Obwohl Groningen vom Orkan Friederike weitgehend verschont blieb, hatte das Unwetter doch Auswirkungen auf das niederländische Showcasefestival Eurosonic Noorderslag. So fiel die Keynote von Scumeck Sabottka aus, weil der Flug des MCT-Chefs gestrichen wurde. Auch beim abendlichen Liveprogramm gab es einige kurzfristige Verlegungen, weil einige Bands zu spät kamen oder nicht anreisen konnten.
Die allermeisten Panels und Präsentationen fanden am 18. Januar 2018 aber wie geplant statt. So ging die Premiere des „ESNS Loud“-Programms, das mehr Metal nach Groningen holen will, mit einem Panel über die Bühne, an dem unter Jan Quiel (SST/ICS) und Chris „Jagger“ Jäger (Summer Breeze Festival) teilnahmen.
Auch das Keynote Interview mit Harvey Goldsmith konnte stattfinden. Der legendäre UK-Veranstalter erzählte aus seiner Karriere und analysierte den heutigen Livemarkt.
Reeperbahn-Chef Alexander Schulz saß derweil in der Runde „50:50 in 2022“, in der es um die Frage ging, wie man einen höheren Frauenanteil in der Musikbranche erreichen kann. Das Panel gehörte zum europaweiten „Keychange“-Programm, an dem auch das Reeperbahn Festival partizipiert. Schulz wies darauf hin, welch wichtige Rolle Showasefestivals bei der Erhöhung des Frauenanteils spielen können.
„Wenn man bei Veranstaltungen wie dem Reeperbahn Festival darauf achtet, dass männliche und weibliche Acts zu gleichen Teilen vertreten sind, hat das auch Auswirkungen auf die großen Headlinerfestivals, weil dort irgendwann die Bands spielen, die zuvor bei Showcasefestivals aufgetreten sind.“ Man könne nicht früh genug damit anfangen, Gender-Klischees aufzubrechen, so Schulz weiter.
Viel Beachtung fand auch die von Barbara Gessler, Head of Unit Creative Europe bei der Europäischen KOmmission, präsentierte Veranstaltung „Music Moves Europe“, bei der sie über das neue Kulturförderprogramm der EU sprach, das 2021 Creative Europe ablösen soll. Dazu gehört auch eine Neuausrichtung der European Border Breaker Awards (EBBAs), die zunächst bei der Midem, danach bei Eurosonic Noorderslag stattfanden und nun neu ausgeschrieben werden.
Die von MusikWoche präsentierte Runde „Local Promoters, Local Problems“ fand vor vollem Haus statt. Ernst-Ludwig Hartz (E.L.Hartz Promotion), David Garcia (DEAG Concerts), Lutz Grotehöfer (Concert Concept), Christoph Möller (Landstreicher) und Christian Wiesmann (FKP Scorpio) diskutierten über die sich verändernde Rolle des örtlichen Veranstalters in Deutschland, der sich nur mit Kreativität und Ortskenntnis in einem Markt behaupten könne, der zunehmend von Corporate-Strukturen und Lösungen geprägt werden, bei denen ein klassischer, örtlicher Veranstalter nicht mehr gebraucht werde.
Auch das Networking-Angebot kam am Eurosonic-Donnerstag nicht zu kurz. In einem größeren Rahmen als zuvor ging das traditionelle ETEP Dinner über die Bühne, Partnerland Dänemark hatte zu einem Netzwerktreffen eingeladen und Sony Music stellte einige neue Benelux-Künstler vor.
Die Clubs in der Studentenstadt waren bereits ab 20 Uhr voll. Beim Auftritt von Alice Merton im Huise Mas bildete sich eine lange Einlassschlange, während die Hamburger Blasmusikformation Meute beim kostenlosen Open-Air-Teil des Festivals, Eurosonic Air, in einem Zelt auf dem Grote Markt die Zuschauer begeisterte.






