“Der Echo Klassik ist gewachsen, er ist professioneller geworden, er ist ja mittlerweile auch schon erwachsen“, sagt Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) und der Deutschen Phono-Akademie. Sein Echo- Klassik-Debüt erlebte Drücke 2006 im Gasteig in München, seither könne er sich an viele „Magic Moments“ erinnern, teilt er mit. Moderatorin war damals Maria Furtwängler, die insgesamt dreimal durch die Veranstaltung führte. Die Echo-Klassik- Verleihung prägte auch Senta Berger, die 1996 mit der ersten Ausstrahlung im ZDF die Moderation übernahm und sie mit Partnern wie Gunther Emmerlich, Jochen Kowalski und Roger Willemsen bis 2004 fortführte. Später standen Götz Alsmann und Natalia Wörner sowie Thomas Gottschalk als Masters of Cermony auf der Bühne; dieses Jahrsind es zum zweiten Mal Nina Eichinger und der Tenor Rolando Villazón. „Ich finde, dass die Mischung aus Leichtigkeit und einer tiefen professionellen Ernsthaftigkeit die Moderation sehr würdig macht, und gleichzeitig können die beiden die Zuschauer begeistern“, sagt Florian Drücke. „Das ist ja unsere Herausforderung, Klassik nicht nur einer kleinen Elite anzubieten.“Während die ersten beiden Ausgaben noch in kleinem Rahmen in Köln stattfanden, führte die Zusammenarbeit mit dem ZDF ab 1996 zur Professionalisierung des Musikpreises. Mittlerweile ist Echo Klassik für den Bundesverband ein Thema für das ganze Jahr, und insgesamt sind mehr als 100 Personen involviert, wie der BVMI wissen lässt. Dass das Zweite Deutsche Fernsehen den Echo Klassik auch nach 18 Jahren noch zusammen mit dem Bundesverband feiert, sei „Ausdruck dieser guten Partnerschaft“, die über die Jahre gewachsen ist, sagt Drücke. „Erst einmal hat jeder Partner wie im echten Leben auch seine eigenen Vorstellungen, das ist ja ganz natürlich.“ Doch der Grundkonsens liege eben darin, dass man sich gemeinsam für das Projekt stark mache und stets versuche, den anderen mitzunehmen. „Es geht immer darum, uns zu verbessern, und das heißt nicht höher, schneller, weiter, sondern auch Veränderungen im Kleinen möglich zu machen.“ Doch vorrangig stehen die Leistungen der Künstler im Mittelpunkt. Zudem versteht sich der Echo Klassik als Sprungbrett, der auch dem Nachwuchs eine Plattform bietet. So erhalten in diesem Jahr 54 Preisträger in 21 Kategorien einen Award. Fast die Hälfte dieser Künstler wird von Indie-Labels vertreten – als Instrumentalisten des Jahres zum Beispiel der Trompeter Reinhold Friedrich, der bereits bei der ersten Gala 1994 ausgezeichnet wurde, von MDG, sowie der Tubaist Andreas Martin Hofmeir von Genuin; aber auch der Cellist David Geringas (Profil) oder der Gambist Jordi Savall (Alia Vox), die je einen Echo Klassik für die Kammermusikeinspielung des Jahres erhalten. Doch die Majors bekommen die meisten Echos – darunter alle drei Nachwuchspreise für die Sopranistin Julia Lezhneva (Decca), die Trompeterin Tine Thing Helseth (Warner Classics) und den Pianisten Alexander Krichel (Sony Classical). Unterm Strich kommt Universal Music in diesem Jahr mit seinen Labels Deutsche Grammophon und Decca auf elf Awards, Sony Music mit Sony Classical und Deutsche Harmonia Mundi auf acht, und die Künstler von Warner Classics und Erato, die früher auf Virgin Classics und EMI Classics veröffentlichten, erhalten sieben Auszeichnungen. Diesen sechs Majorlabels stehen 17 unabhängige gegenüber, darunter MDG mit fünf Echos, Harmonia Mundi mit vieren und Naïve mit drei Awards. Den Preis fürs Lebenswerk erhält in diesem Jahr Helmuth Rilling, der damit seinen fünften Echo Klassik einsackt. Ein Sonderpreis geht an den Pianisten und Komponisten Fazil Say für die Live-Einspielung seiner „Istanbul Sinfonie“- und den Bestseller des Jahres erzielte der Pianist Lang Lang mit „The Chopin Album“ (Sony Classical), der 2013 seinen sechsten Echo Klassik erhält. Keine Angst vor unfertigen Baustellen Als hoffnung schürende Einstimmung auf die Jubiläumsgala konnte der BVMI zum Halbjahr für den Verkauf von klassischer Musik eine Steigerung vermelden: Während die Klassiksparte in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder Umsatzeinbußen hinnehmen und zuletzt 2012 ein Minus von 14,6 Prozent verkraften musste, erwirtschaftete der Bereich der klassischen Musik im ersten Halbjahr 2013 erstmals wieder ein deut – liches Umsatzplus mit einem Anstieg um 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Optimistisch geben sich BVMI und ZDF daher auch mit ihren Erwartungen an die Quote der Fernsehübertragung, die am 6. Oktober um 22 Uhr im ZDF läuft. Der Echo Klassik habe sich als erfolgreiche Marke des ZDF-Programms etabliert und sei eine der meistgesehenen Klassiksendungen im deutschen Fernsehen, teilt denn auch der Sender mit. Immerhin erzielte Thomas Gottschalk 2010 eine Rekordquote, als er mit seinem Echo-Klassik-Debüt 2,33 Millionen Zuschauer vor die Fernseher lockte und damit die bisherige Bestmarke von 2007 mit 2,15 Millionen Zusehern übertraf. Im vergangenen Jahr hatte die Übertragung der Preisverleihung zwar nur noch 1,47 Millionen Zuschauer, aber das waren immerhin noch rund 50.000 mehr als 2011. Für gute Quoten in der Jubiläumssendung sollen Preisträger wie Helmuth Rilling, der Tenor Jonas Kaufmann, die Cellistin Sol Gabetta, die Mezzo – sopranistin Elena Garanca, die Sopranistin Julia Lezhneva, der Pianist Alexander Krichel, der Geiger Daniel Hope mit Max Richter und der Tubaist Andreas Martin Hofmeir sorgen. Zudem könne sich das Publikum auf die eine oder andere Reminiszenz an die Vergangenheit gefasst machen, verrät Drücke. Auch vor der Zukunft ist dem BVMIGeschäftsführer nicht bange: Er prognostiziert, dass klassische Musik noch stärker in die Mitte der Gesellschaft rücken und das digitale Geschäft, das derzeit noch unter fünf Prozent liegt, weiter an Bedeutung gewinnen wird. „Auch 2020 wird es den Echo Klassik noch geben, und ich sehe keinen Grund daran zu zweifeln, dass das ZDF als Partner mit an Bord sein wird.“ Konkreter wird er bei seiner Vision, wo der Echo Klassik 2015 stattfinden soll: „Warum nicht in der Elb philharmonie? Wenn sie denn bis dahin fertig ist.“ Birgit Schlinger
Dossier: 20 Jahre Echo Klassik
Die erste Echo-Klassik-Gala ging am 24. März 1994 in der Kölner Flora über die Bühne. Seitdem hat sich die Veranstaltung unter der Regie der Deutschen Phono- Akademie, des Kulturinstitust des Bundesverbands Musikindustrie, gut entwickelt. Und so steigt die Vorfreude auf die 20. Ausgabe des Klassikpreises, die am 6. Oktober wieder im Berliner Konzerthaus stattfindet.






