Betrachtet man die Entwicklung der Branchenevents in den vergangenen Jahren, so zeichnet sich vor allem ein Trend deutlich ab: Zugelegt bei Besucherzahlen wie auch Ansehen haben vor allem die jenigen Veranstaltungen, bei denen die Delegierten einen konkreten Nutzen zu erkennen glauben. So meldet das nieder – ländische Showcasefestival Eurosonic Noorderslag, das sich explizit an die Livebranche wendet, Jahr für Jahr neue Rekordzahlen bei den Teilnehmern. Und auch der Reeperbahn Campus mit angeschlossenem Reeperbahn Festival wächst mit einem Fokus auf die Livebranche beständig, ohne dabei die Delegierten aus der Label- oder Verlagswelt auszuschließen. Zwar legten bereits die ersten Ausgaben der Berliner Popkomm einen Akzent auf den Livebereich, doch Aktionen wie ein eigenes Areal für die Veranstaltungs – wirtschaft oder Showcase-Konzerte in der Kulturbrauerei – fern ab vom eigentlichen Messegeschenen – wurden von der Masse der Veranstalter, Agenturen und Agenten trotz einiger Konzerthighlights nicht wirklich angenommen. Mit der Neupo – sitionierung der Popkomm als Teil der Berlin Music Week kam im vergangenen Jahr jedoch Bewegung in die Sache – und das in vielerlei Hinsicht. Zum einen vervielfachte sich das Live-Angebot durch die zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen der Berlin Music Week – aber auch intern bei den Popkomm-Machern von der Messe Berlin tat sich einiges. So löste Paul Berlin – Vom 7. bis zum 11. September geht die Berlin Music Week in ihre zweite Runde. Will sie sich dauerhaft in der Branche und bei den Konsumenten etablieren, muss sie auch als Live-Event punkten. Denn so wie einst das Kölner Ringfest fast als Synonym für die Popkomm stand, brauchen die einzelnen Bestand teile der Berlin Music Week sowie die Dachmarke eine Verankerung im Live bereich – nicht zuletzt, um sich gegen starke nationale Mitbewerber auf dem Feld der B2B- und B2C-Events behaupten zu können. dossier.berlin music week 37/2011 9 Cheetham den bisherigen Popkomm- Booker Dirk Schade ab, der jetzt für das Liveprogramm der Internationalen Funkaustellung (IFA) verantwortlich zeichnet. Mit Cheetham, einem 42-jährigen Engländer, hat die Popkomm einen erfahrenen Livemann gewonnen, den man auf jedem Branchenevent – von by:Larm in Nor – wegen über SXSW in Texas bis hin zur Tallinn Music Week in Estland – trifft und der als Booker für so renommierte englische Clubs wie den Mean Fiddler in London tätig war. Zudem betreibt er die eigene Manage mentagentur The New Music Office (NMO), die vor allem skandinavische Acts betreut; 2010 stieg er zusätzlich noch zum Managing Director des Berliner Büros des Konzertveranstalters SSC auf. Bei seinem Engagement für die Popkomm, für die er 2011 rund 100 Acts nach Berlin holt, geht es ihm vor allem um langfristige Ziele: „Der Schlüssel für die Popkomm- Show cases in diesem Jahr liegt darin, ganz grundsätz liche Möglichkeiten für die Künstler zu schaffen“, erläutert er. „Wir wollen Resultate für diese Bands. Wir wollen, dass sie die Deals bekommen, nach denen sie Ausschau halten. Und wir wollen, dass sie in den kommenden zwölf Monaten die Buzz-Bands bleiben.