Studie zur österreichischen Musikbranche

Prof. Fritz Scheuch von der Wirtschaftsuniversität Wien stellte die Studie „Die Musikwirtschaft Österreichs – Strukturen, Chancen und wirtschaftliche Bedeutung“ vor.

“Wirtschaftspolitisch zahlt es sich aus, Geld in die Produktion und Kreation von Musik zu investieren, da jeder Schilling weitere vier Schillinge in der Distribution zur Folge hat“, konstatierte IFPI-Geschäftsführer Dr. Franz Medwenitsch im Rahmen der Vorstellung der Studie. Die Musikbranche Österreichs erwirtschaftete nach Angaben von Fritz Scheuch im untersuchten Jahr 1998 insgesamt 29,932 Milliarden Schilling – rund 4,3 Milliarden Mark. Das entspricht einem Anteil von 1,25 Prozent am Bruttoinlandsprodukt ohne Mehrwertsteuer. Im selben Jahr beschäftigte die Musikindustrie 42.537 Mitarbeiter, rund ein Prozent aller Erwerbstätigen des Landes. Damit rangiert die Branche in Fragen von Beschäftigung und Wertschöpfung vor Textilwirtschaft, Papierindustrie, Chemische Industrie und Kunststoffindustrie. Große strukturelle Bedeutung kommt dem Distributionssystem im Musikbusiness zu: Im Vergleich zwischen Produktion (Autoren, Künstler, Studios, Produzenten, Musikverlage und Agenturen) und Distribution (Aufführung, Tonträgerhandel, Presswerke, anteiliger Handel mit Unterhaltungselektronik, TV, Rundfunk und Verwertungsgesellschaften) erwirtschaftet die Distribution 78 Prozent des Umsatzes. „Einen hohen Stellenwert nehmen dabei die CD-Presswerke ein“ erläuterte Scheuch. „Diese tragen mit 3,3 Milliarden Schilling 19 Prozent zum Bereich Distribution bei.“ Auch im internationalen Vergleich kann sich Österreich behaupten: So erwirtschaftete die Musikindustrie in Großbritannien 0,3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt und in den Niederlanden 0,27 Prozent. Studien-Autor Scheuch diagnostizierte zudem, dass „das Potenzial in der Popmusik noch lange nicht ausgeschöpft ist“ und präsentierte einen Katalog mit Handlungsempfehlungen für die Internationalisierung österreichischen Repertoires, Wirtschaftsförderung, Ausbildung und eine umfassende musikalische Infrastruktur. Prof. Paul Walter Fürst, Präsident der AKM, gab zu bedenken, dass „Änderungen im Ausbildungswesen erst in frühestens zehn Jahren sichtbare Erfolge nach sich ziehen.“ Scheuch erstellte die Studie im Auftrag von unter anderem AKM, Austro Mechana, IFPI Austria und die Interpretengesellschaft OESTIG.