Kauft Seagram nun PolyGram?

Der kanadische Mischkonzern Seagram und der niederländische Elektronikriese scheinen sich handelseinig zu sein: Seagram wird den Philips-Anteil am Film- und Musikunternehmen PolyGram übernehmen, Einzelheiten könnten bereits in den nächsten Wochen ausgehandelt werden, meldet das US-Blatt „Variety“.

Seagram und Philips sollen kurz vor einer Einigung über den Verkauf der Musik- und Filmtochter PolyGram an den kanadischen Mischkonzern stehen. Gleichzeitig ist die EMI Group wohl aus dem Spiel: Am 8. Mai bestätigte der Londoner Major, daß die Gespräche mit einem potentiellen Käufer – vermutet wird Seagram – eingestellt worden seien. Seagram-CEO Edgar J. Bronfman jr. scheint die EMI für zu teuer befunden zu haben. Neun Mrd. US-Dollar sollte die EMI Group kosten, an der Börse brächten es alle EMI-Aktien gerade einmal auf 7,6 Mrd. Dollar.

Die PolyGram käme – berechnet nach dem Schlußkurs der New Yorker Börse von Freitag, dem 8. Mai – auf einen Marktwert von neun Mrd. Dollar, wäre, so Analysten, allerdings mehr wert: Im Gegensatz zur EMI hat PolyGram in den letzten Jahren für positive Schlagzeilen gesorgt, sich neu strukturiert und erfolgreich verschlankt. Philips will sich jedoch auf seine Kerngeschäftsbereiche konzentrieren. Einen eventuellen Käufer würde Philips, so hieß es, auch durch einen Aktientausch unterstützen. Ein schneller Abschluß dürfte für die Niederländer wünschenswert sein: Besonders in der Filmindustrie reagiert man sensibel auf Unsicherheiten aller Art. Die Chefs des Londoner Filmlabels „Working Title“, Tim Bevan und Eric Fellner, beispielsweise haben ihre Verträge mit PolyGram noch nicht erneuert.

Unklar ist die Zukunft von PolyGram-President und CEO Alain Levy. Er soll erst kurz vor der Öffentlichkeit von den Verkaufsabsichten informiert worden sein. Wie es heißt, plant er jetzt einen Management Buy-Out der von ihm geleiteten Firma.