Thomas Schenk zur Umstrukturierung von WSM

Seit 1994 arbeitet Warner Special Marketing (WSM) als eigenständige GmbH. Seit dem 1. Dezember heisst das Unternehmen nun Warner Strategic Marketing und bekommt zusätzliche Aufgaben. Im Gespräch mit MUSIKWoche erläutert WSM-Chef Thomas Schenk die Hintergründe.

MUSIKWoche: Welchen Sinn hat die Umfirmierung bei WSM?

Thomas Schenk: Eine Ursache liegt in der Neuausrichtung des WSM-International-Headquarters in London. Der für uns relevante Aspekt ist die Wandlung des Musikgeschäftes insgesamt: Unsere Zielgruppen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Dazu kommen der in Teilbereichen selbstmörderische Wettbewerb, ein unruhiger werdender Handel, der von uns Signale erwartet, und die vor allem von den audiovisuellen Medien betriebene Preistreiberei. In einer solchen Gemengelage muß ein Unternehmen wie Warner handeln.

MW: Was konkret ändert sich?

Schenk: Alles, was wir bislang getrieben haben, wird schneller, breiter angelegt und intensiver miteinander verzahnt. Das fängt im Bereich der TV-beworbenen Tonträger bei der Titelfreigabe an, die durch ein neues Clearing-System der WSMI schneller geht. Wir vermeiden langwierige Prozesse mit anderen Unternehmen und Lizenzhaltern. Wir bekommen mehr Vertriebspower, denn es gibt einen gemeinsamen Warner-Vertrieb für alle Töchter, den Ernst Rüder bei mir im Unternehmen leitet. Wir können außerdem künftig Compilations europaweit vertreiben.

MW: Sie dürften spätestens jetzt das größte Einzelunternehmen im Konzern zumindest in Deutschland sein.

Schenk: Das kann stimmen. Aber für uns ist Größe kein Wert an sich. Unsere Philosophie heisst: Qualitätsprodukte für unterschiedliche Käufergruppen. Dass wir damit gut gefahren sind, haben die vergangenen sechs Jahre gezeigt. Die Umfirmierung hat zwar auch zum Ziel, zu wachsen, aber immer nur unter dem Siegel der Hochwertigkeit unserer Produkte.

MW: In welchen Bereichen soll WSM wachsen?

Schenk: Wir werden allein aufgrund der neuen Geschäftsfelder „Artists Best ofs“ und Classics & Jazz mehr Umsatz generieren. Ich könnte mir auch neue Mediaprodukte aus den Bereichen Classics & Jazz oder TIS vorstellen.

MW: Wird WSM auch in den A&R-Bereich einsteigen?

Schenk: Wir sind schon drin. Unter dem Dach von WSM tragen wir der Tatsache Rechnung, dass die Zeiten vorbei sind, in denen Marketing für Artists und Mediaprodukte „zwei verschiedene Paar Schuhe“ waren. Auch das Marketing für unsere Classics & Jazz-Produkte werden wir in Zukunft „durch eine andere Brille“ sehen.

MW: Wie sehen die Aufgaben der einzelnen Abteilungen künftig aus?

Schenk: Bei Classics & Jazz werden Markus Steffen und sein Team ihr Kerngeschäft in der gewohnten Qualität weiterführen. Darüber hinaus werden wir neue Ideen verwirklichen. Die Vermarktung des Tonträgers zum „Neujahrskonzert 2001“ mit Nikolaus Harnoncourt und den Wiener Philharmonikern oder „FMA Falco meets Amadeus“ sind erste Beispiele dafür. Zum Falco-Musical werden wir unter anderem in der José-Carreras-Gala und in „Bunte“ den Tonträger präsentieren. Der Bereich „Artists Best ofs“ ist für uns ein neues Terrain. Wie wichtig uns dieses neue, international aufgehängte Geschäftsfeld ist, erkennen Sie daran, dass Marijke Davids seit dem 1. Dezember diesen Bereich als Senior Produktmanagerin International Products betreut.

MW: Wie wollen Sie künftig mit den immer teurer werdenden TV-Spotpreisen umgehen? Wird es Umschichtungen im Mediabudget geben?

Schenk: Not macht erfinderisch. Ein Beispiel: Die neue RTLII-Serie „Die Castingagentur“ wurde von unserem Produkt Chartmix Vol. 8 (im Joint Venture mit Polystar und Sony) präsentiert. Mit drei Siebensekündern vor, während und nach der Sendung haben wir wesentlich mehr Zuschauer erreicht, als mit einer klassischen Schaltung zum gleichen Preis. Meines Wissens waren wir das erste Unternehmen der Musikbranche, das diesen Weg ging.

MW: Wann wird es das erste WSM-Angebot für Downloads geben?

Schenk: Wir sondieren noch die verschiedenen möglichen Spielarten, die vom Markt gewünscht werden. Aber ich würde mal die nicht allzu kühne These wagen, dass wir mit AOL in Sachen Downloads den besten Partner haben, den man sich nur wünschen kann.