohne dabei ihre Underground-Anfänge zu verraten.






