Jubilar Jack White: „Ich bin immer auf dem Boden geblieben‘

Fußballprofi, Sänger, Produzent, Vorstandsvorsitzender – die Laufbahn von Horst Nussbaum, besser bekannt als , hat viele Facetten. MUSIKWoche sprach mit ihm über die Zukunft seiner Aktiengesellschaft und den schönsten Moment seiner Karriere.

MUSIKWoche: Herr White, Sie haben mit 59 Jahren – einem Alter, in dem sich andere Manager oder Produzenten zurückziehen und ihren Lebensabend genießen – eine AG gegründet. Was motivierte Sie, nochmal aktiv zu werden?

Jack White: Ich erfüllte mir mit der Gründung einen alten Traum. Damit und mit dem Start einer eigenen Firma in Amerika. Es ist allgemein bekannt, dass ich dort in den achtziger Jahren einige Welthits hatte. Der Börsengang ist für mich eine grosse Herausforderung und ich gehe davon aus, dass wir es schaffen, zu einem Global Player in der Musikbranche zu werden.

MW: Wieviele Jahre wollen Sie selbst noch mit anpacken?

White: Ich werde mit Sicherheit nicht ein Leben lang Vorstandsvorsitzender bleiben. Aber ich garantiere dafür, dass ich nie wieder für jemanden anders schreiben und produzieren werde als für diese Firma. Vielleicht bin ich eines Tages nur noch Songwriter, Produzent und Berater der Company. Und das kann ich noch, wenn ich 100 Jahre alt bin.

MW: Mit welchen Themen oder Künstlern wollen Sie in den kommenden Monaten den Markt erobern?

White: Unsere Firmenphilosophie sieht vor, dass wir auch Musikkataloge aufkaufen. Als wir begannen, brachte ich als mein Lebenswerk etwa 2000 Lizenzen ein. Durch Aquisitionen sind wir derzeit bei etwa 12.000 Titeln angelangt. In den nächsten Jahren wollen wir den Katalog auf etwa 75.000 bis 100.000 Titel erweitern. Zum anderen geht es uns um den Hit. Wenn man bereits auf weit über 300 Goldene Schallplatten zurückblicken kann, dann ist es nicht unlogisch, dass es irgendwann wieder einmal mit einem Hit klappt. Wir wählen unsere Künstler sehr sorgfältig aus. Jetzt gerade haben wir eine Amerikanerin namens Liz Abella entdeckt, die demnächst auch im deutschen Fernsehen ihre Premiere feiern wird. Dann wird jeder sehen, wovon wir reden. Bei ihr kann ich nicht ausschließen, dass wir mit ihr einen kommenden Weltstar haben. Dann verändert sich alles. Als zweites Projekt bauen wir gerade in Amerika eine Boygroup auf, die First Love heisst. Das Medienecho in den Staaten ist enorm. Eines von beiden wird knallen, davon gehe ich fest aus. Der Charme unserer Company liegt auch darin, dass wir nur acht Mitarbeiter haben. Egal ob wir 10.000 oder zehn Millionen Platten verkaufen – wir müssen nicht einen Mitarbeiter mehr deswegen einstellen. Das unterscheidet uns ganz gewaltig beispielsweise von der edel music AG. Die müssen Monat für Monat über 600 Mitarbeiter bezahlen.

MW: Ist das die Strategie Ihrer AG – Hits suchen und Lizenzen als sichere Einnahmequelle aufkaufen?

White: Allein mit den Einnahmen aus den Lizenzen, die ich mit in die Firma eingebracht habe, ist es unmöglich, dass wir Verluste fahren. Die Lizenzrechte werden im Internetzeitalter immer wichtiger. Ob wir unser Geld zukünftig von der BMG oder der Telekom bekomme, ist mir letztlich egal.

MW: Stichwort Börsenkurs – Die Aktie der Jack White AG ist derzeit rund 17 Euro wert – nach einem Höchststand in diesem Jahr von 59 Euro. Wann geht es wieder aufwärts?

White: Der schlechte Kurs steht vielleicht in Zusammenhang mit der ungünstigen Grosswetterlage an den Börsen. Anders ist es nicht zu erklären. Die Börsianer müssen lernen, dass das erste Quartal bei einer Plattenfirma von Retouren geprägt ist, und ein Anstieg im dritten und vierten Quartal zu erwarten ist. Ich prognostiziere, dass sich der Wert der Aktie innerhalb der nächsten sechs Monate mindestens verdoppeln oder verdreifachen wird. Ich gehöre schon längst nicht mehr zu den Leuten, die sich den Kurs jeden Tag anschauen und davon verrückt machen lassen. Ich kenne die Substanz der Company und weiss, was kommt. In ein paar Monaten stehen die endgültigen Strukturen der AG und dann konzentrieren wir uns auf den ersten großen Hit. Danach werden wir uns in den Armen liegen und die Aktionäre mit uns.

MW: Rückblickend auf Ihre lange Karriere – Mit wem haben Sie am liebsten zusammengearbeitet?

White: Der Hit „Schöne Maid“ war ein unvergessliches Erlebnis. Ich werde auch nie vergessen, als ich eines Sonntag morgens mit Mark Marshall, dem Sohn von Tony Marshall, im Cabrio durch Los Angeles fuhr und im Radio die Nachricht kam, dass „Gloria“ die neue Nummer eins der Single-Charts ist. Da hatte plötzlich der kleine Klatschmusikproduzent Jack White aus Deutschland seinen Nummer-Eins-Hit in Amerika… Ich habe alle meine Künstler geliebt. Tony Marshall, Andrea Jürgens, Engelbert sind nur einige Beispiele für enge Freundschaften. Auch mit David Hasselhoff habe ich meinen Spass gehabt. Ebenso mit Laura Branigan.

MW: Jack White war auch mal als Fußballer sehr erfolgreich. Gibt es im Fussballgeschäft und in der Musikbranche so etwas wie eine Art gemeinsame Erfolgsstrategie?

White: Nein. Aber ich bin zum Gemeinschaftsdenken erzogen worden und immer in Mannschaftssportarten tätig. Vielleicht ist mein Background als Fußballer ein Grund dafür, dass ich nie abgehoben habe und auf dem Boden geblieben bin.