MUSIKWoche:Herr Peine, das abgelaufene Geschäftsjahr stand wegen der Fusion für Sie und Ihre Mannschaft unter anderen Vorzeichen als alle zuvor.Wo haben sich für den Universal Vertrieb da die größten Schwierigkeiten ergeben?
Hartmut Peine: Die Schwierigkeiten lagen weniger im Vertrieb, ganz einfach weil wir eine sehr gute Mischung aus erfahrenen und jungen Mitarbeitern haben. Die Situation in den Repertoiregesellschaften ist sicherlich auch nicht schlechter als vorher. Was wir gemeinsam haben lernen müssen: wieder miteinander zu Kommunizieren und dabei die Dinge auf den Punkt bringen – und das hat Zeit und auch viel Arbeit gekostet
MW: Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen nicht leichter geworden, vor allem weil die Zahl der Outlets weiter zurückgeht.
Peine: Das trifft vor allem auf den traditionellen Handel zu. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass wir über eine Fülle von Outlet-Strukturen verfügen, die mit Sicherheit für den Tonträgervertrieb hochinteressant sind, die auch früher Tonträger geführt, sich aus welchen Gründen auch immer davon verabschiedet haben und von uns nie wieder aktiviert wurden. Das heißt, ich sehe große Chancen, unser Geschäft zwar noch mehr zu segmentieren, aber damit auch zusätzliche Vertriebskanäle zu aktivieren.
MW: Denken Sie da beispielsweise auch an Supermärkte?
Peine: Also ich kann mir jederzeit vorstellen, dass ein Supermarkt heute Tonträger vertreiben kann, wenn auch nicht in der Breite und Masse, und bei weitem nicht so qualifiziert wie der Fachhandel. Ich glaube unsere Aufgabe ist es nur, herauszufinden, welche Konsumenten sind bereit, welche Tonträger wo zu kaufen? In dieser Meinung wurde ich auch durch unsere Marktforschung bestätigt, und ich glaube auch unseren Kollegen im Wettbewerb geht es ähnlich. Wir brauchen neue Strukturen, und zwar nicht nur online und nicht nur per downloading.
MW: Welche Reaktionen erleben ihre Vertriebsmitarbeiter vor Ort beim Handel auf die neuen Download-Angebote der Majors?
Peine: Die Phase der Verunsicherung haben wir hinter uns, die Popkomm. zum Beispiel hat mich aus vielen Gesprächen heraus ableiten lassen, dass Handelspartner, die ihr Geschäft ernsthaft betreiben, ohne weiteres in der Lage sind, sich darüber Gedanken zu machen, inwieweit das Kiosk-Geschäft im Sinne eines Downloads und einer CD- zum Brennen für sie denkbar ist. Man beschäftigt sich intensiv damit und ich glaube, wir werden in Zukunft parallel fahren: Wir werden den klassischen Handel mit physischen Tonträgern bestücken und wir werden ihn mit entsprechendem Equipment bestücken, um ihm die Möglichkeit zu geben, auch Downloads zu machen.
MW: Einen Merger haben sie verdaut, der nächste steht nun an. Inwieweit wird das die Vertriebsmannschaft in ihrem Alltag betreffen?
Peine: Ich glaube weniger daran, dass wir Veränderungen in den Personen haben werden. Wir gehen mit einem Unternehmen zusammen, dass nicht direkt mit Universal vergleichbar ist, wie es seinerzeit Polygram und Universal waren. Ich vermute, dass sicher auch in dem neuen Merger auf die Kosten geguckt wird, und die haben wir im Griff. Wenn wir an den Kosten aber doch noch arbeiten müssen, dann wird es nicht unbedingt an personellen Einsparungen vorbeigehen. Doch die Arbeit wird ja nicht weniger, und man kann sie auch nicht auf zu wenige Köpfe verteilen. Deswegen glaube ich, dass personell wir relativ unbeschadet aus diesem Zusammenschluss herauskommen werden.





