MUSIKWoche: Zehn Jahre Echo – wie ist Ihre persönliche Bilanz?
Prof. Werner Hay: Der Echo hat sich von einem internen Event der Branche zu einem national wie international anerkannten Musikpreis entwickelt. Der Echo ist jetzt der zweitgrößte Musikpreis der Welt – wir können heute also von einer absoluten Erfolgsstory sprechen, die auch positive Rückschlüsse auf die Leistungskraft der deutschen Musikwirtschaft zulässt. Ein markanter Unterschied zum Beginn vor zehn Jahren als wir noch kein Fernsehen dabei hatten: Damals mussten wir den Künstlern „hinterherlaufen“, heute bekommen wir mehr Künstleranfragen, als wir zeitlich realisieren können.
MW: Angesichts der Debatte um den Austragungsort für den Echo: Welcher Standort ist attraktiver, Hamburg oder Berlin?
Hay: Der Standort Hamburg war hervorragend, weil wir dort enorme Unterstützung von den Medien und des hanseatischen Senats erhielten. Das Problem, welches jetzt entstanden ist, liegt am Erfolg des Echo. Wir haben vom Publikum, den Medien und den Künstlern einen derartig großen Zuspruch zu verzeichnen, dass wir die Ansprüche wegen der Hallensituation in Hamburg nicht mehr erfüllen können. Das CCH bot zu wenig Plätze und auch der Bühnenbereich entspricht nicht mehr den internationalen Ansprüchen.
MW: Hamburg brachte den Durchbruch – was kommt nun?
Hay: Erstmals haben wir mit RTL einen Privatsender, daneben eine wesentlich größere Location, was alle Bereiche, das heißt die Bühne bis hin zur After-Show betrifft. Damit verbunden ist auch höheres Investment.
MW: Was ist beim neuen Echo anders und was erhoffen sich die Veranstalter von diesen Neuerungen?
Hay:Wir erhoffen uns größere Wirkung durch den technisch modernsten Stand, der hier realisiert wird. Erstmals haben wir einen Sender, der nicht nur die Verleihung ausstrahlt, sondern auch drumherum viel Sendezeit für Hintergründe, Interviews und sonstige Berichte einplant.
MW: Der Internet-Auftritt der Deutschen Phono-Akademie ist nicht der Dynamik der neuen Aktivitäten angepasst. Welchen Stellenwert haben die Online-Aktivitäten, und ist hier eine Verbesserung geplant?
Hay:Diese Kritik ist berechtigt, aber man muss eben auch Prioritäten setzen, und diese liegen im Augenblick in der Talentnachwuchsförderung. In unserem kleinen Team, das heißt Buchhalterin, Assistentin, Geschäftsführer sowie einige freie Mitarbeiter, müssen dann eben auch noch Echo-Pop und -Klassik organisiert werden, was unseren bisher sicher noch nicht optimal gelösten Online-Auftritt erklärt. Hierfür haben wir keinen Mitarbeiter, der dafür hauptamtlich tätig ist. Doch wir werden diese Seiten künftig aktueller gestalten, auch beim Echo wird es erstmals einen Online-Preis geben, was unser Interesse am Internet sicher verdeutlicht.





