Katalogarbeit bei den Majors – Von Elvis bis Jacko

Auch die Backkatalog-Spezialisten der Major-Companies können nicht immer so wie sie wollen – Konzernstrukturen bringen neben besonderen Ressourcen mitunter auch besondere Hürden mit sich. MusikWoche blickte bei Klaus Schmalenbach (BMG)und Knut Schulze (Sony Music) ins Nähkästchen.

In der Neumarkter Straße in München laufen viele Fäden des internationalen Backkatalog-Geschäfts der BMG zusammen. „Hier wird die weltweite Con-tent- und Katalogauswertung koordiniert“, sagt Klaus Schmalenbach, Vice President Strategic Catalogue Marketing. Wegen der Größe und Situation des US-Marktes würden allerdings dort eigene Konzepte entwickelt, wobei internationale Themen durchaus „mit uns abgestimmt werden“.

Schmalenbach stellt beim Stichwort Katalog erst einmal die Frage nach der Definition. Darunter falle bei BMG insbesondere die Elvis-Auswertung, die einen ganz besonderen Stellenwert genieße, da Elvis Presley immer noch bestverkaufender Katalogkünstler der Welt sei. Aber auch die vorletzten Alben von Whitney Houston oder Eros Ramazzotti fielen darunter.

Bei aktuellen Top-Künstlern sei es selbstverständlich, im Zuge neuer Veröffentlichungen, von Tourneen oder anderen Medien-Events den bestehenden Katalog zu aktivieren und neu zu vermarkten. Bei Künstlern wie Elvis Presley, Lou Reed oder John Denver, die einen internationalen Markt haben, würden Re-Releases weltweit abgestimmt. Für die lokalen Ländergesellschaften bestehe zudem die Möglichkeit, auch eigene Produkte zu entwickeln, „das allerdings im Rahmen der internationalen Gesamtplanung“.

Darüberhinaus gebe es auch Regionalthemen, die durch ihren musikalischen Inhalt oder durch ihre Sprache limitiert würden, sagt Schmalenbach und nennt als Beispiele Patrick Bruel, Jacques Dutronc oder Francoise Hardy aus dem französischen Sprachraum.

International abgestimmt werden auch die regelmäßig dreimal im Jahr laufenden Stop-Kampagnen im Midprice-Bereich – „ein Teil des Marketings ist natürlich die Preispolitik“ – und die Top-Artist-bezogenen Themen.

Exemplarisch nennt Schmalenbach die Präsentation von Dave Matthews“ Backkatalog in Zusammenhang mit dessen demnächst erscheinendem neuen Album. Hierbei werde zugleich ein Problem eines international operierenden Konzerns deutlich: In den USA ist Matthews ein Superstar, während er in Europa noch als Geheimtipp gilt, wenn auch als heiß gehandelter. „Im Rahmen einer Gesamtmarketing-Kampagne versuchen wir, den Katalog, der in Deutschland bisher nicht in den mit Amerika vergleichbaren Stückzahlen verkauft worden ist, neu zuaktivieren.“

Weitere Schwerpunkte sind für Schmalenbach zunächst Rory Gallaghers lange erwartetes posthumes Akustikalbum im Mai, „Wheels Within Wheels“, dem auch DVD-Veröffentlichungen und in absehbarer Zeit ein Box-Set folgen sollen. Schwerpunktthemen sind auch Teenager-Kataloge wie die von Sweet und Smokie, von denen gerade ein Album zum 25-jährigen Jubiläum erschienen ist.

Aufhorchen ließ jüngst auch die Katalog-Abteilung von Sony Music mit ihren aufwändigen Boxen von Stevie Ray Vaughan, Adam Ant und dem drei CDs umfassenden E.L.O.-Paket. Doch nicht immer läuft die Backkatalogarbeit reibungslos in einem Konzern, der nicht von Deutschland aus gelenkt wird, wie Knut Schulze, Leiter Sony Import Service, zu berichten weiß.

Wenn Sony Deutschland ein Thema bearbeiten wolle, sei man darauf angewiesen, dass vergleichbares Interesse an diesem Produkt auch in den USA herrsche, da ansonsten die Stückzahlen allein für Deutschland zu gering für den damit verbundenen Aufwand seien. Ihm missfalle auch, dass die Kollegen in den USA allzu oft interessante Themen an spezialisierte Fremdfirmen wie One Way abgäben, die dann ihrerseits den europäischen Markt mit Importware überschwemmten.

Überhaupt ließe sich der riesige US-Backkatalog nach Ansicht von Schulze viel effizienter ausnutzen – beispielsweise angesichts des wachsenden Erfolgs von Coverversionen. Schulze lässt durchblicken, dass er den US-Kollegen hie und da gerne Dampf machen würde: „Viele Radiosender wären in solchen Fällen interessiert, auch mal das Original zu spielen, das häufig nicht mehr verfügbar ist.“

Allerdings würden die deutschen Katalog-Abteilungen zu häufig nach Amerika schielen und auf das dortige Repertoire. Bei fast allen Firmen werde zu wenig selbst initiiert und unternommen, um den Erwartungen der Endverbraucher gerecht zu werden. Die erwarteten einfach mehr als nur Eins-zu-Eins-Übernahmen neu aufgelegter Alben.

Als Schwerpunkt bei Sony Music in den nächsten Monaten kündigt Schulze die Neuauflage des Michael-Jackson-Katalogs parallel zum Erscheinen seines neuen Albums an. Hier werde vorbildliche Arbeit geleistet: „Die alten Alben werden digital remastert, dazu kriegt jede reichlich Bonustracks, teilweise bis zu zehn Stücke.‘