“Das Internet ist ein Mittel, das vielen Leuten ermöglicht, auch in Nischen Musik zu machen und Gehör zu finden. Man sagt sich, ’scheiß auf Plattenfirmen, scheiß auf dicke Studios, ich mach mein Zeug‘ – und es gibt dann plötzlich hundert oder zweihundert Leute, die einem sagen: ‚Ich finde Dich gut!‘ Das gibt Anfängern Selbstbewußtsein.“
Plasa wertet dies als deutliches Signal, dass über das Net „Musikkultur wieder zurückkommt“, weil sie hier von den Vermarktungszwängen befreit sei und daher auch Innovationen und Avantgarde mehr Chancen hätten. Seine Antwort auf die im Diskussionsthema gestellte Frage: „Ein Weg ist sicherlich, kleine Brötchen in kleinen Strukturen zu backen, vielleicht ganz kleine Labels mit ganz kleinen Vertriebsstrukturen zu schaffen.“ Außerdem müsse laut Plasa aber generell wieder mehr auf Talent Scouting geachtet werden, denn die Barrieren zwischen Künstlern und Vermarktern seien längst zu hoch: „Es gibt genug Kreativität, es gibt auch genug Leute, die gute Ideen haben und geile Musik machen. Mittlerweile ist aber die Distanz derjenigen, die das in den Plattenfirmen beurteilen, zu denen, die das eigentlich machen, also den Künstlern, so groß geworden, dass die meisten A&R-Manager diese Relevanz gar nicht mehr beurteilen können.“
Wenn sie wüssten, dass mit einer Veröffentlichung auch eine Kooperation realisierbar sei, dann käme es auch zu Verträgen. Plasa: „Ein Thema aus sich selbst heraus begreifen und sein Potenzial erkennen – es gibt kaum noch Leute, die das wirklich können.“ Deshalb sei die Frage nach den Strukturen zu stellen, was wiederum für größere Nähe zu den vielen kreativen Zellen rund um die Plattenfirmen spräche. Innerhalb bestehender Strukturen sei die Arbeit mit bereits Vorgefertigtem viel zu groß geworden, hier habe man kreative Gebiete einfach leergeräumt: „Ein ganz wichtiges Wort in dieser Branche heißt Remix! Ich bin ja auch meistens in der Situation, dass ich mit irgendwas im Studio ankomme, was ziemlich gut ist, aber ich lass‘ erst einmal einen Radio-Mix damit machen. Das ist hier das Problem: Man vertraut zunächst einmal gar nicht mehr auf das, was aus den Leuten selbst kommt, sondern man setzt Leute, die es angeblich besser können, an alles ran und sagt: ‚Komm, mach Du mal, das finde ich zwar ganz gut, aber das braucht doch Dein Händchen!‘ Das ist ein großer Quatsch.“ Nach Plasas Ansicht hat die Branche längst zu wenig Mut und lässt sich daher viel zu sehr treiben und beeinflussen. Sein Appell zu mehr Kreativität auf allen Ebenen in der Musikwirtschaft blieb unwidersprochen.




