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Dossier: Echo Klassik 2013

Der Echo Klassik feierte am 6. Oktober sein 20-jähriges Jubiläum. Doch der ganz große Wurf war’s nicht. Zwar menschelte es dank der beiden Moderatoren Nina Eichinger und Rolando Villazón bei der Verleihung im Konzerthaus Berlin, und auch die auftretenden Künstler waren hochkarätig. Aber die ganz großen Stars fehlten.

Zum vierten Mal veranstalteten die Deutsche Phono-Akademie und der Bundesverband Musikindustrie den Echo Klassik im Konzerthaus Berlin, das im Rahmen der Festwochen „Berlin leuchtet“ der klassischen Musik einen festlichen Rahmen bot. „Musik ist kein Selbstverständnis, und in Zeiten der Krise, in der Orchester schließen müssen und Musikschulen sowie Musikunterricht von Kürzungen betroffen sind, in Bedrängnis“, sagte Dieter Gorny in seiner Eröffnungsrede. „Die Wertstellung von Musik auch im digitalen Raum lässt zu wünschen übrig.“ Umso mehr versuchten Veranstalter und Künstler eine Lanze für die klassische Musik zu brechen. So ist sie das vielleicht „größte Geschenk Europas an die Welt“, sagte Moderator und Preisträger Rolando Villazón in seiner Dankesrede. Die Musik stand denn auch im Mittelpunkt des Abends und weniger das 20-jährige Jubiläum. Das einzige Geburtstagsständchen trällerte Villazón bei einer seiner Anmoderationen, und nur zwei Einspieler ließen im Schnelldurchlauf Auftritte einiger Künstler wie Placido Domingo, Sting und Anne-Sophie Mutter Revue passieren – nostalgische Gefühle kamen da freilich gar nicht erst auf. Dabei war die Gala in diesem Jahr durchaus künstlerisch hochkarätigbesetzt mit Preisträgern wie dem Tenor Jonas Kaufmann, der Mezzosopranistin Elina Garanca und der Cellistin Sol Gabetta, und sie deckte eine große musikalische Bandbreite ab. Doch es fehlten für die ZDF-Übertragung inter nationale Publikumsmagneten, wie sie in den vergangenen Jahren durchaus im Boot waren – Größen wie der Geiger David Garrett, die Sopranistin Anna Netrebko oder der Pianist Lang Lang. Das zeigte sich auch an der Quote. Das ZDF erreichte zwar in seiner zeitversetzten Ausstrahlung mit 1,58 Millionen Zuschauern mehr Menschen als im Vorjahr, als nur 1,47 Millionen eingeschaltet hatten – der Marktanteil wuchs von 6,9 Prozent auf 8,1 Prozent in der Gruppe der Zuschauer ab drei Jahren. Doch an die Rekordwerte von 2010 konnte das ZDF damit nicht anknüpfen, als 2,33 Millionen die Klassik- Gala sehen wollten (Marktanteil: 10,8 Prozent). Zeit, dass sich was ändert Dabei menschelte es diesmal in der Echo-Klassik- Gala. Heino Ferch hielt die Laudatio auf Jonas Kaufmann, der sich sichtlich gerührt für seinen zweiten Echo Klassik bedankte. Als Künstler hätte man nicht mehr viel Spielraum, sagte er mit Blick auf den immensen Erfolgsdruck, unter dem Musiker und Labels stehen. Denn man habe genau eine Chance und man könne nur bangen, dass das Ergebnis dann auch gefällt. So wie Kaufmann erhielt auch die Cellistin Sol Gabetta vor einigen Jahren bereits ihren ersten Echo Klassik als Nachwuchskünstlerin, nun stand sie auf der Bühne als Instrumentalistin des Jahres. Mezzosopranistin Elina Garanca wurde für die solistische Ein – spielung im Bereich Gesang geehrt und verabschiedete sich mit tosendem Applaus in die Babypause. Der Instrumentalist des Jahres im Bereich Tuba, Andreas Martin Hofmeir, gab sich als Künstler mit Bodenhaftung und verwies da rauf, dass zum ersten Mal ein Tubist auf der Echo- Klassik-Bühne stehe. Simone Kermes hielt die Laudatio auf den Countertenor Max Emanuel Cencic, Christopher von Deylen alias Schiller würdigte den Violinisten Daniel Hope und den Komponisten Max Richter, die für ihre Bearbeitung von Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ in der „Recomposed“- Reihe einen Echo in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“ erhielten. Nachwuchspreise gingen an die 23-jährige Sopranistin Julia Lezhneva, die für ihren Auftritt „Bravo“-Rufe erntete, und an den Pianisten Alexander Krichel, der den Preis von Khatia Buniatishvili entgegennahm. Musikverleger Friedrich Hänssler ließ es sich nicht nehmen, den Echo für das Lebenswerk an seinen Weggefährten Helmuth Rilling zu übergeben, der von den Echo-Gästen mit Standing Ovations bedacht wurde. Einer stillen Revolution kam es gleich, dass der Verband CLASS – Association of Classical Independent Music in Germany anlässlich seines 15-jährigen Bestehens einen Vorecho am Sam stagabend in der Villa Elisabeth veranstaltete „mit Echo-Klassik-Preisträgern, die nicht bei der Echo-Klassik-Gala auf dem Podium stehen“, wie der Verband mitteilte. Es traten Musica Alta Ripa, Steffen Schleiermacher, Andreas Seidel, Rebekka Hartmann, das Amaryllis Quartett und Hardy Rittner auf, das Konzert strahlte Klassik.tv aus. Damit erhielten die Indiekünstler erstmals ein eigenes Podium und mussten nicht wie die meisten ihrer Kollegen nach der Fernsehauf – zeichnung im Schnelldurchlauf ihre Trophäe in Empfang nehmen. Auch einige beim Award anwesende Musiker wie die Geigerin Vilde Frang, die Trompeterin Tine Thing Helseth oder die Sopranistin Anna Prohaska verzichteten auf die Bühne, zumal sich Nina Eichinger nicht immer sicher in der Aussprache der Künstlernamen zeigte. Aber vielleicht wird es Zeit, dass sich im nächsten Jahr einiges ändert.

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