“Mit knapp 3000 Fachbesuchern haben wir die eigene Erwartung um 200 Personen übertroffen“, freut sich Detlef Schwarte, der als Geschäftsführer der veranstaltenden Agentur Inferno Events vor allem für den Fachbesucherbereich Reeperbahn Campus zuständig ist. „Wir sind sehr froh, dass der Versuch, quantitativ und qualitativ mehr Angebot zu schaffen und branchenübergreifend zu ar beiten, tatsächlich so gut angenommen wurde. Sogar der neue Pitch für Start-ups war sehr gut besucht.“ Zufrieden zeigen sich die Veranstalter auch mit dem internationalen Flair des Festivals: Mehr als 1000 Fachbesucher kamen aus dem Ausland und trugen damit zum Wachstum bei, auch wenn prozentual der Anstieg nicht ganz so beeindruckend ausfiel wie 2012, als im Vergleich zum Vorjahr (2011) rund 40 Prozent mehr Delegierte nach Hamburg gekommen waren. 2012 bevölkerten insgesamt rund 2400 Fachbesucher Foto: MusikWoche MusikWoche_41_2013_13 d o s s i e r r e e p e r b a h n 2 0 1 3 14_MusikWoche_41_2013 und Journalisten die Reeperbahn. „Ein Teil des Wachstums ist darauf zurückzuführen, dass wir uns inhaltlich öffneten und zum ersten Mal Themen in längeren Strecken anboten, die sich im Kern nicht mit Musik befassen – Games, Mobile, Social Media sowie sehr exotische Geschichten aus dem Maker- und Programmierer-Bereich“, sagt Schwarte. Volle Konferenzen, überfüllte Clubs Auf der Agenda standen diesmal rund 80 Kon – ferenzprogrammpunkte, im vergangenen Jahr waren es nur 25. Auch die Zahl der zur Verfügung stehenden Örtlichkeiten für die Konferenz stieg von zwei auf sieben. „Die meisten Veranstaltungen waren sehr gut besucht, manche sogar so voll, dass wir keine Leute mehr hineinlassen konnten“, sagt Schwarte. Auch die beiden Keynotes im Operettenhaus seien „super“ besucht gewesen: Rund 300 Delegierte wollten die Schriftstellerin Cornelia Funke hören, einen Tag später kamen zwischen 350 und 400 Leute zum Vortrag von Dave Stewart. Alle Networking Events und Receptions von Partnern waren ebenfalls bestens frequentiert. „Ich habe nichts gesehen, wo nichts los war“, so Schwarte. Für die Gesamtveranstaltung zieht Reeperbahn- Director Alexander Schulz ein positives Fazit: „Es ist nur ein kleines bisschen über – raschend, aber wir haben das, was wir uns vorgenommen hatten, erreicht.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf die insgesamt 28.000 Besucher, wobei er die knapp 3000 Fachbesucher mitzählte. Die somit 25.000 Ticketkäufer für das Liveprogramm bewegen sich auf Höhe des Vorjahres. Zudem war der Samstagabend ausverkauft. Positiv sieht Schulz zudem die Erweiterung des Festivals um einen vierten Veranstaltungstag. Er kündigte an, man werde den Mittwoch für die Fachbesucher weiter ausbauen. Dabei soll die Organisationsstruktur der Reeperbahn-Veranstaltungen gewahrt werden: Ein Großteil des öffentlichen Music- und-Arts-Programms wird von der Reeperbahn Festival GbR veranstaltet, einem Joint Venture der Hamburger Agentur Inferno Events und der Kar sten Jahnke Konzertdirektion. Für das Campus-Programm zeichnet Inferno Events allein verantwortlich. An den vier Tagen vom 25. bis 28. September bot das Reeperbahn Festival rund 350 Konzerte an. „Wir sind also noch einmal gewachsen, aber damit auch gut gefahren“, fasst der für das Musikprogramm verantwortliche Reeperbahn-Booker Bjørn Pfarr zusammen. Man habe zudem sechs neue Locations bespielt. 2014 fallen einige Locations weg „Mehr denn je bildeten wir stilistisch eine bunte Palette ab, indem wir zum Beispiel mehr Themen aus dem Klassik- und Neoklassik-Bereich ins Programm aufnahmen.“ Zuversichtlich geben sich die Veranstalter auch angesichts der bevorstehenden baulichen Veränderungen auf der Reeperbahn. Zwar fallen durch den Abriss einer Häuserzeile Clubs wie das Molotow voraussichtlich weg, aber ein neues Kulturzentrum, das allein fünf Spielstätten bietet, könnte für Ausgleich sorgen. Das neue Gebäude steht allerdings erst 2015 zur Verfügung. „Die beiden Jahre des Umbaus, 2014 und 2015, werden in der Tat schwierig. Das müssen wir gut überbrücken“, sagt Schulz. Verbesserungen kündigte er auch bei der Einlassproblematik an. Angesichts vieler Klagen von Fachbesuchern, dass sie in bestimmte Konzerte nicht hin – eingekommen wären, werde man verstärkt mit eigenen Delegiertenzugängen, wie sie etwa beim Docks oder Mojo bereits vorhanden sind, arbeiten. Grundsätzlich habe er jedoch positives Feedback aus der Musik- und Kreativwirtschaft erhalten, so Schulz: „Ich habe vor allem gehört: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei.“ Den Erfolg des Reeperbahn Festivals macht Schulz auch an wirtschaftlichen Faktoren fest. Als Beispiel nennt er den Empfang des Luxemburger Exportbüros. „Gleich im Anschluss an diese Reception wurden konkrete Verträge mit zwei Bands abgeschlossen.“ Solche Deals seien eine Zeitlang kaum möglich gewesen, weil in Deutschland eine Branchenplattform wie das Reeperbahn Festival gefehlt habe. „Natürlich wollen wir alle gute Musik hören und uns unterhalten. Aber unser Ziel im Fachbesucherbereich lautet: Es soll mit Musik gehandelt werden. Auf diese Weise kann in der Branche wieder ein stärkeres Selbstbewusstsein Einzug halten.“ Dietmar Schwenger
Dossier: Reeperbahn Festival 2013
Randale auf der Reeperbahn
Mit 2950 Fachbesuchern, darunter 450 Medienvertreter, hat das Reeperbahn Festival erneut kräftig zugelegt – auch wenn die Zuwächse mit 22,9 Prozent nicht ganz so stark ausfielen wie im Vorjahr. Das gesteigerte Interesse kam wohl vom inhaltlichen Ausbau der Veranstaltung, die gleichwohl ihren Livecharakter nicht verloren hat.






