„Popstars“-Macher im Gespräch: Rainer Moslener, A&R/Product Manager MOR Polydor

Bis zu 2,6 Millionen Zuschauer sehen derzeit die Folgen der Doku-Soap „Popstars“ (RTL II), die fünf Mädchen auf dem Weg zur erfolgreichen Girlband begleitet. MUSIKWoche fragte bei Rainer Moslener, A&R/Product Manager MOR bei Polydor und Mitglied der Casting-Jury, nach, welche Pläne die Plattenfirma mit der neuen Formation hat.

MW: Wie fühlt man sich sich als Deutschlands bekanntester A&R?

Rainer Moslener: Ich habe mich bei „Popstars“ sehr wohl gefühlt, was ich auch der Producerin Christiane Lehrmann von Tresor TV zu verdanken habe. Sie sorgte dafür, dass die Folgen sehr gut geschnitten wurden.

MW: Gab es Reaktionen aus der Branche?

Moslener: Von anderen Schallplattenfirmen habe ich wenig gehört, dafür umso mehr aus dem Bereich der Musikverleger. Die haben im Lauf der Sendungen zusammen mit Kollegen auf verschiedene Kandidatinnen getippt und quasi „gewettet“. Die nahmen das sehr positiv auf.

MW: Über 4000 Mädchen wurden gecastet – welche Eigenschaften haben die Siegerinnen, die die restlichen Mädchen nicht hatten?

Moslener: Schwierig war, aus den elf Endkandidatinnen eine Auswahl zu treffen. Die Typen und Stimmen mussten zusammenpassen, was uns letztlich zu einem klaren Urteil geführt hat.

MW: Unter den fünf Popstars befinden sich vier Mädchen, die in Deutschland geboren wurden und Kinder von ausländischen Staatsbürgern sind. Ein Zufall? Oder haben diese Mädchen besonders viel Talent?

Moslener: Gute Frage. Wir haben während der Castings festgestellt, dass sich sehr viele Mädchen südländischen Typs beworben hatten. Der „klassische nordische“ Typ war eher weniger vertreten. Ich glaube, dass es an der Mentalität liegt. Deutschen Talenten ist oftmals erst die Sicherheit wichtig: Zur Schule gehen, eine Berufsausbildung machen oder dergleichen. Mädchen mit ausländischen Eltern setzen eher auf ihr Talent und sind auch ehrgeiziger. Diese Schlussfolgerung haben wir gezogen.

MW: Welche Art von Musik sollen die Popstars machen?

Moslener: Auf alle Fälle englischsprachige Popmusik. Kein Einheitsbrei – nicht zu platt, nicht zu anspruchsvoll. Ich denke, wir haben eine gute Mischung gefunden. Die Planung für die erste Single, „Daylight In Your Eyes“ steht fest. Sie erscheint im Februar bei Polydor/Zeitgeist.

MW: Die Sendung schreibt Quotenrekorde – wie soll es danach weitergehen, ohne TV-Unterstützung?

Moslener: Ich hoffe, dass der Act bis dahin etabliert ist. Die Synergien aus der Beteiligung einer Plattenfirma, eines Konzertveranstalters und eines großen Fernsehsenders bringen viel. Unsere Mädchen haben außerdem den Vorteil, dass sie singen können und nicht aus einer Soap oder dem Container kommen. Bei uns zählen Stimmen, nicht Gesichter.

MW: In welcher Region liegt das Verkaufsziel für die Single?

Moslener: Wir wollen auf alle Fälle Goldstatus erreichen.

MW: Welche Bedeutung hat „Popstars“ für Polydor?

Moslener: Ich hoffe, dass wir damit den großen Wurf landen werden. Das Projekt hat eine außergewöhnliche Geschichte. Das Interesse des Publikums spricht dafür, dass das Konzept funktioniert, teilweise sehen bis zu 2,6 Millionen Zuschauer pro Folge zu. Und in der Kernzielgruppe der 14- bis 29-Jährigen erreicht RTL II bis zu 38 Prozent Marktanteil.

MW: Kritiker merken an, dass die „Popstars“ eine Band aus der Retorte sind? Was halten Sie dagegen?

Moslener: Eine Retorten-Band ist für mich eine Formation, die ich aus dem Katalog zusammenstelle und für die ich im Studio einsingen lasse. Unsere Mädchen haben eine Stimme. Wir wollten mit Popstars zeigen: Jede kann es werden, die auch den Mut hat, zu den Castings zu fahren. Die Zusammenstellung der Band hat nichts mit Retorte zu tun, sondern mit den Marktgegebenheiten.

MW: Kann eine Sendung wie „Popstars“ das Image der Musikbranche aufwerten?

Moslener: Das Klischee des bösen A&R-Manager lässt sich vielleicht ausräumen. Und das Vorurteil, dass wir nach Lust und Laune entscheiden.

MW: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit Tresor TV und RTL II?

Moslener: Die Zusammenarbeit war sehr gut. RTl II hat sich während den Castings sehr zurückgehalten und uns auch die Entscheidungs- kompetenz nicht strittig gemacht. Das hatten wir uns auch schriftlich zusichern lassen.