Die Ursprünge von CM.com liegen nicht im Enterprise-Software-Umfeld, sondern in der Clubszene. Das Unternehmen wurde 1999 in Breda von zwei Ingenieurstudenten gegründet, die einen Nachtclub dabei unterstützen wollten, mit seinen Stammgästen in Kontakt zu bleiben. Ihr erstes Produkt, Club Message, verschickte SMS-Nachrichten an Clubbesucher:innen über bevorstehende Abende, Gast-DJs und Veranstaltungen. Der erste Kunde war eine Venue namens Highstreet in Hoogstraten, Belgien.
Von dort aus entstand bis heute ein börsennotiertes Unternehmen. CM.com ist seit 2020 an der Euronext Amsterdam gelistet, beschäftigt rund 600 Mitarbeitende und unterhält 24 Büros in 15 Ländern. Das Geschäftsmodell hat sich dabei erheblich verbreitert: CM.com bedient heute Kunden aus den Bereichen Einzelhandel, Finanzdienstleistungen, Reisen und E-Commerce sowie aus der Musik- und Live-Branche. In Deutschland ist das Unternehmen seit 2015 aktiv, bislang jedoch vor allem für Kunden aus dem Handels- und Finanzsektor. 2026 will CM.com nun bewusst in den deutschen Musik- und Live-Events-Markt expandieren.
Deutsche Referenzen von CM.com
Der Markteintritt in das deutsche Veranstaltungsgeschäft erfolgt nicht ohne Vorgeschichte. CM.com kann bereits eine Reihe aktiver Referenzen für den deutschen Markt vorweisen. Dazu zählen der zur DEAG gehörende Festivalveranstalter i-Motion, das Wacken Open Air, Allgäu Concerts und das Glücksgefühle Festival. Laut Unternehmensangaben nutzen diese bereits die Plattform.

Auf der internationalen Kundenliste stehen unter anderem Tomorrowland, der niederländische Formel-1-Grand-Prix, Amnesia Ibiza und das Loveland Festival. Als weitere Referenzen werden von den Niederländern unter anderem das Sziget Festival, Pukkelpop, Electric Pop und das Roskilde Festival genannt.
Auch außerhalb der Live-Entertainment-Branche ist CM.com in Deutschland aktiv. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus den Bereichen Einzelhandel, Finanzdienstleistungen und Automotive. Nach Unternehmensangaben arbeiten unter anderem BMW, Congstar, Carglass und Eikona mit CM.com zusammen. Darüber hinaus betreut das Team weitere nationale und internationale Marken.

Drei zentrale Herausforderungen
Das Unternehmen benennt drei strukturelle Problemfelder des deutschen Livemusikmarkts, auf die seine Plattform eine Antwort geben soll.
Das erste ist die Zielgruppenansprache jüngerer Festivalbesucher. „Die Generation Z kauft Tickets häufig kurzfristig, reagiert kaum auf klassische Werbung und erwartet personalisierte Kommunikation über Kanäle wie WhatsApp oder Instagram“, so die Niederländer. Generische Massenkommunikation verfehle diese Zielgruppe zunehmend.
Das zweite Problem sei die Datenfragmentierung. Viele Veranstaltende betreiben separate Systeme für Ticketing, E-Mail-Marketing und Kundensupport. Die dabei anfallenden Daten würden selten zusammengeführt, sodass am Ende einer Saison oft kein kohärentes Bild des eigenen Publikums vorliege. Nicht, weil die Daten fehlten, sondern weil sie in voneinander isolierten Plattformen liegen.
Der dritte Punkt betrifft das regulatorische Umfeld. Deutschland kombiniert die Datenschutzgrundverordnung der EU mit dem Bundesdatenschutzgesetz und schafft damit laut CM.com einen der restriktivsten Datenschutzrahmen in Europa. Ein aktives Einwilligungsmanagement ist Pflicht und viele Third-Party-Tracking-Mechanismen, die in anderen Märkten selbstverständlich eingesetzt werden, sind hierzulande rechtlich problematisch.
CM.com positioniere sich so als Plattform, die Veranstalter dabei unterstütze, datenschutzkonforme First-Party-Datenstrategien aufzubauen. Ziel sei es, Kund:innendaten selbst zu erfassen, zu verwalten und zu aktivieren, um direkte und langfristige Beziehungen zu Fans aufzubauen. Dadurch sollen Veranstalter unabhängiger von Drittanbietern, externen Datenquellen und dem Einsatz von Third-Party-Cookies werden.
Ticketing, Marketing, App, Support
Das Kernangebot von CM.com für den Livebereich ist eine integrierte Plattform, die mehrere Funktionsbereiche in einem System zusammenführt.
Das Ticketing-Modul bietet einen anpassbaren, markeneigenen Ticketshop mit Echtzeit-Verkaufsdaten, dynamischer Preisgestaltung und Namensbindung von Tickets sowie flexiblen Stornierungsoptionen. Unterstützt werden gängige Zahlungsmethoden wie Visa, Mastercard, PayPal, Sofort und iDEAL. Für den Einlass steht eine Scan-Software bereit, zusätzliche Hardware kann gemietet werden. Tickets lassen sich zudem direkt über WhatsApp verkaufen. Das Ticketing sei nicht das eigentliche Ziel, sondern der Ausgangspunkt einer längerfristigen Besucherbeziehung, so das Unternehmen.
Ergänzt wird das Ticketing durch ein separates Resale-Modul. Es ermöglicht Veranstaltenden, den Zweitmarkt für ihre Veranstaltungen selbst zu kontrollieren: Tickets erhalten beim Weiterverkauf neue Barcodes und werden erst kurz vor dem Event aktiviert. Wiederverkaufspreise können gedeckelt werden, um Schwarzmarktaufschläge zu verhindern. Der Kunde erziele dazu bei jedem Weiterverkauf zusätzliche Servicegebühren und behalte Zugriff auf die Daten aller Ticketinhaber, auch nach einem Eigentümerwechsel.
Das CRM- und Marketing-Modul erlaubt omnichannelfähige, segmentierte Kampagnen über E-Mail, WhatsApp und SMS, basierend auf dem tatsächlichen Verhalten der Fans: Kaufhistorie, Engagement-Daten, Vorregistrierungen. Kampagnen können über einen Drag-and-Drop-Editor gebaut und durch automatisierte Workflows gesteuert werden. Das System sei DSGVO-konform ausgelegt, mit integrierten Einwilligungsmechanismen, teilt das Unternehmen mit.
„Die Event-App ist als White-Label-Lösung konzipiert, die individuell angepasst werden kann. In vier bis sechs Wochen ist sie bis zur App-Store-Verfügbarkeit aufgebaut“, heißt es, und funktioniere auch offline. Der Funktionsumfang umfasst interaktive Zeitpläne und Geländekarten, eine In-App-Ticket-Wallet, Push-Benachrichtigungen sowie standortbasierte Analyse- und Heatmap-Funktionen für das Veranstaltungsmanagement.
Der Service-Cloud-Bereich adressiert den Kundensupport. Alle eingehenden Anfragen über verschiedene Kanäle werden in einem gemeinsamen Postfach gesammelt; Support-Mitarbeitende sehen dabei die vollständige Interaktionshistorie des jeweiligen Fans. CM.com sehe sich hier als Vorreiter beim Wandel von klassischen, regelbasierten Chatbots hin zu intelligenten KI-gestützten Chatbots und AI-Agents, die deutlich komplexere Kund:innenanliegen bearbeiten könnten, so das Unternehmen.