“ Um diese ambitionierten Ziele zu erreichen, setzt Cheetham nicht nur auf die eigent – lichen Popkomm-Showcases, die bei Tage in und um den Flughafen Tempelhof herum stattfinden. Genauso wichtig ist die Vernetzung mit den vielen Abend- 3 berlin music week.dossier 10 37/2011 dossier.berlin music week veranstaltungen, bei denen einige Bands ebenfalls auftreten. Dazu gehören unter anderem Live-Abende mit Schwerpunkten auf Musik aus Frankreich, Österreich, Irland, Finnland, Estland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Katalanien, Polen und Israel. Darüber hinaus organisiert die Popkomm in Kooperation mit dem britischen Showcase-Event The Great Escape am 8. September einen Abend im Ma – schinenhaus der Kulturbrauerei. Auch das von SSC veranstaltete Warm-up- Event für das neue The New Fall Festival, das im Oktober in Düsseldorf steigt, soll das Liveprogramm der Berlin Music Week bereichern. Es findet ebenfalls am 8. September im Roten Salon am Rosa- Luxemburg-Platz statt. Öffentlichkeitswirksames Finale und Höhepunkt der gesamten Live-Aktivitäten an den fünf Tagen in der Hauptstadt soll das Berlin Festival bilden, das im vergangenen Jahr insgesamt15.000 Fans anlockte, obwohl es wegen Sicherheitsbedenken am ersten Abend abgebrochen wurde. Neben verschiedenen Änderungen bei Struktur und Ablauf soll vor allem der Einstieg der britischen Firma Festival Republic von Melvin Benn das zuvor von Melt! Booking allein veranstaltete Festival weiter aufwerten. Benn schätze das Booking des Berlin Festivals sehr, erklärt er vorab. Denn das Berlin Festival schaffe es in jedem Jahr, am Puls der Zeit zu sein und dabei ein buntes und abwechslungsreiches Programm mit einem breiten Stilmix auf die Beine zu stellen. 300 Acts bei der Berliner Clubnacht Conny Opper, Mitbegründer des Festivals und Berliner Clublegende, stellt den urbanen Charakter des Festivals heraus und betont die „Liebe zum Detail in der Planung“. Auch in diesem Jahr werde der Aspekt Kunst und Interaktion beim Berlin Festival groß geschrieben: Street-Artists, Mauerkunst, die Crystal-Mafia-Aktionskünstler und die mobile Disko mit namhaften Berliner DJs sollen wieder zum bunten Bild und besonderen Flair des Berlin Festivals beitragen. Die Verlängerung des Festivals in die Nacht findet schließlich bei der Berlin Clubnacht statt, an der insgesamt 62 Lokalitäten teilnehmen. Das ist ein neuer Rekord, im vergangenen Jahr waren es nur 44 Locations. Am 9. und 10. September kommen 300 Acts in die Hauptstadt, um in Läden wie Tresor, Schokoladen, SilverWings Club, Radialsystem und White Trash Fast Food von Rock bis Techno das ganze musikalische Spektrum Berlins zu demonstrieren, so die Veranstalter der clubcommission berlin. „Es gilt jede MengeNachwuchskünstler zu entdecken, Trends zu erkunden, Label – präsentationen und Neuerscheinungen abzuchecken“, formulieren die Veranstalter. „Für Berlinbesucher und Einheimische bietet sich bei der Clubnacht die einmalige Chance, verschiedene Menschen und Musikrichtungen zu erleben, die gegensätzlicher nicht sein könnten.“ Rechnet man all diese Maßnahmen zusammen, so bietet sich das Bild einer Berlin Music Week, die im Livesegment tatsächlich aufgerüstet hat. Nun müssen nur noch die Besucher kommen.
Dossier: Berlin als Bühne
Vom 7. bis zum 11. September geht die Berlin Music Week in ihre zweite Runde. Will sie sich dauerhaft in der Branche und bei den Konsumenten etablieren, muss sie auch als Live-Event punkten. Denn so wie einst das Kölner Ringfest fast als Synonym für die Popkomm stand, brauchen die einzelnen Bestand teile der Berlin Music Week sowie die Dachmarke eine Verankerung im Live bereich – nicht zuletzt, um sich gegen starke nationale Mitbewerber auf dem Feld der B2B- und B2C-Events behaupten zu können.





