Rund 9000 Besucher sahen dieses Jahr das auf 13 Locations erweiterte Clubfestival, schätzt der sichtlich zufriedene Organisator Philipp Schnyder von Wartensee vom Migros Kulturprozent. Das sei ein neuer Besucherrekord. Publikumsattraktionen waren die Suisa-Singer/Songwriter-Nacht im Club Moods vom Freitag und die ausverkaufte HipHop-Nacht am Samstag im X-tra Limmathaus.
Eher an das Fachpublikum richteten sich die Panel-Veranstaltungen mit geladenen Fachleuten und Branchenkennern. Eines der Panels stand unter dem Festivalmotto „Beats, Bytes, & Copyrights“: Vertreter alter und neuer Musikfirmen diskutierten die Problematik des digitalen Tausches von Musik über das Internet.
Dr. Martin Schaefer, Geschäftsführer des deutschen Bundesverband Phono, erklärte, dass die Verkaufszahlen in Deutschland zum dritten Mal in Folge rückläufig seien. Er führte dies vor allem auf Verluste durch CD-Brenner und Downloads zurück. Hier müsse man gegensteuern, bestätigte ihn Chris Wepfer, Managing Director Warner Music Switzerland. Die Industrie verfüge laut Wepfer inzwischen über die Software zur Überwachung der Anwender beliebter Online-Tauschbörsen. Und Thomas Moroder, Entwickler des Peer-To-Peer-Dienstes bearshare.de, bezeichnete es als möglich, solche Plattformen künftig legal zu führen. Der Anwalt Dr. Andreas Ritter mahnte allerdings an: „Wenn Usern zu sehr nachgestellt wird, tauchen Gefahren des Datenschutzes auf.“
Im Rahmen einer weiteren Diskussionsrunde stellten fünf Fachleute ihre Zukunftsvisionen dar. Jürgen Stark, Mitarbeiter von musikwoche.de, beklagte das Fehlen einer „seriösen schulischen Musikerziehung in Deutschland“. Stark wies darauf hin, dass die heutigen Kids Musik allenfalls noch als Klangtapete zur Kenntis nehmen würden: „Wer wird in zwanzig Jahren überhaupt noch CDs kaufen“, fragte er. „MP3 ist Opium für das Volk“, ergänzte Poto Wegener, Jurist bei der SUISA. Er plädierte dafür, dass die Verwertungsgesellschaften die Einzelnutzung erfassen müssten. „Download ja“, sagte er, „aber gegen Entschädigung.“
Peter Rantasa, Direktor des mica – Music Information Center Austria, kritisierte, dass zuviel über Geld im Internet geredet würde. Er skizzierte drei Perspektiven für die Musikwirtschaft: Das Internet sei erstens für die Künstler ein Weg zum Verkauf von Musik, zweitens für die Industrie eine störende neue Technologie, die zu einer Neuorganisation der gesamten Branche führe, und zwar, weil drittens das Netz den Konsumenten zu einem selbstbestimmteren Handeln verhelfe.
Ralf Niemczyk, Redaktionsleiter PopOnline.de, meinte, dass der ökonomische Aspekt des Internets derzeit massiv überbewertet werde. Er erinnerte an die zahlreichen Flop-Coms und zitierte Schätzungen, wonach der Umsatz des digitalen Musikhandels in den nächsten fünf Jahren von 200 Millionen auf 2,2 Milliarden Dollar ansteige. „So schnell geht das nicht. Das sind bestenfalls Hochrechnungen von Erwartungshaltungen.‘