KI quer durch alle Module
CM.com hat sich 2025 offiziell als KI-gesteuertes Technologieunternehmen neu positioniert.
Kernstück dieser Strategie ist HALO, eine agentische KI-Plattform, mit der Unternehmen ihr eigenes Team aus AI-Agents aufbauen können und neue Einnahmemöglichkeiten erschließen, ohne dafür das Team vergrößern zu müssen, so CM.com.
Diese digitalen Assistenten reagieren nicht nur auf Anfragen, sondern können eigenständig Aufgaben ausführen, Prozesse automatisieren und proaktiv handeln.
Zu den Anwendungsfällen zählen unter anderem die automatisierte Bearbeitung von Fan- und Supportanfragen in großem Maßstab, Änderungen an Tickets und Bestellungen ohne Eingreifen eines Mitarbeiters, personalisierte Folgekommunikation zum optimalen Zeitpunkt und KI-gestützte Marketing-Empfehlungen zur Förderung des Ticketverkaufs.
Daneben verfügt die Plattform über eine KI-Engine, die Fan-Verhalten kanalübergreifend analysiert und in Echtzeit ermittelt, welche Nachricht über welchen Kanal den höchsten Wirkungsgrad erzielt. Das gelte für potenziell Zehntausende Fans gleichzeitig, so das Unternehmen.

Daten bleiben beim Veranstalter
Ein weiterer wichtiger Aspekt sei darüber hinaus das Thema Dateneigentum. „Die Fan-Daten der Kunden gehören ausschließlich den Veranstaltern“, betont das Unternehmen. CM.com verkauft, teilt oder monetarisiert diese Daten nicht und verwendet sie auch nicht für eigene kommerzielle Zwecke.
Man verstehe sich als Werkzeug, nicht als Mitakteur in der Publikumsbeziehung. Diese Positionierung grenze CM.com von großen Ticketing-Plattformen ab, bei denen Fan-Daten häufig ein sekundäres Asset darstellten, das den eigenen kommerziellen Interessen des Plattformbetreibers diene, heißt es aus den Niederlanden. CM.com selbst habe weder Beteiligungen an Venues noch an Künstlerkarrieren oder Promotion-Aktivitäten und agiere als reiner Technologieanbieter.
Zielgruppe im deutschen Markt
CM.com richtet sich in Deutschland zunächst an Festivals und Veranstaltungsstätten mit 5000 bis 50.000 Besuchenden. Dieses Segment werde, so meinen zumindest die Verantwortlichen, „von den großen Statthaltern des Ticketing-Markts historisch unterversorgt“. Große Plattformen seien für das oberste Marktsegment optimiert und für die darunter liegende Breite des Markts oft kostspielig und wenig flexibel.
Die Plattform ist modular aufgebaut: Veranstaltende können einzelne Module unabhängig voneinander einsetzen oder das vollständige integrierte System nutzen. Als verbindendes Element dient die Customer Data Platform (CDP), in die alle Interaktionen aus sämtlichen Touchpoints einfließen: Ticketkauf, App-Nutzung, Support-Kontakt und Kampagnenreaktionen. Aus diesen Daten entsteht ein einheitliches Fan-Profil, das die Grundlage für Personalisierung im Großmaßstab und zugleich die Basis für KI-gestützte Automatisierung ist.





