musikwoche.de-Vote/Quote: Krisenstimmung in Sachen A&R

Klare Verhältnisse bei unserer Online-Umfrage der vergangenen Woche: Eine überwältigende Mehrheit der Teilnehmer bescheinigte der Branche eine A&R-Krise.

Im Zuge der Neugestaltung von musikwoche.de bekam auch die Meinung der Leser eine neue Plattform: Das neue Feature Vote/Quote auf www.musikwoche.de lotet die Stimmung in der Branche mittels einer schnellen Online-Umfrage aus. Im wöchentlichen Rhythmus stellt die Redaktion eine simpel mit „ja“ oder „nein“ zu beantwortende Frage zu einem aktuellen Branchenthema ins Netz.

In der vergangenen Woche fragten wir: „Hat die Musikbranche eine A&R-Krise?“ Das Abstimmungsergebnis war ausgesprochen eindeutig: Bis Mittwoch, den 4. April, um 17 Uhr klickten 83,77 Prozent der Befragten auf „ja“ und nur 16,23 Prozent auf „nein.“

Allerdings ist die Teilnahmemöglichkeit der musikwoche.de-Leser und -User nicht auf das einfache Abstimmen beschränkt. Ein zusätzliches Meinungsfeld im Voting-Kasten gibt ihnen die Möglichkeit auch ausführlichere Kommentare zum jeweiligen Thema abzugeben. Und auch hier bestätigte sich das Bild, das sich bei der Umfrage ergeben hatte. Alle Einsender längerer Statements bescheinigten der Branche ein Artist-Repertoire-Problem.

So schrieb Produzent und Verleger Ralf Pisch (A&R Pisch Musicproduction) zu unserer Frage: „Ein ganz klares ‚Ja!‘ Ich als ehemaliger A&R kann dies behaupten. Aber es liegt teilweise nicht einmal an den A&R-Kollegen selber, sondern auch den Vorgaben der Chefetagen… Auch die Herren Grönemeyer und Westernhagen hätten heute wohl keine Chance mehr, eine so große Karriere zu starten, denn bei ihnen war ja nicht das erste oder zweite Album ein Kassenschlager. Wer bekommt denn heute noch die Chance, das zweite geschweige denn dritte Album zu machen, wenn das erste nicht funktioniert?“

Axel Bessler, CEO von webGROOVE.de, fragte: „Welcher A&R nimmt sich wirklich die Zeit, online den Markt zu erforschen und neue potenzielle Künstler aus der Menge der Angebote in den Newcomer-Websites wie uptrax, Vitaminic, BeSonic oder MP3.de zu suchen?“

Wolfgang Teschner von der PANTA Musik GmbH schließlich wies auf die Arbeitsüberlastung der Verantwortlichen hin. Die Gründe für die Krise seien auch darin zu suchen, „dass heutzutage ein A&R nicht selten bis zu 50, 60 Künstler pro Jahr zu betreuen“ habe.